Maischberger: Alexander Gauland macht Groko-Talk zur Nebensache

TV-Abend mit Sandra Maischberger: Gauland macht Groko-Talk zur Nebensache

Sandra Maischberger wollte in ihrer Talkshow am Abend von ihren Gästen wissen: "Der Groko-Poker - letzte Chance für Merkel und Co.?" Im Verlauf der Sendung ging es um mögliche Neuwahlen, die Zukunft von Angela Merkel und die ersten 100 Tage AfD im Bundestag.

Darum ging's

Die Bundestagswahl ist inzwischen mehr als vier Monate her. Dennoch steht in Deutschland bislang keine Regierung. Bis März wollen Union und SPD sich jetzt zusammen raufen und eine neue große Koalition bilden. Und was passiert, wenn die Groko-Verhandlungen doch scheitern sollten? Mögliche Neuwahlen hätten wohl auch für Kanzlerin Angela Merkel ernste Folgen.

Darum ging's wirklich

Die AfD sitzt seit 100 Tagen im Deutschen Bundestag - zum Missfallen der anderen Parteien. Sollte die große Koalition zustande kommen, wäre die Partei die größte Opposition. Alexander Gauland machte für diesen Fall direkt eine Ansage: "Wenn man Krieg haben will, kann man Krieg haben." Ihm ging es vor allem um die gescheiterte Wahl des AfD-Kandidaten Albrecht Glaser zum Bundestags-Vizepräsident. In mehreren Wahlgängen war dieser gescheitert.

Die Gäste

  • Ralf Stegner (SPD), stellvertretender Parteivorsitzender
  • Joachim Herrmann (CSU), Bayerischer Innenminister
  • Alexander Gauland (AfD), Partei- und Fraktionsvorsitzender
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke), Fraktionsvorsitzende
  • Bettina Gaus, Journalistin "taz"
  • Groko-Verhandlungen : Union und SPD wollen Gebäudesanierung fördern
  • Christoph Schwennicke, Chefredakteur "Cicero"

Frontenverlauf

Das die große Koalition von keiner der Parteien ein großer Wunsch ist, daran ließ auch die Sendung am Abend keinen Zweifel. Stegner gab sogar selbst zu, dass "wir in Teilen unsereren Wählen das Gegenteil versprochen haben". Anregungen von Wagenknecht oder Gauland wiegelte er konsequent ab. "Wir brauchen weder von der Linkspartei noch von der Rechtspartei Belehrungen", betonte er. Der Journalist Schwennicke bezeichnet die Beziehung zwischen SPD und Union gar "wie die Liebe unter Stachelschweinen".

Und er legte beim Thema möglicher Neuwahlen nach: "Ganz viele in der CDU hoffen, dass die SPD so agiert, dass Frau Merkel am Ende nicht mehr Kanzlerin ist." Stegner, der nicht als Fan der Groko gilt, behauptete ähnliches: "Es gibt den einen oder anderen, der erkennbar eher gegen die eigene Führung arbeitet als gegen die SPD." Namen nannte er nicht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frau Merkel im Falle von Neuwahlen noch einmal antritt", sagte auch Wagenknecht.

Gegen Ende der Sendung ging es noch einmal zur Sache. Denn das beherrschende Thema wurde immer mehr die Auseinandersetzung mit der AfD im Bundestag und die Besetzung von Ausschüssen. "Das ist eine glatte Ausgrenzung", sagte Parteichef Gauland zu den abgelehnten AfD-Kandidaten.

Wieder ist es Schwennicke, der stichelt: "Wir wohnen einem Blubberprozess bei", sagte er. "Bei der AfD ist noch nicht klar, ob da Apfelwein oder Essig herauskommt." Auch CSU-Politiker Hermann, "Eine schlimme Partei (...) mit jeder Menge Rassismus und ausländerfeindlicher Hetze", und SPD-Mann Stegner, der Gauland nie direkt anredete, sondern nur von "dem Herrn gegenüber" sprach, äußerten sich negativ über die AfD.

Fazit

Zwar ging es am Abend bei Maischberger auch um die große Koalition, aber die Ausgangsfrage geriet schnell in den Hintergrund. Viel Neues gab es beim Thema Groko ohnehin nicht - nach so langen Verhandlungen ist das Thema auserzählt. Lediglich der Auftritt von AfD-Politiker Alexander Gauland sorgte für Zündstoff in der Runde - der hatte allerdings kaum etwas mit der eigentlichen Thematik zu tun.

Zitat des Tages

"Wir könnten Albert Schweitzer aufstellen oder Mutter Teresa, und die würden auch nicht gewählt", beschwerte sich Alexander Gauland über die AfD-Wahlschlappen bei der Besetzung der Bundestagsausschüsse.

(se)
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