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Hückeswagen: Ein gutes Leben neben dem Golfplatz

Hückeswagener Orts- und Straßennamen : Ein gutes Leben neben dem Golfplatz

In Stoote, der Ortschaft zwischen Scheideweg und Dreibäumen, leben zwölf Familien – wie Anja und Andreas Kölsch. Angenehm ist vor allem die gute Nachbarschaft der Manschennahe des Golfplatzes.

Wenn man im Navigationsgerät die Hückeswagener Ortschaft Stoote eingibt, sollte man sich vergewissern, dass das Gerät auch das richtige Stoote erkannt hat. Denn neben dem, das sich unterhalb der L 101 zwischen Maisdörpe und Dreibäumen und in der Nähe des Golfplatzes in die bergische Landschaft schmiegt, gibt es auch noch eine Ortschaft gleichen Namens an der Bever-Talsperre im Drei-Städte-Eck Hückeswagen, Radevormwald, Wipperfürth.

Neben dem Golfhotel und dem Clubhaus, die von der Landstraße aus unschwer zu sehen sind, verbirgt sich in der Ortschaft Stoote indes noch eine seit langer Zeit gewachsene Gemeinschaft von derzeit zwölf Haushalten. Anja und Andreas Kölsch leben mit ihrer Tochter dort am Ende einer Sackgasse in einem der wenigen Hückeswagener Holzblockhäuser.

Für Andreas Kölsch war es nach einigen Jahren der Abwesenheit, in denen er mit seiner Familie in Wermelskirchen gelebt hat, eine Rückkehr nach Hause. „Ich bin hier aufgewachsen, meine Eltern hatten eine Landwirtschaft hier. Damals gab es nur zwei Höfe und zwei Bandwirkereien. Im Rückblick hatte das sehr viel von Astrid Lindgrens Bullerbü-Geschichten“, erzählt der 46-jährige Ergotherapeut, der zusammen mit seiner Frau 2007 im ehemaligen Hühnerstall der Eltern gebaut hat.

Woher der Name Stoote stammt, kann er indes nicht sagen. „Ich kann mich aber an eine Zeit in meiner Kindheit erinnern, da hieß unsere Anschrift noch Bergisch Born“, sagt der 46-Jährige.

Es ist idyllisch in Stoote. Vom Gewerbegebiet Winterhagen bekommt man nichts mit, auch die Geräusche der Landstraße halten sich in Grenzen, vieleicht abgesehen vom Motorradlärm an besonders stark frequentierten Wochenenden. „Die Einrichtung von Tempo 70 ist eine gute Sache – früher sind regelmäßig Autos von der Straße abgekommen, weil sie zu schnell unterwegs waren“, berichtet Kölsch. Auch über dennahen Golfplatz ist er froh: „Denn so kann das Gewerbegebiet nicht näher rücken.“ Der Blick geht aus dem Garten somit ungehindert ins Grüne, den Golfbetrieb bekommt man höchstens durch das Klacken beim Abschlag mit.

Stoote ist wie viele andere Hof- und Ortschaften rund um die Schloss-Stadt schon früh erstmals erwähnt worden. Hier datiert eine urkundliche Erwähnung in einer Spendenliste für den Marienalter der Hückeswagener Kirche nach 1481 zurück. Die Zahl der Einwohner hat sich in den vergangenen Jahrhunderten nicht wesentlich verändert. „In einigen Fällen haben die Kinder der Anwohner hier ebenfalls gebaut. Im alten Kuhstall des Hofs meiner Eltern entsteht derzeit ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten“, erzählt Kölsch. Die Entscheidung zum Verkauf sei nur gefallen, weil der Käufer und Investor selbst nach Stoote ziehen wollte. „Es wäre mir extrem übel aufgestoßen, wenn hier nur ein bloßes Investitionsobjekt entstanden wäre“, sagt der 46-Jährige.

Denn auch das sei ein großer Vorteil an Stoote – die gewachsene Nachbarschaft. „Man kennt sich, man geht zum Nachbarn, um einen Hammer zu borgen – und kommt drei Stunden später nach einer langen Unterhaltung und zwei Bier wieder nach Hause. Das geht nur in gewachsenen Strukturen“, sagt Kölsch und lacht. Seine Frau ergänzt: „Man kann aufeinander zählen. Ich weiß gar nicht, wie oft morgens mein Auto schon nicht angesprungen ist und mich ein Nachbar ganz problemlos zur Arbeit nach Hückeswagen gebracht hat.“ Man sehe sich zwar nicht ständig, aber wenn es etwas zu feiern gebe, dann seien alle mit dabei. „Gold- und Silberhochzeiten, runde Geburtstage oder Konfirmationen werden groß gefeiert. Eigentlich machen wir auch immer ein Osterfeuer, aber das ist in diesem Jahr ausgefallen“, sagt Andreas Kölsch.

Man lebe in Stoote eben zusammen, nicht nur nebeneinander her.