Hückeswagen: Belastungen bei Klingelnberg

Blickpunkt Wirtschaft in Hückeswagen : Belastungen bei Klingelnberg

Das erste Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahrs war für das Maschinenbau-Unternehmen ein schwieriges. Der Standort Hückeswagen ist aber nicht in Gefahr.

Die Nachrichten lässt erst einmal böse Erinnerungen an die Jahre 2003, 2009 und 2013 wach werden, als Klingelnberg in wirtschaftlich schwierigen Zeiten etliche Mitarbeiter entlassen hatte. Steht in der Folge für 2019 Ähnliches an? Zumindest nicht in Hückeswagen, so scheint es. Zwar blickt die Klingelnberg-Gruppe, weltweit führender Hersteller von Hochtechnologie im Bereich der Verzahntechnik wie eine Vielzahl von Branchen, auf ein schwieriges erstes Halbjahr 2019/2020 zurück – das Geschäftsjahr läuft immer vom 1. April bis 30. März. Aber während die Umsätze etwa in den Bereichen Kegelräder (minus sechs Millionen auf 35 Millionen Euro) und Präzisionsmesszenten (minus 9,1 auf 21 Millionen) rückläufig sind, sind sie in den Bereichen Stirnräder (plus 4,1 auf 22,8 Millionen) und Antriebtechnik (plus eine Million auf 5,9 Millionen) gestiegen. Das Plus bei den Stirnrädern ist vor allem auf die verstärkte Investition in Asien in die Windkraft zurückzuführen. Und im Bergbau wird zukünftig der Bedarf an Mineralien wie Kobalt und Lithium für den Bau von Batterien für steigende Investitionsbereitschaft sorgen, ist sich das Unternehmen sicher.

Fakt ist jedoch, dass die Klingelnberg-Gruppe in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres einen Rückgang beim Nettoumsatz von rund 10,7 Millionen auf 88,4 Millionen Euro verzeichnete. Als Gründe dafür nennt das Unternehmen den „weltweiten Rückgang der gesamten Industrieproduktion – insbesondere der Automobilproduktion –, deutliche Belastungen aus dem Brexit und Handelskonflikten sowie fehlende Richtungsvorgaben etwa zur Zukunft der Mobilität“.

Dazu betont Jan Klingelnberg, geschäftsführendes Vorstandsmitglied (CEO) und Gesellschafter der Klingelnberg-Gruppe: „Weltweit gehen die Wachstumsraten zurück. In vielen Märkten und wichtigen Branchen haben wir es mit einer einsetzenden Rezession zu tun.“ Zudem nähme die Unsicherheit über die Folgen der Handelskonflikte eher noch zu. „Dies alles sorgt für große Verunsicherung und folglich Zurückhaltung bei der Nachfrage nach neuen Fahrzeugen“, sagt Klingelnberg.

In Kombination mit der geringen Nachfrage nach immer noch teuren Elektroautos sei der Investitionsstau in der Automobilindustrie nicht verwunderlich. „Die Vehemenz und die Schnelligkeit, mit der diese Entwicklung einsetzte, sind außergewöhnlich.“ Das Maschinenbau-Unternehmen will der aktuell negativen Entwicklung jedoch gegensteuern. So kündigt die Firmenleitung an, ein umfassendes Programm zur Effizienzsteigerung einleiten zu wollen. Jan Klingelnberg: „Denkbar sind etwa die Neuausrichtung der Standortzuständigkeiten für Entwicklung und Produktion, die Zusammenführung bislang mehrfach vorhandener Kompetenzen an einzelnen Standorten des Unternehmens zur Straffung der Organisation sowie die Verschlankung des Produktportfolios.“

So steht möglicherweise im Raum, die Produktion komplett in Hückeswagen zu bündeln. Das könnte bedeuten, dass die Stirnrad-Produktion aus dem badischen Ettlingen ins Bergische verlagert wird, wie die dort erscheinende Badische Neueste Nachrichten berichtet. Sollte das der Fall werden, blieben in dem Werk bei Karlsruhe lediglich Vetrieb, Software-Entwicklung und Service übrig. Bis zu 160 Stellen könnten in Ettlingen von einer Verlagerung betroffen sein, spekuliert die Zeitung. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet Klingelnberg einen Umsatzrückgang zwischen 15 und 20 Prozent. „Für viele Branchen sind die Aussichten ungewöhnlich stark eingetrübt“, hat Jan Klingelnberg festgestellt.

Die Gruppe verfüge jedoch über sehr gute Voraussetzungen, die Folgen der negativen Effekte zu verarbeiten. „Wir arbeiten proaktiv gegen Belastungen, verfügen über weltweit führende Technologie, und unsere Kunden vertrauen uns.“ Er verspricht zudem: „Wir sind und bleiben nicht untätig.“