Wermelskirchen: Ein liebgewonnenes Relikt aus der Jugend

Wermelskirchener erinnern sich : Ein liebgewonnenes Relikt aus der Jugend

Susanne Liebherr und Udo Naguschewski haben beide noch den grauen „Lappen“. Der alte Führerschein wurde bis 1986 ausgegeben.

Mit den Erinnerungen ist das so eine Sache. Oft neigt man dazu, mit verklärter Sicht auf Dinge zurückzublicken, die seinerzeit vielleicht gar nicht so schön oder auch schlimm waren, wie man sich heute, viele Jahre später, zu erinnern glaubt. Allerdings dürfte der Führerschein da eine Ausnahme bilden. Denn mit der Fahrerlaubnis gehen ja in der Regel auch Unabhängigkeit und ein Stück Freiheit mit einher. Seit 1999 ist der Führerschein eine Plastikkarte unter vielen im Portemonnaie. Nur wenige junge Menschen wissen dagegen mit der Bezeichnung „Lappen“ für den Führerschein etwas anzufangen. Dabei haben auch heute noch einige Autofahrer den ursprünglichen Führerschein der Bundesrepublik Deutschland, der bis 1986 ausgegeben wurde.

Susanne Liebherr und Udo Naguschewski gehören dazu. Die 53-Jährige arbeitet als systemischer Coach und Kommunikationstrainerin in Wermelskirchen, der 60-Jährige ist Vertriebsleiter bei einem Wermelskirchener Unternehmen. Für beide ist der „Lappen“ schon seit vielen Jahrzehnten treuer Begleiter. Und ein unauffälliger, wie Naguschewski sagt: „Er ist halt immer da gewesen, ich habe mir nie weitere Gedanken darüber gemacht.“ Liebherr ergänzt: „Das ist ein echtes Relikt aus der Jugend. In meinem steht sogar noch mein Mädchenname und die Anschrift meiner Eltern.“

Skandinavien war aber auch im Sommer oft das Ziel von Udo Naguschweski, hier etwa in Schweden. Foto: Privat

Beide haben ihren Führerschein mit 18 Jahren gemacht, wobei es für Liebherr eine durchaus anstrengende Erinnerung ist. „Ich habe mich anfangs nicht so leicht damit getan. Irgendwann hat es aber Klick gemacht“, sagt die 53-Jährige und lacht. Naguschewski hatte da weniger Berührungsängste: „Ich war 1978 in der Lehre zum Kfz-Mechaniker. Mein Fahrlehrer, selbst Kfz-Meister, fragte mich: Kannst Du fahren? Ich sagte: Ja. Und dann war das mit einer Handvoll Fahrstunden erledigt.“ Auch Liebherr ist bald auf flotterem Reifen unterwegs. „Ich teilte mir mit meiner Mutter einen knallgelben Fiat 126. Meine Mutter wurde dann von der Nachbarin darauf angesprochen, dass sie ganz schön schnell unterwegs gewesen sei. Dabei war das ich, wie sich schnell herausstellte“, erzählt die 53-Jährige und lacht wieder. Auch wenn knapp zehn Jahre zwischen den beiden liegen, eint sie doch eines besonders: „Wir sind beide leidenschaftlich gerne und viel Motorrad gefahren“, bestätigt Liebherr. Sie hat ihren Führerschein 1983 gemacht, drei Jahre später kam der Motorradschein dazu. „Ich bin dann relativ bald nach Italien gefahren, die Passfahrten waren schon toll. Unten gingen dann allerdings die Bremsen nicht mehr“, sagt die 53-Jährige.

Udo Naguschewski ist passionierter Winterfahrer. Hier steht sein Motorrad mit Gespann in den Schweizer Alpen. Foto: Privat

Naugschewski hingegen hat es eher in den Norden gezogen. „Wir waren regelmäßig im Winter in Skandinavien unterwegs. Ich bin passionierter Winterfahrer. Die verschneiten und eisigen Landschaften sind schon etwas ganz Besonderes“, sagt der 60-Jährige. Probleme mit der Akzeptanz des „Lappens“ hat nur Naguschewski einmal gehabt. „Weder in Australien, den USA noch sonstwo gab es Probleme. Nur ein Polizist in Deutschland hat den Führerschein bei einer Verkehrskontrolle vor ein paar Jahren mit spitzen Fingern ganz angewidert an einem Eckchen hochgehalten und gesagt: Der verwest ja schon beinahe“, erinnert sich der 60-Jährige und lacht.

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