Borussia Mönchengladbach: Reece Oxford und die schöne neue Transfer-Welt

Spätes Happy End bei Borussia: Oxford und die schöne neue Transfer-Welt

Kurz vor dem Ende der Wechselperiode gibt es bei Reece Oxford doch noch ein Happy End. Der Engländer spielt bis Saisonende bei Borussia Mönchengladbach.

Es war nicht ihre Absicht, aber sechs Männer sind mit dafür verantwortlich, dass das Modewort dieser Transferperiode, die Posse, auch bei Borussia Verwendung finden kann. Nico Elvedi und Denis Zakaria holten sich kurz vor der Winterpause ihre fünften Gelben Karten ab, Tony Jantschke, Christoph Kramer und Raffael fielen kurzfristig verletzt aus, Tobias Strobl fehlt schon die ganze Saison. Und so war Leihspieler Reece Oxford in Freiburg plötzlich erste Wahl auf der Rechtsverteidiger-Position sowie ein paar Tage später gegen Hamburg und Leverkusen im defensiven Mittelfeld.

Aus bis dahin einer Pflichtspielminute im Gladbach-Trikot wurden schlagartig 257 Minuten. Ohne den Durchbruch in der Weihnachtszeit hätte West Ham United womöglich gar nicht von der Rückhol-Klausel Gebrauch gemacht. Das ist die eine Lektion der Posse, die gestern auf den letzten Drücker ihr glückliches Ende fand: Der ausleihende Klub sitzt an einem extrem kurzen Hebel, besonders wenn der lange Hebel von England aus bedient wird. Schöne neue Transfer-Welt.

Oxford, gerade erst 19 Jahre alt, machte sich am Mittag auf nach Gladbach. Er selbst wollte ja unbedingt die Rückrunde bei Borussia verbringen, weil er sich dort nach sechs Monaten ein Stück weit heimisch fühlte. In den vergangenen Wochen tauschte er zwar sein Profilbild bei Twitter gegen eines im West-Ham-Trikot aus, aber auf dem Titelbild behielt er das Gladbach-Trikot an. Symbolbilder für einen jungen Mann, der zwischen den Stühlen saß. Oxfords Start in Gladbach war gar nicht so leicht gewesen, Trainer Dieter Hecking zählte anfangs verblüffend viele Punkte auf, in denen sich der gebürtige Londoner noch verbessern müsse. Spielpraxis sammelte er nur bei regelmäßigen Testspielen im Herbst und bei seinen Reisen zur englischen U20-Nationalmannschaft - und er lernte fleißig im Training.

Auf drei Einsätze kam der Defensiv-Allrounder dann im Januar, nachdem West Ham ihn zurückbeordert hatte. Gleich nach Oxfords erstem Auftritt gegen einen Drittligisten im FA-Cup hagelte es böse Kommentare in den sozialen Netzwerken: "schlampig", "lethargisch und uninteressiert", "als wolle er nicht hier sein". Die Fraktion der Unbarmherzigen in der Premier League schrumpft, aber die Geduld mit jungen Spielern ist von Vereins- wie von Fanseite geringer ausgeprägt als in Deutschland. Beim 3:1 gegen Hamburg bildete Oxford gemeinsam mit Michael Cuisance eine 18+18-Doppelsechs. Nach seinem Patzer beim 0:1 gegen Leverkusen im DFB-Pokal gab es bei seiner Auswechslung aufmunternden Applaus. Oxfords Wohlbefinden wird das noch einmal gesteigert haben.

"Bei Reece ist weiterhin Geduld gefragt. Das ist nicht meine stärkste Tugend", hatte Borussias Manager Max Eberl kurz vor dem Rückrundenstart gesagt. Seitdem vergingen noch einmal fast drei Wochen. Dem Vernehmen nach hat West Ham die Nerven der Borussen ziemlich strapaziert. Anfangs standen sieben Millionen Euro Ablöse im Falle einer festen Verpflichtung im Raum. Damit wäre Oxford ein Schnäppchen gewesen. Die Summe schnellte hoch auf das Doppelte, ein Weiterkauf zu RB Leipzig wurde gerüchteweise Thema. Die letzte kolportierte Forderung lag bei 21 Millionen Euro. Doch da ging es längst nur noch um eine Wiederaufnahme des Leihgeschäfts bis zum Sommer.

Gestern um 17.55 Uhr, fünf Minuten vor dem Ende der Wechselperiode, wurde verkündet: Oxford ist wieder da. So kam die Posse doch noch zu ihrem Happy End.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Oxford trainiert wieder in Gladbach

(RP)
Mehr von RP ONLINE