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Lars Rübekeil ist neuer Wehrleiter der Feuerwehr Sonsbeck

Neuer Wehrleiter in Sonsbeck : Feuer und Flamme für die Feuerwehr

Lars Rübekeil ist seit 25 Jahren ehrenamtlich für Sonsbeck im Einsatz. Jetzt wurde er zum zweiten Stellvertreter des Wehrleiters ernannt. Ein neues Amt, um den zunehmenden Aufgabenbereichen gerecht zu werden.

Es gibt Familien, in denen wird die Leidenschaft für die Feuerwehr von Generation zu Generation weitergetragen; in denen die Jugend in die Fußstapfen der Eltern und Großväter tritt. Aus so einer Familie stammt Lars Rübekeil nicht. „Ich weiß nicht, woher mein Faible kommt“, sagt der Sonsbecker. Und doch war er schon als kleiner Junge von den Helden in Uniform, von den knallroten Autos und dem Blaulicht fasziniert. „Meine Eltern mussten mit mir zu jedem Feuerwehrfest und Tag der offenen Tür gehen“, erzählt er. Heute ist Rübekeil 37, seit 25 Jahren ehrenamtlich im Einsatz. Anfang April wurde er nun zum stellvertretenden Leiter der Feuerwehr Sonsbeck ernannt, die damit zwei Vize-Leiter hat. Und auch wenn im Laufe der Jahre so manche idealisierte Kindheitsvorstellung von der Realität eingeholt wurde, „bin ich immer noch Feuer und Flamme für die Freiwillige Feuerwehr“, betont Rübekeil.

Gleich nachdem er das Mindestalter erreicht hatte, trat er mit zwölf Jahren der Sonsbecker Jugendfeuerwehr bei. „Endlich durfte ich an die roten Autos ran, bekam eine Schutzausrüstung“, schwärmt er noch heute. Zu Einsätzen fährt man in der Jugendfeuerwehr noch nicht mit, die Kinder und Jugendlichen werden aber darauf vorbereitet, sie lernen, wie man Feuer bekämpft, worauf es bei der Ersten Hilfe ankommt, wie sie sich im Brandfall zu verhalten haben. „Und natürlich gibt es einfach auch viele Aktionen, die Spaß machen und die Gruppe zusammenwachsen lassen“, so Rübekeil.

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Dieser spielerische Ansatz dient einem wichtigen Zweck: „Ohne Kameradschaft würde die Feuerwehr nicht funktionieren. Man muss sich im Ernstfall aufeinander verlassen können, die Stärken und Schwächen des anderen kennen, einander vertrauen“, betont Rübekeil. Manche Kameraden begleiten ihn schon seit seinen Anfängen vor 25 Jahren. Nicht zuletzt diese Gemeinschaft hat den Sonsbecker restlos überzeugt, mit der Volljährigkeit in den aktiven Dienst überzugehen.

Und die Kameraden seien auch da, wenn man mal Redebedarf habe. „Während eines Einsatzes funktioniert man erst einmal und versucht, das Gelernte bestmöglich umzusetzen“, erzählt Rübekeil. Durch die Erfahrung lerne man auch, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Trotzdem kann man nie ausschließen, dass ein Einsatz belastend sein kann“, so der Feuerwehrmann. „Manchmal reicht eine Kleinigkeit, etwa dass ein Unfallauto dem des Bruders ähnelt, um jemanden aus der Bahn zu werfen.“ Deshalb würden alle Einsätze im Nachgang besprochen. Vornehmlich zwar, um die Einsatzleistung zu analysieren. „Wir haben aber auch immer ein Auge aufeinander, ob es einem persönlich gut geht“, sagt Rübekeil.

Nicht zuletzt, weil es auch Einsätze gibt, bei denen die Wehrkräfte alles richtig gemacht haben, und doch jede Hilfe vergebens war. Etwa als 2020 zwei junge Niederländer auf der A 57 von der Fahrbahn abkamen. „Das Auto hat sofort Feuer gefangen und die beiden Männer sind darin verbrannt“, erzählt der 37-Jährige. Er selbst versuche zwar immer, mit dem Ablegen der Uniform auch die Gedanken an den Einsatz abzustreifen. Manches bleibe aber eben in Erinnerung.

