Wermelskirchen: 160 Gäste erlebten in der Katt, wie Philip Simon Artikel 1 des Grundgesetzes sieht

Kabarettist gastiert vor 160 Zuschauern in der Katt: „Wir sind das Grundgesetz“

In seinem Programm „Meisenhorst“ setzt sich Philip Simon mit dem Grundgesetz auseinander. 160 Besucher erlebten es in der Katt. Der Kabarettist stellt klar, dass eine humanistische Leitkultur die Handlungsgrundlage in wirren Zeiten sein muss.

In militärisch anmutender Uniform „fliegt“ Philip Simon stampfend in seinen „Meisenhorst“. So heißt das aktuelle Programm des Kabarettisten, das er vor rund 160 Besuchern auf die Bühne der Kleinen Halle der Kattwinkelschen Fabrik bringt. Die Zeiten des dezenten Gentleman-Understatements sind bei Philip Simon, der noch vor wenigen Jahren in Hemd mit Weste seine beiden Vorgängerprogramme spielte, vorbei: „Herzlich willkommen im Meisenhorst, im politischen Untergrund von Wermelskirchen.“ Simon ruft dem Publikum entgegen: „Der Meisenhorst ist der Ort, an dem wir alle unsere Meisen versammeln.“

Philip Simon beschränkt sich in „Meisenhorst“ nicht auf Abwägen oder Einschätzen. Er bezieht in seinem Look, der ein wenig an die Dauer-Klamotte von Fidel Castro erinnert, Stellung, ohne sich in einem imaginären „Schützengraben“ zu verstecken: „Ich bin ein Söldner der Empathie, die Chefmeise mit den meisten Vögeln.“ Hinter dem Berg hält Philip Simon mit seiner Meinung nicht – wohlwissend, dass jemand, der nicht seiner Meinung ist, kaum eine Karte für einen Philip Simon-Abend kauft. Aufnäher auf seiner Uniformjacke bekunden seine Sympathien: Da ist die weiße Friedenstaube auf blauem Grund zu sehen, der Satz „Kein Menschen ist illegal“ zu lesen oder ein Amnesty International-Patch zu erkennen. Von letzterer Organisation hält Philip Simon an seinem Stand, an dem er nach dem Auftritt Autogramme gibt und beispielsweise CDs verkauft, kostenloses Info-Material bereit.

Philip Simon bekennt sich leidenschaftlich und will dieses Herzblut auf die Zuschauer übertragen – der begeisterte Applaus, teils sogar Standing Ovations, bewiesen, dass ihm das in Wermelskirchen gelungen zu sein scheint.

In „Meisenhorst“ setzt sich Philip Simon vor allem mit dem Grundgesetz auseinander, das er als Orientierungsleitfaden in einer wirren Welt sieht. Der „Sehnsucht nach einer Leitkultur, die die eigenen Vorurteile zum gesellschaftlichen Standard macht“ setzt er entgegen und regt gleichzeitig zum Nachdenken und Philosophieren an: „Wir brauchen eine humanistische Leitkultur. Wir sollten es mal mit dem Preußen Kant versuchen. Wer nur Helene Fischer kennt, muss sich bei Brahms erst einmal hineinhören.“

Der Kabarettist, der sich durch TV-Auftritte auch bei den renommierten „Mitternachtsspitzen“ einer stetig wachsenden Bekanntheit und Beliebtheit erfreut, steuert in seinem Programm humorvoll-bissig auf ein Ziel zu: Den Artikel 1 des Grundgesetzes (Die Würde des Menschen ist unantastbar) zu und folgert: „Eigentlich müssten wir ausgehend vom Artikel 1 das komplette Grundgesetz neu erarbeiten. Wir sind das Grundgesetz, wird sind der Meisenhorst.“ Am 23. Mai jähre sich die deutsche Verfassung, die bis heute den Titel Grundgesetz trage, zum 70. Mal: „Das alles sind wir – Dieselfahrer und Umweltschützer, Agenda 2010 und keine Pläne für 2020, wir machen immer alles richtig und trotzdem will uns nichts gelingen.“

Mehr von RP ONLINE