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Bayer 04 Leverkusen: U19-Trainer Sven Hübscher im Porträt

U19 der Werkself : „Profifußball ist nicht nur Champions League“

Sven Hübscher ist seit Januar Trainer von Bayer Leverkusens U19. Die Pandemie erschwert seine Arbeit, die Nachwuchsspieler so gut es geht auf das Leben im bezahlten Fußball vorzubereiten.

Einst hatte Sven Hübscher selbst den Traum, Fußballprofi zu werden. Ende der 1990er Jahre gab es noch keine Junioren-Bundesligen. Also spielte er unter anderem für den DSC Wanne-Eickel in der Westfalenliga. Doch Verletzungspech bremste den heute 42-Jährigen jäh aus. Seine Karriere als aktiver Spieler endete, ehe sie richtig beginnen konnte. Unterkriegen ließ sich der gebürtige Dortmunder davon aber nicht. Stattdessen wechselte er die Seiten und stieg ins Trainerfach ein – ein Weg, der ihn gut 20 Jahre später zu Bayer Leverkusen führte, wo er seit Januar die U19 trainiert.

Die ersten Wochen bei seinem neuen Arbeitgeber bewertet Hübscher durchweg positiv. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Spielbetrieb pandemiebedingt seit Monaten ruht. „Meiner grundsätzlichen Aufgabe, Spieler auszubilden und sie besser zu machen, kann ich im Training nachkommen. Aber natürlich fehlen die Spieltage als Schwerpunkt der Woche“, sagt er.

Vier bis fünf Einheiten stehen für die U19 der Werkself pro Woche an. Das reiche auch mit strengen Hygieneauflagen, um die Talente individuell zu fördern. „Damit komme ich gut klar und ich freue mich, wieder auf dem Platz zu stehen“, sagt Hübscher. „Die Mannschaft ist sehr nah am Profifußball – sowohl was die Bedingungen, als auch was die Qualität der Spieler angeht.“ Es sei eine spannende Aufgabe bei einem Verein, der ihm sehr gute Bedingungen für seine Arbeit biete.

Die Initialzündung für seine Karriere auf der Bank war indes sein Verletzungspech mit Anfang 20. Während seiner Reha übernahm er in Wanne-Eickels Jugend zunehmend Aufgaben, die denen eines Trainers entsprechen. Etwaige Pläne, doch noch das Comeback als Spieler zu wagen, legte er ad acta als der U15-Coach des DSC einen Schlaganfall erlitt. Hübscher sprang ein, fand gefallen an dem Job und saß wenige Monate später in einem Bewerbungsgespräch bei Schalke 04. Entdeckt hat ihn der U15-Trainer der Gelsenkirchener, der von den Ligaspielen gegen Wanne-Eickel derart beeindruckt war, dass er Hübscher ansprach und eine Zusammenarbeit anregte.

Es folgte eine prägende Zeit bei den Königsblauen. Von 2000 bis 2013 coachte er von der U13 bis zur U23 fast alle Teams der legendären „Knappenschmiede“ – mal als Assistent und mal als Hauptverantwortlicher. Anschließend war er drei Jahre Co-Trainer des Bundesligisten unter Jens Keller, Roberto Di Matteo und André Breitenreiter. Im Sommer 2017 wechselte er in die Jugend von Werder Bremen, wo er die U17 sowie die zweite Mannschaft coachte. 2019 folgte der Schritt, Cheftrainer des Drittligisten Preußen Münster zu werden – ein Versuch, der nicht gut endete. Nach 13 sieglosen Partien wurde Hübscher 2019 am 17. Spieltag freigestellt.

Nun hat es ihn nach Leverkusen verschlagen, wo er wieder aus Talenten Profifußballer machen will. „Mir ist wichtig, dass ein Spieler etwas Besonderes hat, eine Fähigkeit, die ihn auszeichnet – egal, ob das hohe Geschwindigkeit, gutes Auge für Räume oder herausragende Technik ist.“ Das sei aber freilich nicht alles. „Man kann ein starker Techniker sein, aber wenn man es im Spiel nicht hinbekommt, intensiv anzulaufen, wird es schwierig.“ Insofern sei wichtig, dass Nachwuchsfußballer möglichst breit aufgestellt seien. „Sie sollten keine Eigenschaften haben, die sie zu stark limitieren.“

Dabei verfolgt Hübscher einen indvivuellen Ansatz. Er will jeden Einzelnen voranbringen und sie auf das Niveau bringen, das sie als Erwachsene spielen können. Das Ziel sei immer das maximal Mögliche. „Nicht jeder Spieler wird direkt in der Bundesliga durchstarten, aber auch wenn es letztlich die 3. oder 4. Liga wird, wollen wir sie optimal darauf vorbereiten und an das heranführen, was im Profifußball passiert – und das ist nicht nur Champions League.“

Einfach ist das in der aktuellen Phase nicht. Ohne Spielbetrieb fehlt den Talenten die Bühne, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Der 42-Jährige fürchtet aber dennoch nicht, dass Bayer 04 ein verlorener Jahrgang droht. „Natürlich ist alles im Moment etwas eingeschränkt, aber wir führen viele Einzelgespräche mit den Jungs und bereiten sie auf das vor, was kommt“, sagt er. „Wir unterstützen sie, versuchen sie interessant für andere Klubs zu machen und ihnen die Angst zu nehmen. Anfragen und Interessenten gibt es immer wieder und jeder hat sein Netzwerk, um den Spielern zu helfen.“

Hübscher hat sich bereits intensiv mit Jugendleiter Thomas Eichin, Sportdirektor Simon Rolfes und dem Team um Chefcoach Peter Bosz ausgetauscht. Vor allem Co-Trainer Rob Maas ist bei den Bayer-Profis Ansprechpartner für Jugendspieler, die den Sprung in den Lizenzspielerkader schaffen können. Ziel ist, dass die Spielidee oder -philosophie der Profis auch in der U19 die Vorgabe ist. „Ich denke, dass wir da bereits sehr nah beieinander liegen“, sagt Hübscher.

Er hofft, dass der Spielbetrieb der Junioren-Bundesligen noch in dieser Saison fortgesetzt wird. „Die Spieler brauchen den Wettkampfcharakter, um zu wissen, was im Seniorenbereich auf sie zukommt – und sie brauchen das Ziel, dass es irgendwann weitergeht.“ Hübscher und seine Trainerkollegen aus dem Nachwuchsbereich seien sich in dieser Sache einig: „Wichtig ist, dass die Jungs spielen.“