Olympia-Traum wird wahr DHB-Frauen „machen so richtig einen drauf“

Neu-Ulm · Deutschlands Handballerinnen fahren erstmals seit 16 Jahren wieder zu Olympia. Es winkt der vorläufige Höhepunkt für die Spielerinnen-Generation um Emily Bölk.

Die deutsche Mannschaft stellt sich zum Siegerfoto auf.

Die deutsche Mannschaft stellt sich zum Siegerfoto auf.

Foto: dpa/Marco Wolf

Emily Bölk und Co. positionierten sich hinter dem übergroßen „Ticket to Paris“ und zeigten dann ihr breitestes Olympia-Lachen: Nach dem ungefährdeten 37:20 (19:13) gegen Paraguay zum Abschluss des Qualifikationsturniers in Neu-Ulm konnte die Paris-Party der deutschen Handballerinnen endgültig starten.

„Heute machen wir mal so richtig einen drauf. Das haben wir uns ordentlich verdient. Endlich haben wir dieses Olympia-Ticket in der Hand“, schwärmte Kapitänin Bölk am ARD-Mikrofon. Bundestrainer Markus Gaugisch gab den Feier-Befehl, der Verband organisierte eine Party-Location in Ulm: „Wir können was abreißen.“

Erstmals seit 16 Jahren bei Olympia

Erstmals seit 16 Jahren fahren die DHB-Frauen wieder zu Olympia. Was den Spielerinnen um Bölk, Alina Grijseels oder der beim Qualifikationsturnier in Neu-Ulm überragenden Torfrau Katharina Filter die Teilnahme an den Sommerspielen in Frankreich bedeutet, war unübersehbar. Bereits nach dem 28:24 (11:8) gegen Montenegro war all der aufgestaute Druck abgefallen. Es kullerten Tränen, manch eine kam zu den Klängen von „Taxi nach Paris“ und „Aux Champs-Elysses“ aus dem Tanzen kaum heraus.

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Foto: dpa/Fabian Ramella

„Ich bin so bomben-mega-stolz auf uns alle“, sagte Bölk mit dem Sektglas in der Hand, ehe ihre Stimme kurzzeitig versagte: „Wir haben uns das richtig verdient.“

Seit zwei Jahren hatte Gaugisch mit dem DHB-Team auf die Qualifikation für das „gigantische Ereignis“ (DHB-Präsident Andreas Michelmann) hingearbeitet - mit Erfolg: Sein Team bestand in den Schlüsselspielen gegen Montenegro am Samstag und zwei Tage zuvor gegen Slowenien (31:25) nicht nur. Es zeigte dazu die reifsten Auftritte seit vielen Jahren.

Neben dem Ticket als solchem stimmten die Verantwortlichen des Deutschen Handballbundes (DHB) daher insbesondere die Art und Weise und jüngste Entwicklung optimistisch. Bei der vergangenen WM hatte nach überzeugenden Leistungen ein Blackout im Viertelfinale gegen Schweden mit 14 torlosen Minuten zu Spielbeginn die Bilanz eines gesamten Turniers noch getrübt. Nun, analysierte Gaugisch, sei Deutschland „auch mental“ näher an die Weltspitze herangerückt - gleichwohl Deutschland in Neu-Ulm kein absolutes Weltklasse-Team gegenüberstand.

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Foto: AP/MARK BAKER

„Wir haben, ich will mal sagen, viel Scheiße gefressen in den letzten Jahren. Und dafür ist es umso schöner, dass wir uns jetzt mit diesem Ticket nach Paris und Lille belohnen konnten“, sagte Bölk. Gemeinsam mit Grijseels schäumte die Anführerin ihre Mannschaftskolleginnen vor dem Teamhotel mit Sekt ein, nachdem am frühen Samstagabend durch Sloweniens Erfolg über Paraguay die letzten rechnerischen Zweifel an der ersten Olympia-Teilnahme seit 2008 beseitigt waren.

Der Blick ging umgehend nach vorn. „Wir wollen da unsere Leistung genauso bringen. Eine Sommerreise wird es nicht“, versicherte Gaugisch und freute sich über eine „Riesenchance“. Olympia bringe sein Team ein ganzes Jahr nach vorn: „Wir können uns als Mannschaft wahnsinnig weiterentwickeln, weil wir einfach mal Zeit haben.“

Am Dienstag steht in Paris zunächst die Auslosung an. Die Vorrundenspiele finden in Paris, die Finalrunde in Lille statt. Der Verband rief das Viertelfinale als Ziel aus. „Wenn die Mannschaft die Vorrunde übersteht, sieht sie auch eine Chance im Viertelfinale. Dann wollen wir mal sehen, wie weit wir kommen“, sagte DHB-Präsident Michelmann.

Bölk gab eine ähnliche Richtung vor. „Wir wollen weiter unseren Weg gehen, die Schritte in die richtige Richtung machen - und dann auch sehr gerne nochmal nach Lille und dann mal sehen, was da so geht“, sagte die Anführerin.

Zuvor stand in Neu-Ulm aber eine große Olympia-Sause an.

(lonn/SID)
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