Wermelskirchen: Frauen parken unter dem Rathaus in erster Reihe

Unter dem Rathaus in Wermelskirchen: Frauen parken in erster Reihe

Frauen wissen sie zu schätzen, Männer ärgern sich zuweilen: In Wermelskirchen gibt es insgesamt neun Frauenparkplätze – alle unter dem Rathaus. Fachberaterinnen plädieren für Frauenparkplätze in jedem Parkhaus.

Der Weg zum Ausgang ist kurz und Extra-Leuchtröhren sorgen für mehr Licht: Wer im dunklen Parkhaus unter dem Rathaus der Beschilderung folgt, wird auf direktem Weg zu den Frauenparkplätzen geführt. Große, rosafarbene Buchstaben informieren die Autofahrer, dass die Parkplatzreihe kurz vor der Ausfahrt für Frauen reserviert ist.

„Wir haben darauf geachtet, dass die Parkplätze auch durch eine andersfarbige Markierung auffallen“, erklärt Harald Drescher vom Tiefbauamt der Stadt. Neun der insgesamt 80 öffentlichen Parkplätze in dem Parkhaus unter dem Rathaus seien als Frauenparkplätze ausgewiesen. Und damit sind sie die einzigen in der Stadt. Das gilt für öffentliche Parkflächen, aber auch für die Parkhäuser unter der Telegrafenpassage und Woolworth und am Stadtkarree. Gesetzliche Regelungen für die Einrichtung von Frauenparkplätzen gebe es nicht, sagt Drescher. Entsprechend gibt es auch keine Kontroll- oder Ahndungsmöglichkeiten. „Sie gelten als Appell an die Autofahrer“, erklärt Drescher.

Das weiß auch Esther Wargenau-Zeitz, Gleichstellungsbeauftragte bei der Stadt. „Als Frau halte ich diesen Appell aber für wichtig und sinnvoll“, sagt sie und berichtet von langen Abenden im Büro. Dann sei sie froh gewesen, nicht lange durch das dunkle Parkhaus gehen zu müssen, sondern schnell den Weg zu den Frauenparkplätzen und dem Auto gefunden zu haben. „Denn da unten kann es schon unheimlich werden“, sagt sie.

Um Frauen in diesen Situationen so viel Sicherheit wie möglich zu geben, sei die Einrichtung von Frauenparkplätzen wichtig. Allerdings habe sie als Gleichstellungsbeauftragte auch Verständnis für Männer, die sich dadurch benachteiligt fühlen. „Auch Männer werden in Tiefgaragen angegriffen und überfallen“, sagt Esther Wargenau-Zeitz. Nicht nur Frauen würden sich in dunklen Parkhäusern unsicher und unwohl fühlen. Und es gebe auch Männer, die wegen einer schmaleren Statur oder einer geringeren Größe einem Angreifer ausgeliefert seien. Sie wisse um die Brisanz des Themas und den Konflikt der Geschlechter, der damit verbunden sei.

Für den Erhalt der Frauenparkplätze unter dem Rathaus wolle sie sich trotzdem einsetzen – sollte es denn mal zu einem Protest kommen. „Ich glaube allerdings nicht, dass wir auch auf der Telegrafenstraße oder der Kölner Straße besonders ausgewiesene Frauenparkplätze brauchen“, ergänzt sie. Die Straßen seien belebt genug.

Auch Anja Haussels, Fachberaterin bei „Frauenzimmer“, der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt im Rheinisch-Bergischen Kreis, sieht vor allem in Parkhäusern eine Notwendigkeit für besonders ausgewiesene Flächen. „Frauen brauchen Schutz“, betont sie. Schon weil Frauen den Tätern häufig in Statur und Kraft unterlegen seien, müssten diese Schutzräume geschaffen werden. „Und deswegen sollte es in jedem Parkhaus Frauenparkplätze geben – beleuchtet, so belebt wie möglich und gekennzeichnet durch kurze Wege zum Ausgang“, betont Anja Haussels. Am besten sei es, wenn diese Parkplätze dann auch mit Kameras ausgestattet seien, ergänzt sie. Das gebe Frauen ein zusätzliches Sicherheitsgefühl.

Sollten sich Frauen dann trotzdem unwohl oder durch eine Situation bedroht fühlen, empfehle die Beratungsstelle, Umstehende anzusprechen, nach Hilfe zu fragen. Auch Wargenau-Zeitz ermutigt: „Sobald man sich unwohl fühlt, sollte man laut werden und sich bemerkbar machen. Raus aus der Lähmung.“

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