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SV Borussia Veen: Am Vatertag Nägel mit Köpfen gemacht

SV Borussia Veen : Am Vatertag Nägel mit Köpfen gemacht

SV Borussia Veen: Vor zehn Jahren suchte der Jubiläums-Verein einen neuen Vereinswirt und Platzwart. Artur Schultz übernahm den Doppel-Job und ist heute eine Institution. Als Schalke-Fan ärgert er auch zuweilen den BMG-Fanclub.

Artur Schultz kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Seit zehn Jahren ist der 57-Jährige Platzwart beim Sportverein Borussia Veen. Genauso lange betreibt er auch in Eigenregie das Sportheim an der Platzanlage. Einen Acht-Stunden-Tag kennt der Mann nicht, dessen Heimat das Münsterland ist, genauer gesagt die Stadt Ahaus. Vor gut zehn Jahren ist der Westfale an den Niederrhein gekommen, hat erst in Nieukerk gelebt, später dann die Wohnung über dem Sportheim am Halfmannsweg bezogen. In der Zeitung hat er gelesen, dass die Borussen einen neuen Vereinswirt suchen, der auch die Platzanlage in Schuss hält.

„An Vatertag bin ich hier aufgekreuzt, habe mich mit Heinz-Gerd Conrad, Charly Schweden, Walter Kaisen und Klaus Büren an einen Tisch gesetzt – und wir sind uns schnell einig gewesen“, erzählt der Mann, der Fleischer gelernt, viele Jahre auch in diesem Beruf gearbeitet hat und der eines hasst: Hektik.

Um 4.30 Uhr geht bei Artur Schultz jeden Morgen der Wecker, dann wird mit der Lebensgefährtin, die er vor zwei Jahren im Veener Karneval kennengelernt hat, gefrühstückt. Wenn sie zur Arbeit gefahren ist, legt er sich im Winter ab und an, wenn es am Abend vorher sehr spät geworden ist, noch einmal für ein oder zwei Stündchen aufs Ohr, bevor auch sein Arbeitstag beginnt. Drei Mal in der Woche mäht er den Rasenplatz, einmal wöchentlich fährt er mit einem Traktor, an dem hinten eine Matte hängt, über den Kunstrasenplatz, und verteilt Granulat. Das dauert schon mal drei Stunden, „der Rasenplatz geht schneller, den habe ich in ein bis zwei Stunden gemäht, die Torpfosten per Hand freigeschnitten“. Einmal die Woche, meistens freitags, damit der Platz am Wochenende schön aussieht, wird der Kunstrasen „abgekreidet“, dafür muss dann auch der 16-Meter-Raum und der Fünf-Meter-Raum vorm Tor neu ausgemessen werden.

Auch um die Tor-Netze muss sich Artur Schultz kümmern. „Die halten heutzutage nicht mehr lange, die jungen Fußballer treten gerne mal aus Frust über einen verschossenen Ball mit den Füßen da rein. Nach 14 Tagen ist das erste Loch drin“. Das alte Netz abhängen, ein neues in die Haken einspannen: Dafür gehen auch an die zwei Stunden drauf. Manchmal hilft ihm Eddy van Rooij bei der Pflege der beiden Plätze und des Kleinspielfeldes.

Ab 16 Uhr ist das Sportheim dienstags bis freitags geöffnet, samstags und sonntags auch schon mal ab 9 Uhr. Um 22 Uhr schließt Artur Schultz ab. Dann ist aber noch nicht Feierabend, „dann mach‘ ich sauber: Die drei Umkleidekabinen und die Toiletten, das Sportheim, die Theke, die WC-Anlagen. Jeden Tag“. Demnächst kommen noch eine Umkleidekabine und ein darüber liegender Besprechungsraum in dem neuen Platzhaus hinzu, das die Borussen gerade am bauen.

Montags ist zwar Ruhetag im Sportheim, aber frei hat der 57-Jährige dann trotzdem nicht. Wenn er vormittags die Plätze präpariert hat, macht er den Wocheneinkauf fürs Vereinsheim, putzt bei Bedarf alle Fenster. „Und in meiner Wohnung hab ich ja auch noch zu tun“. Ja, gibt er zu, er sei schon pingelig, was Sauberkeit angeht. Aber so sei er nun mal, sagt er und lacht.

Eigentlich ist er meistens gut gelaunt, der Schalke 04-Fan, der zur Knackwurst oder der Frikadelle auch schon ‘mal eine Senftube oder Ketchup-Flasche mit blau-weißem Schalke-Emblem dazustellt, wenn sich Mitglieder des Gladbach-Fanclubs bei ihm treffen.

Er selber hat früher auch regelmäßig Fußball gespielt, dazu fehlt ihm aber heute die Zeit. Ab und an macht er mit, wenn sich freitags von 18.30 bis 19.30 Uhr die „Krabbelgruppe“ auf dem Sportplatz trifft. „Alte“ Herren zwischen 45 und 75 Jahren, die eine halbe Stunde Gymnastik machen, eine halbe Stunde vors runde Leder treten, dann die dritte Halbzeit ins Sportheim verlegen, dem Gerstensaft zusprechen und, so sagt man, „zu später Stunde auf allen Vieren aus der Gaststätte krabbeln“. Daher auch der Name Krabbelgruppe…