Olympia 2020: Ruderer schwächeln auf Weg nach Tokio

Olympia-Qualifikation in Gefahr : Ruderer schwächeln auf Weg nach Tokio

Auf die deutschen Ruderer war bei den meisten Olympischen Spielen Verlass. Doch ein Jahr vor Tokio 2020 sind einige Boote der DRV-Flotte vom Kurs abgekommen. In bisher sieben von 14 Wettkampfklassen wurde die direkte Qualifikation für Japan verpasst.

Wenige Trümpfe, viele Pleiten - im Mannschaftshotel der deutschen Ruderer herrschte gedämpfte Stimmung. Auch die bisher starken Auftritte in den Königsdisziplinen Achter und Einer konnten nicht über die bisher durchwachsene WM-Bilanz in Österreich hinwegtäuschen. Dass bisher gleich sieben der 14 Boote aus den olympischen Wettkampfklassen das direkte Ticket für Tokio 2020 verpassten, sorgte für Ratlosigkeit. „Es ist ziemlich enttäuschend und muss in Ruhe analysiert werden“, kommentierte Bundestrainer Ralf Holtmeyer sichtlich frustriert.

Die Sorge geht um, dass die einstmals als Medaillengaranten geltenden deutschen Ruderer in Japan mit einer Mini-Flotte antreten müssen. Besonders deutlich wird das Dilemma bei den Frauen. Einzig der Doppelvierer meisterte am Donnerstag mit einem Sieg im Hoffnungslauf den Einzug ins Finale und nahm damit Kurs auf Tokio.

Die anderen sechs weiblichen Bootsklassen müssen in die Nach-Qualifikation im nächsten Mai auf dem Rotsee in Luzern. Doch die Auftritte in Ottensheim machen nur wenig Hoffnung auf weitere Quotenplätze. „Im Riemen-Bereich haben wir das erwartet, aber nicht bei den Skullerinnen. Da hatten wir zu viele krankheitsbedingte Ausfälle“, sagte Holtmeyer.

Dass auch der Vierer ohne Steuermann als Fünfter des Halbfinales den Einzug in den Endlauf verpasste und damit um Tokio bangen muss, rundete das Bild einer Flotte mit schwindender Schlagkraft ab.

Trotz der bisher überschaubaren Ausbeute warnte Siegfried Kaidel vor Panikmache. „Wirklich Sorgen mache ich mir nicht. Es besteht ja noch immer die Möglichkeit, sich Olympia-Plätze im nächsten Jahr zu sichern“, sagte der Verbandschef der Deutschen Presse-Agentur, kündigte aber Umbauarbeiten in den Teams an: „Bei dieser Nach-Qualifikation werden wir die Kräfte in einigen Bereichen konzentrieren.“

Nur gut, dass zumindest der am Freitag im Halbfinale geforderte Oliver Zeidler im Einer und der Achter bisher für positive Schlagzeilen sorgten. Und auch der leichte Männer-Doppelzweier steuert weiter auf Medaillenkurs. Zwar mussten Jonathan Rommelmann (Krefeld) und Jason Osborne (Mainz) am Donnerstag im Halbfinale als Zweiter hinter Irland die erste Saisonniederlage hinnehmen, waren aber dennoch bester Stimmung. „Das fühlt sich nicht wie eine Niederlage an. Wir sind super happy, weil die Qlympia-Qualifikation viel Druck wegnimmt. Bis auf die letzten 200 Meter war es ein gutes Rennen“, sagte Rommelmann.

Den knappen Rückstand auf die Iren von einer Zehntelsekunde wertete er nicht als schlechtes Omen für das Finale am Samstag. „Es wird wieder sehr eng werden.“

(dpa/cbo)
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