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Clemens Brüx will Bürgermeister in Issum bleiben

Zehn Fragen an Clemens Brüx : Issum soll für junge Familien attraktiv bleiben

Bezahlbarer Wohnraum, mehr Gewerbefläche, bessere Möglichkeiten im ÖPNV, das sind auch Themen im Altbierdorf. Corona führt außerdem zu der Herausforderung, die Balance zwischen „Gürtel enger schnallen“ und Investieren zu halten.

Bitte stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie – und was macht Sie aus?

Clemens Brüx Seit meiner Geburt im seinerzeitigen Issumer Krankenhaus lebe ich in Issum. Mit meiner Frau Sigrid habe ich drei erwachsene Söhne. In 2015 wurde ich als unabhängiger Kandidat zum Bürgermeister gewählt. Vorher war ich 36 Jahre Sparkassenmitarbeiter und es liegt nahe, dass mir als ausgebildeter Sparkassenbetriebswirt der Umgang mit Zahlen leicht von der Hand geht. In einigen Vereinen bin ich meist seit mehreren Jahrzehnten Mitglied, auch das ist ein klares Zeichen meiner Verwurzelung in meiner Gemeinde. Ich möchte weiter das Gespräch suchen - sei es mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Mitarbeitenden in der Verwaltung oder den im Rat vertretenen Parteien. Denn wir können nur gemeinsam an den Dingen arbeiten, die die Menschen in unserer Gemeinde bewegen. Ich stehe für einen kommunikativen und offenen Umgang miteinander, gefolgt von einer konsequenten und zuverlässigen Umsetzung des Vereinbarten. Nur so kommen wir zu guten Ergebnissen.

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Was ist Ihr wichtigstes Thema im Wahlkampf – und wie wollen Sie es anpacken?

Brüx Ich habe kein „wichtigstes“ Wahlkampfthema, das liegt naturgemäß am Aufgaben- und Verantwortungspaket eines Bürgermeisters, beziehungsweise iner Bürgermeisterin. Es wird deshalb nicht verwundern, dass auf meiner Prioritätenliste folgende Themenbereiche ganz oben stehen: Infrastruktur, Finanzen, Wohnen, Wirtschaft, Ehrenamt und Klimaschutz. In allen Bereichen gilt es, die erreichten Standards zu halten und wo immer möglich zu verbessern. Infrastrukturell bereitet mir dabei besonders die Ärzteversorgung in Sevelen Kopfzerbrechen, aber wir haben das auf der Tagesordnung. Ganz wichtig finde ich, dass wir bei allem Handeln und Entscheiden unseren ländlichen, dörflichen Charakter bewahren.

Aus welchem Fehler haben Sie schon einmal gelernt?

Brüx Ich finde, dass alle Menschen grundsätzlich aus Fehlern lernen sollten, damit natürlich auch Bürgermeister und Bürgermeisterinnen. Das tut nicht weh, im Gegenteil, zu lernen macht doch Spaß. Bezogen auf meine vergangenen fünf Amtsjahre habe ich gelernt, nicht zu schnell zu entscheiden. Sonst kann der Schuss schonmal nach hinten los gehen.

Sehen Sie Möglichkeiten, dem ÖPNV neue Impulse zu geben?

Brüx Gerade weil die Gemeinde Issum nicht direkt an der Schiene liegt, ist der ÖPNV ein sehr wichtiges Thema für uns. Die Thematik Mobilität allgemein wird bundesweit ein für die nächsten Jahre enorm wichtiges Aufgabenfeld bleiben, ein „weiter so wie bisher“ im Straßenverkehr, in der bisherigen Mobilität, kann und darf es nicht geben. Viele von uns erleben doch nahezu täglich den Verkehrskollaps. Deshalb setze ich mich gemeinsam mit meinen Bürgermeisterkollegen und -kolleginnen schon seit längerem für eine stetige Verbesserung ein. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass man hier einen langen Atem braucht und sehr beharrlich auf die Entscheidungsträger (Bund, Land, DB Netze) einwirken muss.

Wie wollen Sie bezahlbares Wohnen in der Gemeinde Issum ermöglichen? Braucht sie Verdichtung im Inneren oder die Erschließung neuer Wohngebiete?

Büx Gemessen am Wohnungsmarktbericht des Kreises Kleve aus dem Jahr 2019 werden wir in der Gemeinde Issum sämtliche bis 2030 prognostizierten Wohnbedarfe in den nächsten wenigen Jahren abdecken, also auch die Bedarfe „Bezahlbares Wohnen“. Ungeachtet dessen wissen wir aber, dass es zurzeit nur wenig Bauland gibt. Im Rahmen unserer Möglichkeiten müssen wir also Lösungen schaffen (Gespräche mit dem Land) und dadurch auch für junge Familien attraktiv bleiben. Das bereits beschlossene Baulandmanagement wird uns hierbei hilfreich sein, weil die Gemeinde gerade bei neuen Baugebieten in der Regel Eigentümer der Flächen wird und infolgedessen Einfluss auf die Grundstückspreise nehmen kann.

Wie beurteilen Sie die Infrastruktur in Issum, auch digital – und wie wollen Sie dieses Thema vorantreiben?

