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Corona in Moers (Kreis Wesel): 82 Fälle nach Ausbruch in Dönerproduktion

Sorge wegen Pandemie im Kreis Wesel : Inzwischen 82 Corona-Fälle nach Ausbruch in Dönerproduktion

Wie lässt sich ein Lockdown im Kreis Wesel verhindern? Landrat Ansgar Müller hat am Freitag im Kreishaus eine Pressekonferenz gegeben. Dabei nannte er auch neue Zahlen zur Verbreitung des Virus nach Ausbruch in einer Dönerfleischfabrik.

Die Weseler Kreisverwaltung sieht sich nach den Corona-Fällen in einer Dönerproduktion in Moers auch am Niederrhein mit der Frage konfrontiert, ob ein Lockdown droht. Wie ist die Strategie des Kreises dagegen? Landrat Ansgar Müller hat im Kreishaus am Freitag bei einer Pressekonferenz Details mitgeteilt. Von einem Lockdown müsse zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht die Rede sein, betonte Lars Rentmeister, Kreisvorstandsmitglied. Der Landrat geht davon aus, dass Bürger aus dem Kreis Wesel –  trotz der Corona-Fälle in Moers – bei einer Urlaubsreise keine Probleme haben dürften. „Und wer sich Sorgen macht, sollte sich mit dem Reiseziel in Verbindung setzen“, so Müller“

Hauptaufgabe des Kreises wird nun die Kontaktnachverfolgung sein. Die läuft auf Hochtouren. Dazu ist das Personal im Kreishaus inzwischen verdoppelt worden. Weiteres Alarmsignal: Auch in einem Nachbarbetrieb des Dönerproduktions-Firma auf der gegenüberliegenden Straßenseite, bei der es sich ebenfalls um eine fleischverarbeitende Firma handelt, gibt es Fälle. Von 91 Mitarbeitern sind drei positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilte der Kreis mit.

Ein Grund für einen Corona-Ausbruch in Betrieben der Fleischindustrie könnte nach Expertenmeinung die Belüftung in Verbindung mit den kühlen Temperaturen sein. Ob dies auch in Moers der Fall ist, muss noch von Arbeitsschutz-Fachleuten geprüft werden. Das sei allerdings nicht Aufgabe des Kreises Wesel, hieß es.

260 von insgesamt 277 Mitarbeiter der Moerser Firma Öztas seien inzwischen getestet worden, sagte der Landrat. Bei dem Dönerfleisch-Unternehmen gibt es inzwischen insgesamt 82 positiv getestete Personen, drei mehr als am Donnerstag. Von den 260 Abstrichen sind 169 negativ, diese Personen sind also nicht betroffen. 26 Testergebnisse stehen noch aus. Außerdem konnten 17 Personen noch nicht getestet werden, weil sie sich im Urlaub befinden. 250 Personen befinden sich in Quarantäne. Dabei handelt es sich um die positiv getesteten Öztas-Mitarbeiter und deren Angehörige. Der Betrieb, in dem am Freitag noch mit einem komplett negativ getesteten Rumpfteam gearbeitet wurde, bleibt in den nächsten beiden Wochen geschlossen. Solang dauert auch die Quarantäne der positiv Getesteten.

Der Landrat spricht von einem „extrem dynamischen Geschehen“. Die Zahlen könnten sich innerhalb weniger Tage ändern. Um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, appelliert er  an die Bevölkerung, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Der Kreis will aber nach einer Gesetzesänderung an seiner Strategie festhalten, die Testungen bei den Hausärzten vornehmen zu lassen. Somit fallen die dezentralen Teststationen im Kreis Wesel wie geplant weg.

Am Donnerstag noch hatte die Kreisverwaltung von 79 Corona-Positiven bei Öztas berichtet. In Teilen wohnen die Mitarbeiter aber in Duisburg. Der Kreis Wesel teilte noch am Donnerstag mit, dass die sogenannte 7-Tages-Inzidenz bei 20,2 liege. Bei einem Wert von 50 müsste ein allgemeiner Lockdown umgesetzt werden. Am Freitagmorgen allerdings korrigierte der Kreis den eigenen Wert nach unten – auf 15,4. „Durch die fortlaufende Kontaktermittlung des Kreises Wesel wurde mittlerweile festgestellt, dass von den 62 gestern gemeldeten Neuinfektionen 24 außerhalb des Kreises Wesel (Duisburg) wohnen“, teilte der Kreis mit. Wie hoch die  7-Tage-Inzidenz aktuell ist, konnte während der Pressekonferenz niemand sagen. Man wisse noch nicht, wo die drei Personen gemeldet sind, die am Mittwoch getestet worden waren und deren Positiv-Ergebnisse erst am Freitag vorgelegen haben, hieß es.

Anders als bei der Firma Tönnies im Kreis Gütersloh handelt es sich bei den Mitarbeitern von Öztas um Festangestellte, die nicht in Massenunterkünften, sondern in ganz normalen Wohnungen leben.