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Corona-Krise in Kreis Warendorf: Ausbruch laut Bezirksregierung Münster eingegrenzt

Infektionen im Tönnies-Werk : Corona-Ausbruch im Kreis Warendorf ist laut Bezirksregierung eingegrenzt

Gütersloh, Warendorf und Moers vermelden Corona-Infizierte in der Fleischindustrie. Die Regionen sind aber nicht vergleichbar. Für Teile des Münsterlandes gibt es wohl bereits eine vorsichtige Entwarnung.

Lichtblicke für die Menschen rund um Gütersloh und Warendorf: Die von dem Corona-Ausbruch in Deutschlands größtem Fleischbetrieb Tönnies am heftigsten getroffenen Kreise vermelden positive Tendenzen. Im Kreis Warendorf gehen die Behörden sogar davon aus, dass unter den positiv getesteten Menschen ausschließlich Tönnies-Mitarbeiter sind. Dort ist die wichtige Kennziffer der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage unter die entscheidende Marke von 50 gefallen. Bayern hob daraufhin ein Übernachtungsverbot für Menschen aus dem Kreis wieder auf.

Viele Bundesländer haben inzwischen sogenannte Beherbungsverbote für Menschen aus deutschen Corona-Risikogebieten erlassen. In mehreren Bundesländern müssen auch die eigenen Bürger, wenn sie aus dem Kreis Gütersloh nach Hause kommen, in Quarantäne. Nur wenige Bundesländer verzichteten zunächst auf Maßnahmen.

Auch im Kreis Gütersloh, in dem ebenfalls nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ein regionaler Lockdown gilt, sinkt die Kennziffer nach extrem hohen Werten weiter. Mit 177,7 Fällen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Donnerstag: 192,8) lag der Wert am Freitag aber weiter deutlich über der Marke von 50. Am Dienstag betrug der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2.

Zuspruch bekamen die Menschen der Region am Freitag von Angela Merkel (CDU). Sie meldete sich telefonisch beim Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer. „Die Bundeskanzlerin hat Mut gemacht und sich bei mir bedankt“, sagte der CDU-Politiker Adenauer laut Pressemitteilung des Kreises. Die Bürgerinnen und Bürger des Kreises seien unverschuldet in die aktuelle Situation gekommen, habe die Kanzlerin Adenauer am Telefon gesagt. Durch den Lockdown und den damit verbundenen Beschränkungen leisteten sie einen sehr wichtigen Beitrag, damit sich das Virus nicht über den Kreis Gütersloh hinaus auch in Deutschland ausbreiten könne.

„Die Bundeskanzlerin dankt sehr herzlich der Bevölkerung und allen, die für die Bewältigung dieser Krise arbeiten“, so der Landrat. Generell rief die Bundesregierung zu Solidarität bei regionalen Corona-Ausbrüchen wie rund um Gütersloh und Warendorf auf und warnte vor einem Anprangern dort lebender Menschen.

Im Fall des Moerser Dönerfleischproduzent Öztas gab es am Freitag keine Verschärfung der Lage: Es kamen nur noch drei neue Corona-Nachweise bei Mitarbeitern dazu, die Zahl lag somit bei 82. Der Betrieb wird nun ab Samstag für zwei Wochen geschlossen. Das kündigte der Landrat des Kreises Wesel, Ansgar Müller, am Freitag in Wesel an. Alle rund 275 Beschäftigten mit Ausnahme von 17 Urlaubern in dem Unternehmen seien nun getestet, sagte der Gesundheitsdezernent des Kreises, Michael Maas. Nun würden Kontaktpersonen von Infizierten systematisch mit Reihentests untersucht. Dazu würde die Zahl der beauftragten Mitarbeiter verdoppelt.

Das Unternehmen Öztas kooperiere vorbildlich, sagte Maas. Die Mitarbeiter seien beim Unternehmen fest angestellt und wohnten nicht in Massenunterkünften. Nach Corona-Ausbrüchen bei den Branchengrößen Westfleisch und Tönnies waren die Arbeitsbedingungen dort in den Fokus gerückt.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) dringt deshalb auf grundlegende Veränderungen im Fleischmarkt, um den ständigen Preiskampf und problematische Bedingungen zu unterbinden. „Es wird keine zweite Chance geben für die gesamte Branche“, sagte Klöckner nach einem Treffen mit Branchen- und Verbandsvertretern am Freitag in Düsseldorf. Die Corona-Krise mit dem großen Infektionsausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies sei wie ein Brennglas für die Situation.

Klöckner kündigte an, Gesetzesverschärfungen zur Preisgestaltung und Lebensmittelwerbung mit Lockpreisen zu prüfen. Über eine mögliche Tierwohlabgabe als Preisaufschlag für die Verbraucher wolle sie mit den Partei- und Fraktionsspitzen im Bundestag sprechen. Dazu sei ein übergreifender Konsens nötig.

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(mba/dpa)