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Borussia Mönchengladbach: Serie statt Reiz-Reaktions-Schema

Borussia muss Reaktion zeigen : Serie statt Reiz-Reaktions-Schema

Borussia hätte gegen Eintracht Frankfurt nach der Steigerung in der zweiten Halbzeit mindestens einen Punkt mitnehmen müssen, doch sie tat es nicht. Auch, weil es erneut ein unnötiges Gegentor gab.

Thorgan Hazard hatte etwas herausgefunden: Es kann sehr hilfreich sein, flach zu schießen. Das hatte ihm nicht nur der Kollege Matthias Ginter geraten. Gegen Augsburg tat es der Belgier und traf zum 2:0. Nun in Frankfurt trat Hazard zum Elfmeter an. Er hatte das schon viermal getan in dieser Saison und hatte viermal getroffen - auch in psychologisch druckvollen Situationen wie in letzter Minute gegen Hannover nach langer Videoassistent-Wartezeit. Zweimal schoss er flach, zweimal halbhoch - nun "knallte" er den Ball hoch auf das Tor und traf die Latte. Das kann passieren, doch war es bezeichnend für das Spiel der Borussen insgesamt: Denn der Lerneffekt aus dem Augsburg-Spiel, der war nicht zu erkennen.

Da hatten die Gladbacher in den entscheidenden Momenten das Richtige getan, das gelang in Frankfurt nicht. Es war wie in den beiden Frankfurt-Treffen zuvor, im Pokal-Halbfinale und beim 0:1 in der Hinrunde: Borussia ließ sich von der Eintracht den Schneid abkaufen. Dass die Frankfurter dies zuweilen mit unlauteren Mitteln tun, ist bekannt. Doch auch Augsburg ist in ähnlicher Art unangenehm, und da waren die Borussen in der Lage, das auszuhalten, auch an der Schmerzgrenze. Es geht nicht darum, die Fairness mit Füßen zu treten, sondern dem Gegner klarzumachen: Mit uns nicht!

So aber kam es wie in Köln: Borussia hätte nach der Steigerung in Halbzeit zwei mindestens einen Punkt mitnehmen müssen, doch sie tat es nicht. Auch, weil es erneut ein Tor gab, das, wie die beiden Gegentore in Köln, leicht zu verteidigen gewesen wäre. Stichwort: Lerneffekt. So aber gab es in der Fremde, wo die Gladbacher bis Ende November noch sehr erfolgreich waren, eine erneute schmerzhafte Erfahrung. Nach Köln gab es die Reaktion gegen Augsburg, in Frankfurt gab es wieder den Rückfall, nun muss gegen Leipzig zwangsläufig wieder die Reaktion folgen.

Borussia ist derzeit also nach dem Reiz-Reaktions-Schema unterwegs mit dem Ziel Europa. Das jedoch ist ein Weg ohne Garantien, sondern einer, der Druck erzeugt: Bleibt mal eine Reaktion aus, dann ist es angesichts der Enge in der Tabelle gleich problematisch. Zwischen Champions-League und einer Europa-Niete liegt kaum etwas. Hätte Borussia nur zwei Auswärtspunkte geholt, wäre das Bild ein anderes. Betrachtet man die letzten acht Spiele, gibt es wegen des Nullertrags in der Fremde eine Minusbilanz, weil daheim zwei von zwölf Punkten nicht geholt wurden (1:1 gegen Schalke), es auswärts aber keinen Ausgleich gab. Es ist eine Milchmädchenrechnung, die aber zeigt wie dünn das Eis ist.

Es ist sicherlich indes ein Klagen auf hohem Niveau. Und dass den Borussen derzeit das Spielglück fehlt, ist unbestritten. Doch es hilft nicht zu lamentieren, die Lösung ist, das Spielglück zu erzwingen. Darum muss sich etwas ändern.

Die Borussen propagieren immer wieder das Von-Spiel-zu-Spiel-Denken. Dabei geht es darum, sich zu fokussieren auf die nächste Aufgabe. Das ist gut und richtig. Doch was Lerneffekte angeht, wäre es gut, nicht nur von Spiel zu Spiel etwas umzusetzen, sondern mal einen Langzeitspeicher einzurichten, ein Archiv. Das wäre vielleicht das Lernziel für den Februar (und den Rest der Saison): Borussia sollte das Reiz-Reaktions-Schema durchbrechen mit einer Serie oder einem "Lauf", wie es Trainer Dieter Hecking nennt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Borussia in Frankfurt: Einzelkritik

(RP)