Brüx Die Gemeinde Issum bietet vieles, das es zu einem guten Leben braucht. Dazu gehören etwa neben Kindergärten, Grundschulen und der weiterführenden Schule in Sevelen, ein tolles Freizeitangebot mit beispielsweise Sportplätzen und -hallen, Spaßbad Hexenland, zwei neu gestaltete Dorfplätze „An de Pomp“ und „Kirchplatz“ und diverse Discounter. Ab August 2020 wird das Glasfasernetz über die öffentliche Förderung von Bund und Land weiter ausgebaut. Also auch digital sind wir dann für eine Gemeinde unserer Größe gut aufgestellt.

Viele junge Familien beschäftigt erheblich, ob ihr Kind einen guten Kita-Platz bekommt – und wie es danach auf den Schulen weitergeht. Was macht Issum da schon richtig – und wo muss dringend nachgebessert werden?

Brüx Nun gut, zunächst muss man natürlich wissen, dass Basis für Planungen der jährliche Kindergartenbedarfsplan des Kreises Kleve ist. Damit möglichst viele Wünsche der Eltern erfüllt, also die Bedarfe gedeckt werden können, ist ein guter Informationsaustausch zwischen Kreis und Kindergärten, aber natürlich ebenso mit der Kommune (zum Beispiel neue Baugebiete/Bauvorhaben) sinnvoll und erforderlich. Das klappt schon recht gut, kann aber meines Erachtens noch intensiver erfolgen. Aktuell errichtet die Lebenshilfe am Kindergarten „Arche Noah“ ein Provisorium für eine Gruppe. Ein neuer Kindergarten entsteht in naher Zukunft „Ecke Waldstraße - Pappelstraße“ für wahrscheinlich vier Gruppen. Das Grundstück dafür hat der Investor von der Gemeinde gekauft.

Sie werden auch der Bürgermeister sein, der die Kommune aus der Corona-Krise führt. Der Bereich Finanzen und Investitionen spielt da eine wesentliche Rolle – zumal viele öffentliche Kassen eh nicht sprudeln. Muss in den kommenden Jahren der Gürtel noch enger geschnallt werden? Oder ist jetzt die Zeit der Investitionen gekommen? Und wenn ja – in was?

Brüx Es freut mich sehr, wenn Sie die Meinung vertreten, dass ich der Bürgermeister sein werde, der die Kommune Issum aus der Corona-Krise führt. Aktuell bin ich zwar der einzige und unabhängige Kandidat für dieses Amt, jedoch muss auch in Issum erst einmal am 13. September gewählt werden, und das Wählervotum sollten wir abwarten und nicht vorgreifen. Wenn Sie recht behalten, dann bin ich jedoch gerne willens und bereit, die Gemeinde Issum aus der Corona-Krise zu führen. Zu den Finanzen: Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in den kommenden Jahren den Gürtel enger schnallen müssen. Wir werden allerdings nicht auf notwendige Investitionen verzichten. Wir werden diese genau überlegen, abwägen und terminieren, so wie das für Issum seit vielen Jahren üblich und bekannt ist. Voraussetzung dafür sind natürlich belastbare Zahlen zum Haushalt und zur Haushaltsentwicklung. Damit rechne ich so gegen Jahresende.

Wie kann man die Nahversorgung in den Ortschaften stärken und sichern?

Brüx Seit zehn Jahren arbeiten wir in der Gemeinde Issum das „Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept Issum 2020“ ab. Mit der gerade fertiggestellten Umgestaltung des Kirchplatzes in Sevelen haben wir vom Grundsatz her eine Punktlandung diesbezüglich hingelegt und einen ganz wichtigen Schritt auch zur Stärkung und Sicherung der Nahversorgung gemacht. Andere Kommunen starten erst jetzt mit einem solchen Konzept. Nun müssen die Bürger und Bürgerinnen nur noch ihre Einkäufe, soweit wie möglich, in den Geschäften in Issum und Sevelen tätigen.

Welche Zukunft sehen Sie für weitere Gewerbeansiedlung? Was macht Issum da besonders attraktiv und wie steht es um die Zukunft der Diebels-Brauerei?

Brüx Ähnlich wie mit dem knappen Bauland sieht es in Issum tatsächlich aus mit Flächen für Gewerbeansiedlungen. Am Schankweiler sind nur noch gut 20.000 Quadratmeter zu haben, das war es dann erst einmal. Für den Fall meiner Wiederwahl ist das also ganz klar eine weitere sehr wichtige Aufgabe, hier für „Nachschub“ zu sorgen. Attraktiv macht Issum zum Beispiel die verkehrstechnische Lage direkt an der B 58, die Nähe zur Autobahn Richtung Ruhrgebiet und Niederlande, Richtung Flughafen Düsseldorf und Weeze, Hafen Duisburg. Des Weiteren der erfolgte Glasfaserausbau, ein händelbarer Gewerbesteuersatz und der sehr kurze Weg zur Gemeindeverwaltung. Wie es um die Zukunft der Brauerei Diebels steht, kann ich Ihnen nicht sagen, da müssen Sie mindestens mal bis Bremen vorpreschen. Gemessen aber am Arbeitswillen und Arbeitseinsatz der Beschäftigten der Diebels-Brauerei, das kann ich Ihnen sehr wohl sagen, steht es gut um die Brauerei, da heißt es stets: „Wir sind Diebels“.