Gerne erinnert sich Rübekeil an seinen ersten Einsatz mit zarten 18 Jahren. „Ein gemeldeter Scheunenbrand in Labbeck. Wir rückten mit Blaulicht, Martinshorn und Tempo aus“, erzählt der Sonsbecker. Letztlich entpuppte sich der Brand als ein einfaches Nutzfeuer. „Ich war trotzdem voller Adrenalin und total aufgeregt.“ Auch ein skurriler Einsatz, bei dem ein Lama ausgebüxt war, sowie die „prägenden Eindrücke“ bei seinem ersten Führungslehrgang in einer riesigen Übungshalle in Münster bleiben ihm gerne in Gedächtnis. Rübekeil hat vom Trupp-, Gruppen-, Zug- bis zum Verbandsführer eine Vielzahl von Fortbildungen absolviert. „Vor allem bleiben aber die Einsätze in Erinnerung, bei denen wir den Unterschied ausgemacht haben und vielleicht ein Leben retten konnten“, sagt der Sonsbecker. „Das hält die Motivation hoch. Wobei so etwas nie eine Einzelleistung eines strahlenden Helden ist, wie man sich das als Kind gerne vorgestellt hat, sondern immer Teamarbeit.“ 

Und dieses Team will Rübekeil als stellvertretender Wehrleiter weiter stärken. Denn die Aufgabenbereiche in der Gemeinde Sonsbeck nähmen zu, es brauche mehr Freiwillige, um die Feuerwehr leistungsfähig zu halten. „Man muss sich nur anschauen, wie Sonsbeck in den vergangenen 25 Jahren gewachsen ist und wie sich der Verkehr entwickelt hat“, sagt Rübekeil. Zu seinen Anfängen habe es rund 50 Einsätze im Jahr gegeben. Inzwischen seien es rund 80. „Und die werden immer vielfältiger, beispielsweise durch E-Mobilität.“ Auch der Verwaltungsaufwand steige. Von der Organisation von Lehrgängen über die Beschaffung der Einsatzgeräte bis hin zu Meldungen an den Kreis und die Bezirksregierung gebe es viel Arbeit im Hintergrund.

„Gleichzeitig schwinden die Zeitfenster, die die Menschen für das Ehrenamt haben“, so Rübekeil. Gerade in Sonsbeck arbeiteten viele Bürger außerhalb der Gemeinde, seien deshalb tagsüber nicht verfügbar. Viele gerade Volljährige, die in den aktiven Dienst übergehen könnten, ziehen für Ausbildung, Job oder Studium weg.

Rübekeil kennt das selbst. Auch er ist nach seinem Abitur am Xantener Gymnasium für zwölf Jahre nach Wuppertal gezogen, hat dort Sicherheitstechnik, im Master mit Schwerpunkt Brandschutz studiert, arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni. Der Feuerwehr Sonsbeck ist er in der Zeit stets treu geblieben und war zumindest an den Wochenenden im Dienst. Seit 2016 ist er wieder zurück in der Gemeinde. Ein Jahr später übernahm er die stellvertretende Leitung der Einheit Sonsbeck.

Die Position des stellvertretenden Wehrleiters hat er eigentlich nie angestrebt, wie Rübekeil sagt. „Aber ich habe mich auch nie gescheut, Verantwortung zu übernehmen.“ Heute arbeitet er als Sicherheitsingenieur im BG Klinikum Duisburg. „Konzeptionelle Arbeit liegt mir einfach und die Möglichkeit, aktiv darauf Einfluss nehmen zu können, wie sich die Feuerwehr künftig aufstellt und entwickelt, ist reizvoll.“ Nur eines ist für den Feuerwehrmann aus Überzeugung keine Option: der Berufsfeuerwehr beizutreten. Das hat er seinem vier Jahre jüngeren Bruder überlassen, nachdem er ihn schon als Kind mit dem Faible angesteckt hatte. Vielleicht wird die Leidenschaft also doch noch eine Familientradition.

(beaw)