CDU im Kreis Wesel nach dem Parteitag in Hamburg vor einer Bewährungsprobe

Nach dem Bundesparteitag in Hamburg : CDU im Kreis setzt auf Schulterschluss

Die Delegierten des Kreises Wesel waren sich nicht einig beim Wunschkandidaten für den Bundesvorsitz. Mit Sabine Weiss verlässt eine wichtige Stimme des Kreises Wesel den Bundesvorstand der Christdemokraten. Was heißt das für die Kreis-CDU?

Der bewegende Bundesparteitag der CDU in Hamburg hat auch bei den Delegierten des Kreises Wesel Eindruck hinterlassen. Der Abschied von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, die Neuwahl von Annegret Kramp-Karrenbauer als Chefin: Was bedeutet das perspektivisch für die Christdemokraten? Auch die CDU in der Region steht vor einer Bewährungsprobe: Der Kreis Wesel reiste nicht mit einheitlichem Votum an. Es gab hier keinen eindeutigen Favoriten bei den Delegierten. Die Hamminkelner Delegierten Norbert Neß und Charlotte Quik waren für Jens Spahn, CDU-Fraktionschef Ingo Brohl aus Moers für Friedrich Merz, Kreisdirektor Ralf Berensmeier und Anika Zimmer, Chefin der Kreis-Frauenunion, wiederum für Annegret Kramp-Karrenbauer. Dahinter stehen immer auch unterschiedliche Vorstellungen vom Kurs der CDU.

Charlotte Quik (M.) im Gespräch mit Hendrik Wüst (l.) und Norbert Neß. Foto: CDU

Eine fehlte in dieser Reihe: Die Bundestagsabgeordnete und Chefin der Kreis-CDU, Sabine Weiss, war aus persönlichen Gründen nicht in Hamburg zugegen, teilte schon frühzeitig mit, nicht als Delegierte zur Verfügung zu stehen. Auch kandidierte die Merkel-Vertraute diesmal nicht für einen Platz im Bundesvorstand. Als Sabine Weiss den persönlichen Termin zusagte, habe sie nicht wissen können, dass es zur Neuwahl auf dem Vorsitzendenposten komme, erklärte ihr Sprecher Bernd Altmeppen auf Anfrage. Hätte sie eher vom Merkel-Rückzug als Parteichefin erfahren, hätte Sabine Weiss den Termin auch umgelegt. „Auf die Wiederwahl in den Vorstand hat sie verzichtet, weil sie sich den Delegierten nicht persönlich vorstellen konnte.“ Den Platz von Weiss im Bundesvorstand nimmt nun Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin, ein. Sie ist auch Landesvorsitzende der Frauenunion.

CDU Parteitag Foto: CDU

Trotz unterschiedlicher Voten: Die Delegierten der Kreis-CDU sendeten in den sozialen Netzwerken Signale der Einigkeit: etwa das Bild, wie sie gemeinsam hinter ihren „Tischwahlkabinen“ sitzen. Es sei nun „sehr wichtig, zur Ruhe zu kommen und nach vorne zu schauen“, sagt etwa die Landtagsabgeordnete Charlotte Quik aus Brünen. „Wir haben mit dem Abschied von Angela Merkel, der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer und der von Paul Ziemiak zum Generalsekretär die Weichen gestellt: Sicherlich nicht zur Zufriedenheit aller, aber in meiner Welt gilt, dass jeder eine Chance verdient hat. Geben wir der neuen Führungsmannschaft diese Chance.“ Norbert Neß aus Dingden, CDU-Vorsitzender für Hamminkeln, hat im zweiten Wahlgang für Kramp-Karrenbauer gestimmt, nachdem sein eigentlicher Wunschkandidat Jens Spahn im ersten Wahlgang ein respektables Ergebnis erreichte: „Schade, dass Jens Spahn  es nicht geschafft hat. Er stand und steht für einen echten Generationswechsel. Er hat eine klasse Rede gehalten und die Tagesordnung der Zukunft beschrieben.“ Auch die neue CDU-Vorsitzende sei für ihn aber eine gute Kandidatin – „klarer Kompass und ein Gefühl für die vor uns liegenden Aufgaben.“

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Anika Zimmer aus Hünxe, Vorsitzende der Frauenunion im Kreis, ist glücklich mit der Wahl Kramp-Karrenbauers – sie war schon im Vorfeld Zimmers Favoritin. Kramp-Karrenbauer sei in der Lage, die Flügel der CDU zu vereinen, glaubt Zimmer. Kreisdirektor Ralf Berensmeier ist nach dem Parteitag sichtlich bewegt; er hatte sich schon vorher für Kramp-Karrenbauer ausgesprochen. Schon am Vorabend stellte sich seine Favoritin bei einem Treffen mit der Kommunalpolitischen Vereinigung auch für ein Foto mit ihm auf – für die politische Karriere sind solche Bilder immer förderlich. Berensmeier nennt die Rede von Kramp-Karrenbauer „beeindruckend und überzeugend“.

Auch der Moerser CDU-Fraktionschef Ingo Brohl sagt: „Annegret Kramp-Karrenbauer wird eine gute Vorsitzende.“ Er hatte sich jedoch im Vorfeld für Friedrich Merz ausgesprochen. Bei einer CDU-Veranstaltung in Moers habe er sich für dieses Votum Zustimmung geholt, gleichzeitig sei dort festgestellt worden, dass auch eine Kandidatin Kramp-Karrenbauer große Anerkennung verdiene. Brohl betonte auch den Wert der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel: „Bei aller aktuellen Sichtweise auf ihre Leistungen, ich bin mir sicher, dass mit einigem Abstand ihr Werk vielleicht in einem Atemzug mit Adenauer und Kohl genannt werden wird.”

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