Bayer 04 Leverkusen: Karim Bellarabi rettet Punkt gegen Hannover

Nach 2:2 gegen Hannover : Fans fordern Aus von Herrlich und Völler

Karim Bellarabi hat die nächste Niederlage von Bayer Leverkusen in der Bundesliga verhindert. In der Nachspielzeit traf er zum Ausgleich. Gegen Hannover war die Werkself zweimal in Rückstand geraten.

Ein Erfolg gegen Hannover wäre ein „klitzekleiner Fortschritt“ hatte Heiko Herrlich im Vorfeld der Partie mit Blick auf die Chance gesagt, den dritten Saisonsieg zu feiern und sich vom Tabellenkeller zu distanzieren. Seine Spieler waren etwas deutlicher. Kevin Volland nannte das Duell mit den Niedersachsen „wegweisend“. Insofern dürfte klar sein, was das 2:2 (1:1) im eigenen Stadion bedeutet: Es geht nach einem Rückschritt eher abwärts. Auch mit der Stimmung: Einige Fans skandierten: „Völler und Herrlich raus.“

Herrlich, der sein 50. Spiel als Bayers Coach bestritt, nahm im Vergleich zum 0:0 in Freiburg nur eine Veränderung vor: Für Aleksandar Dragovic rückte Kapitän Lars Bender in die Startelf. Leon Bailey durfte nach seiner Länderspiel-Farce mit Jamaika zunächst nur zuschauen.

Die in giftigem Neongrün spielenden Hannoveraner hatten allerdings in der Anfangsphase kein Interesse daran, sich zu verstecken und Leverkusen das Geschehen diktieren zu lassen. Entsprechend zweikampfbetont begann die Partie. Nach vier Minuten wurde Kai Havertz nahe der Strafraumgrenze gefoult.

Schiedsrichter Patrick Ittrich pfiff die Aktion mit leichter Verzögerung ab, obwohl bereits eine Flanke zum freistehenden Volland segelte. Der beschwerte sich anschließend über die Missachtung der Vorteil-Regel. Der anschließende Freistoß brachte nichts ein – dachten jedenfalls die rund 27.000 Zuschauer in der BayArena. Doch dann griff der Videoassistent ein, der beim Abwehrversuch den auffällig hohen Ellbogen von Hannovers Felipe am Ball belegte. Der gegebene Handelfmeterpfiff war daher folgerichtig. Wendell legte sich den Ball auf den Punkt und schoss dann derart schludrig in die rechte Ecke, dass Hannovers Torwart Michael Esser kaum Mühe damit hatte, die frühe Führung der Gastgeber im Nachfassen zu verhindern (7.).

Kurz danach war es Julian Brandt, der sich nach einem Havertz-Pass frei im Strafraum die Kugel zu weit vorlegte und eine erstklassige Chance vertändelte (10.). Nach der turbulenten Anfangsviertelstunde beruhigte sich das Geschehen auf dem Rasen etwas – und der Gästeblock feierte den Schlussmann der 96er. Dann wurde es ernst aus Leverkusener Sicht: Nach 25 Minuten traf Florent Muslija sehenswert zur Führung. Der Startelf-Debütant zirkelte den Ball über die Mauer hinweg ins rechte Eck. Der Ball prallte dabei sogar noch gegen den Innenpfosten – unhaltbar für Lukas Hradecky (25.). Der hatte wiederum fünf Minuten später die Gelegenheit, sich mit einer starken Parade gegen Muslijas Schlenzer auszuzeichnen. Wendell blockte den Nachschuss von Bobby Wood aus sechs Metern auf das freie Tor (30.).

Bei einer Ansonsten gehemmt wirkenden Werkself war es schließlich der Kapitän, der nach 34 Minuten ein Zeichen setzte. Über Havertz und Brandt gelangte der Ball zu Lars Bender im Strafraum, der gedankenschnell per Flachschuss zum Ausgleich vollstreckte. Die Wirkung des Tores war geradezu spürbar. Beinahe hätte Brandt direkt erhöht, doch sein Kopfball nach Volland-Flanke ging über das Tor (37.).

So ging es mit einem letztlich schmeichelhaften Remis in die Kabinen. Leverkusen kam wacher und frischer aus der Halbzeit und hatte durch Brandts Kopfball aus kurzer Distanz eine Riesenchance zur Führung (53.). Da fehlten nur Zentimeter. Doch dann schockte Hannover die Werkself erneut: Nach einer Ecke stimmte die Zuordnung im Strafraum nicht und plötzlich bekam Felipe einen Abpraller vor die Füße, dessen Schuss von Jonathan Tah noch leicht abgefälscht im Tor einschlug (54.).

Als Felipe dann direkt danach einen äußerst vielversprechenden Konter der Leverkusener mit einem erneuten Handspiel unterbrach, sah er völlig zurecht die Gelb-Rote Karte. Innerhalb von drei Minuten avancierte Felipe vom Helden zum Unhold (57.). Der Platzverweis gab den Gastgebern Auftrieb, doch Dominik Kohr scheiterte an Esser, nachdem er sich wunderbar in den Strafraum durchgetankt hatte (59.).

Die Schlussphase hielt noch einige letztlich wirkungslose Offensivaktionen bereit, doch Angriffswelle um Angriffswelle brandete an der dicht gestaffelten Abwehr der in Unterzahl spielenden Gäste, die mit vereinzelten Kontern für Entlastung sorgten. Herrlich wechselte mit Karim Bellarabi, Leon Bailey und Isaac Kiese Thelin nach und nach im Grunde alles an Offensivspower ein, was sein Kader zu bieten hat. Dass Bellarabi mit seinem Tor in letzter Sekunde zum Ausgleich das Schlimmste verhinderte (93.), täuscht nicht darüber hinweg, dass die Werkself meilenweit von ihrer Topform entfernt ist. Die Fans quittierten die dürftige Leistung des Europa-League-Teilnehmers mit einem Pfeifkonzert.

Die Statistik hatte vor dem Anpfiff übrigens klar für Bayer gesprochen: In den vergangenen zehn Heimspielen sprangen zehn Siege gegen Hannover heraus. Mit dieser Serie ist nun Schluss. Am kommenden Sonntag steht das Auswärtsspiel in Bremen an (18.30 Uhr), vorher geht es in die Schweiz, wo am Donnerstag in der Europa League das Spiel gegen den FC Zürich ansteht (18.55 Uhr).

Bayer Leverkusen Hradecky - Weiser (75. Bailey), Tah, S. Bender, Wendell - Kohr (64. Thelin), L. Bender - Brandt, K. Volland (75. Bellarabi) - Havertz, Alario
Hannover 96 M. Esser - Elez, Anton, Felipe - Haraguchi, Schwegler (81. Bakalorz), Walace, Albornoz - Muslija (68. Ostrzolek) - Wood (60. Wimmer), Füllkrug

Schiedsrichter Patrick Ittrich (Hamburg) - Zuschauer: 26435
Tore 0:1 Muslija (25.), 1:1 S. Bender (34.), 1:2 Felipe (54.), 2:2 Bellarabi (90.+4)
Gelbe Karten Weiser (2) / Schwegler (2), M. Esser (1), Albornoz (2)
Gelb-Rote Karten - / Felipe (57./wiederholtes Handspiel)
Besondere Vorkommnisse M. Esser (Hannover 96) hält Handelfmeter von Wendell (Bayer Leverkusen) (8.)

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bayer 04 gegen Hannover: die Bilder des Spiels

Mehr von RP ONLINE