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Der Wermelskirchener Dirk Feige ist Schwimmtrainer beim SC Solingen.

Schwimmtrainer aus Wermelskirchen : Fast jeden Tag am Beckenrand

Dirk Feige trainiert die Erste Mannschaft beim Schwimmclub Solingen – mit großem Erfolg. 2017 wechselte er vom WTV in die Nachbarstadt – auch, weil dort die Bedingungen besser sind.

An eine Zeit ohne Beckenrand und Wasser, Startsprung und Wende kann sich Dirk Feige eigentlich gar nicht mehr erinnern. „Das lag uns irgendwie schon im Blut“, sagt er. Er war gerade neun, als sein Vater ihn und seine Schwester erst beim Wermelskirchener TV (WTV) und dann bei der DLRG anmeldete. „Aber er wünschte sich mehr Trainingszeiten für uns“, erinnert sich Feige. Damals stieg er in den Leistungssport ein, trainierte fünfmal die Woche in Lennep. Aber während seine Schwester Sabine den Weg weiterschwamm und Meistertitel sammelte, beschloss Dirk Feige mit 14 Jahren, dem Leistungssport erst einmal den Rücken zu kehren. „Mir wurde das zu viel“, sagt er. Auszeiten machten sich schnell bemerkbar, er hatte den Anschluss verloren.

Und doch: Das Wasser war sein Element. Und so kehrte er zurück – Jahre später. Damals hatte er eine Wette verloren, als er mit einem Kollegen 100 Meter geschwommen war und knapp verloren hatte. „Aber damals fasste ich den Entschluss, wieder beim Schwimmen einzusteigen“, sagt er. Feige schwamm für die Mastersmannschaft beim WTV und fand die Begeisterung wieder. „Am Anfang war ich nach 400 Metern Einschwimmen völlig fertig“, sagt er und lacht. Aber die Technik stimmte noch und die Kondition kehrte schnell zurück.

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Heute steht Dirk Feige am Beckenrand – fünfmal die Woche. Damals, als seine Schwester beim WTV als Trainerin der Leistungsmannschaft aufhörte, übernahm Dirk Feige ihren Posten. „Einen Trainerschein hatte ich nicht“, sagt er, „aber viel Erfahrung.“ Und die kam nun den jungen Schwimmern beim WTV zugute. Er trainierte die Mannschaft zweimal in der Woche, ging danach selbst ins Wasser und war inzwischen auch der Mastersmannschaft in Solingen beigetreten. Die wurden auf ihn aufmerksam.

Heute ist das Schwimmen so präsent in seinem Leben wie selten zuvor. Seine Heimatmannschaft, den WTV, hat er vor zwei Jahren verlassen – erst als Schwimmer und dann auch als Trainer. „Die Bedingungen im Klingenbad in Solingen sind einfach deutlich besser“, sagt er. Die Bahnen sind 50 statt 25 Meter lang und werden für die Öffentlichkeit während des Vereinstrainings komplett gesperrt. „Das heißt: Wir trainieren auf acht Bahnen“, sagt er. Statt zweimal in der Woche trainiert er seine Schwimmer nun fünfmal die Woche. „Und viele von ihnen haben Ziele und wollen richtig etwas erreichen“, sagt er. Und dann erzählt Dirk Feige von den Deutschen Meisterschaften im Mai, an denen er mit zwei Schwimmern und fünf Starts teilnahm. „Unsere Rückenschwimmerin erreichte die Finalläufe“, sagt er. Da kehre man beschwingt und motiviert zurück. Ohnehin sei er ein Trainer, der die Leistung seiner Schwimmer auch würdigen wolle. „Da geht es nicht nur um Titel und Medaillen“, sagt Feige. Sportler, die vollen Einsatz zeigen, Ratschläge annehmen, über sich hinauswachsen: Sie hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei ihm. Und dann gibt es eben jene Schwimmer, denen er „Wassergefühl“ attestiert. Technik, Kraft und Größe: Sie können es schaffen. Und weil der SC Solingen eben auch jenen Schwimmern eine Perspektive bieten kann, fühlt sich Feige heute am richtigen Platz. Ja, er fahre viele Kilometer im Jahr – zum Training, zu Wettkämpfen. „Das ist einfach ein schöner Sport“, sagt er. Dafür lohne sich der Einsatz.

Inzwischen hat Dirk Feige den Trainerschein gemacht, ist dabei auf andere Schwimmtrainer getroffen – jeder bringe seine Persönlichkeit mit. „Ich bin keiner von denen, die am Beckenrand laut werden“, sagt der 50-Jährige. Er sei der leise Typ, der nicht müde wird, zu erklären – auch wenn Schwimmer Tipps nicht sofort umsetzen können. Und welche Ziele hat er sich gesteckt? „Die Deutschen Meisterschaften im nächsten Jahr“, sagt er, „es wäre schön, wenn wir mit noch mehr Schwimmern teilnehmen könnten.“

Die Brücken zum WTV hat er nie abgebrochen. „Ich fühle mich weiterhin sehr verbunden“, sagt er. Und manchmal, wenn er samstags Zeit hat, dann fährt er ins Quellenbad und schaut seiner alten Mannschaft zu.