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Brexit-Folge: Mehr Briten werden Deutsche

Zulauf in Dormagen : Brexit-Folge - Mehr Briten werden Deutsche

Die Dormagener Volkshochschule verzeichnet einen Zulauf an Teilnehmern aus Großbritannien, die den Einbürgerungstest absolvieren.

Stolz auf ihre Heimat, aber unsicher, ob sie nach dem Brexit immer wieder eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland beantragen muss – so beschreibt die Dormagenerin Glenda Clare Keller ihre Gefühlslage vor einem Jahr: „Bisher hatte ich keine Notwendigkeit gesehen, Deutsche zu werden, aber so habe ich mich dann doch lieber um die deutsche Staatsangehörigkeit gekümmert“, erzählt die 54 Jahre alte Schottin. Seit 31 Jahren lebt sie in Deutschland, davon 17 Jahre in Dormagen. „Ich fühle mich hier sehr wohl, will aber meine britische Staatsangehörigkeit nicht aufgeben“, erläutert die verheiratete Mutter zweier Töchter, die mit ihrem Mann Axel in Nievenheim lebt.

So wie ihr ging es mehreren Briten. Diese Folge des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Gemeinschaft ist in Dormagen spürbar, wo mehrere Zweit-Staatsangehörigkeiten beantragt wurden. „Wir haben eine zunehmende Anzahl von Briten, die den Einbürgerungstest absolvieren“, berichtet Christian Topp, bei der Volkshochschule Dormagen für den Bereich Sprachen zuständig. Und die VHS bietet diesen Test an, der nötig ist, bevor die deutsche Staatsangehörigkeit erteilt werden kann. „Daran nehmen viele Nationalitäten teil“, erläutert Topp.

Trotz des merklichen Zulaufs an Briten beim Einbürgerungstest, ist ihre Gesamtzahl in der 65.000-Einwohner-Stadt Dormagen gering: „Es leben 46 Personen aus Großbritannien und Irland in Dormagen“, sagt Stadt-Pressesprecher Max Laufer. Zum Vergleich: Die größte Gruppe in Dormagen stammt aus der Türkei (2047 Bewohner), gefolgt von 1330 Polen und 653 Italienern.

Seit dem 1. September 2008 müssen Ausländer unter anderem einen Einbürgerungstest ablegen, um Deutsche zu werden. Dabei werden aus einem Gesamtfragenkatalog von 310 Fragen Bögen mit 33 Fragen zusammengestellt, die im Multiple-Choice-Verfahren beantwortet werden. Sie stammen aus den Bereichen „Leben in der Demokratie“, „Geschichte und Verantwortung“ sowie „Mensch und Gesellschaft“. Wer innerhalb von 60 Minuten 17 Fragen richtig beantwortet hat, hat den Test bestanden und erhält eine Bescheinigung“.

„Das war nicht wirklich schwer, nur über die politischen und geschichtlichen Fragen habe ich länger nachgedacht“, erklärt Peter Briggs (58), der im April 2019 seinen Einbürgerungstest gut bestanden hat. Der Schotte lebt seit knapp zwei Jahren in Gohr, zuvor hat er mit seiner Frau Despina, die aus Holzheim stammt, seit 1992 in Neukirchen gewohnt: „Nach der Geburt unseres Sohnes Simon sind wir in ihre Heimat gezogen“, erläutert Briggs, der seine Frau in Schottland kennengelernt hat. Tochter Sarah wurde dann in Neuss geboren. „In Gohr gefällt es uns gut, da ist es ein bisschen wie in dem kleinen 1300-Einwohner-Dorf in Schottland, aus dem ich stamme: Viel Natur und Ruhe“, erzählt er lachend. Auch er hätte sich ohne Brexit keine Gedanken über eine Einbürgerung gemacht. „Aber sonst hätte ich immer wieder meine Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen müssen“, nennt er einen Grund. Er ist weiter Brite – „zumindest bis 2023, so lange gilt mein Pass noch“, sagt Peter Briggs, der alle zwei Jahre nach Schottland fährt.

Vor der Antragsstellung der deutschen Staatsangehörigkeit sollte ein ausführliches Beratungsgespräch stattfinden, empfiehlt die Stadt Dormagen. Dabei kann der Mitarbeiter des Ausländeramtes der Stadtverwaltung feststellen, wie  und nach welcher Rechtsgrundlage eine Einbürgerung erfolgen kann. Dabei geht es auch um Nachweise, Unterlagen und nötige Schritte, die noch zu erfolgen haben. „Sehr gut aufgehoben“ fühlte sich Glenda Keller beim Ausländeramt der Stadt Dormagen: „Martin Böse war gar nicht wie sein Name vermuten ließ, sondern im Gegenteil sehr freundlich und hilfreich und hat mich durch den ganzen Einbürgerungsprozess begleitet“, lobt die Schottin, die seit Oktober 2019 auch Deutsche ist. Einen Monat zuvor hatte sie den Einbürgerungstest mit 29 von 33 Punkten bestanden. „Ich habe im Vorfeld im Internet geübt“, erklärt die Nievenheimerin, die trotz bester Deutschkenntnisse etwas aufgeregt war.

Diejenigen haben einen Rechtsanspruch auf eine Einbürgerung, die seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland leben, eine Aufenthaltserlaubnis oder Niederlassungserlaubnis besitzen, nicht wegen einer Straftat verurteilt worden sind und über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen.