Kommentar zum RB31: Der Zug ist fast abgefahren

Kommentar zum Bahnchaos: Der Zug ist fast abgefahren

Die Probleme des Bahnverkehrs zwischen Duisburg und Xanten sind so nicht hinnehmbar. Das hat in der Lokalpolitik allerdings offenbar noch niemand so wirklich registriert. Der Druck auf die Verantwortlichen bei den Verkehrsbetrieben muss dringend erhöht werden.

Heillos überfüllte Waggons, Züge, die aus unbekannten Gründen mitten auf der Strecke stehenbleiben, zahlreiche Ausfälle und Verspätungen, teilweise kein Ersatzverkehr mit Bussen. Was den Pendlern, die regelmäßig mit dem „Niederrheiner“ (RB31) fahren und auch auf ihn angewiesen sind, in den vergangenen Wochen zugemutet wurde, spiegelt den Zustand der deutschen Verkehrsinfrastruktur und des Öffentlichen Personennahverkehrs im Jahr 2018 erschreckend deutlich wider. Nordrhein-Westfalen droht nicht nur auf der Straße der Verkehrsinfarkt.

Die Probleme hauptsächlich damit zu erklären, dass die gesamte Branche mit einem hohen Krankenstand unter Zugführern zu kämpfen habe, greift zu kurz. Denn auch die örtlichen technischen Gegebenheiten auf der Strecke zwischen Duisburg und Xanten behindern den regelmäßigen Zugverkehr enorm: Fehlende Elektrifizierung auf einzelnen Abschnitten, unbeschrankte Bahnübergänge, zu kurze Wendezeiten. Wenn dann noch wie zuletzt mangelhafte Absprachen zwischen dem RB31-Betreiber Nordwestbahn und dem Streckenbetreiber DB Netz im Vorfeld von Baumaßnahmen hinzukommen, ist das Chaos programmiert.

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In diesem Zusammenhang ist es allerdings auch mehr als verwunderlich, dass nahezu sämtliche Akteure der Lokalpolitik zwischen Duisburg und Xanten bislang keinen Druck auf Nordwestbahn, Deutsche Bahn oder auch VRR ausüben, die Situation in den Griff zu bekommen. Einzig die Rheinberger Grünen haben sich mit einer wohlgemerkt eher symbolischen Aktion bislang aus der Deckung gewagt und versucht, in Berlin Gehör zu finden.

Das ist zu wenig. Denn auch der Lokalpolitik sollte die Bedeutung eines reibungslosen Zugverkehrs ins und aus dem Ruhrgebiet ein wichtiges Anliegen sein. Der Druck auf die Verkehrsbetriebe muss erhöht werden. Wenn man bedenkt, dass sich in knapp eineinhalb Jahren nicht mehr nur Pendler, sondern auch die Touristen, die zur Landesgartenschau nach Kamp-Lintfort wollen, in die Züge quetschen werden, ist es bereits jetzt höchste Eisenbahn, um die notwendigen Weichen zu stellen.

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