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Viel Raum für die eigene Kreativität

Kultur und Bildung in Wermelskirchen : Viel Raum für die eigene Kreativität

Die Jugendkunstschule in der Katt unterstützt Kindern und Jugendliche – egal ob bei der Musik oder beim Werken. Die Teilnehmer wissen die Freiheit zu schätzen.

Mara Fischer hat früher nur selten gesungen. „Ich hatte immer das Gefühl, meine Stimme ist nicht gut genug“, sagt die 15-Jährige. Nur wenn sie alleine war und die Musik fühlte, dann sprudelten die Melodien aus ihrer heraus. Dort, wo sie keiner hörte. Im vergangenen Sommer stand Mara Fischer zum ersten Mal auf einer Bühne – mit ihrem eigenen Lied. „Natürlich war ich total aufgeregt“, erinnert sie sich an den Abend in der Katt, „aber ich wollte mein Lied singen.“ Seitdem will sie wieder auf die Bühne, will ihre Geschichte erzählen. „Meine Message rüberbringen“, sagt sie.

Was zwischen dem unsicheren Mädchen und der selbstbewussten jungen Frau liegt? Ein knappes Jahr und die Jugendkunstschule in der Kattwinkelschen Fabrik. „Hier habe ich nicht nur viel über das Singen gelernt“, sagt die 15-Jährige, „hier kann ich wachsen.“ Denn im Workshop und beim offenen Singen in der Jugendkunstschule bekommt sie Raum – zumindest vor Corona. „Hier kannst du nichts falsch machen. Und hier wirst du akzeptiert, so wie du bist“, sagt auch Luca Nickel (15).

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Seit vier Jahren hat er Gesangsunterricht bei Sihna Maagé in der Jugendmusikschule. Und als seine Gesangslehrerin ihn eines Tages einlud, doch auch beim Workshop in der Jugendkunstschule vorbeizukommen, da ergriff er die Gelegenheit beim Schopf. „Ich darf meinen Ideen dort freien Raum lassen“, sagt er über den Songwriter-Workshop, „und das Beste: Dort habe ich Gleichgesinnte getroffen.“ Jugendliche, denen die Melodien ähnlich viel bedeuten. Junge Musiker, die sich ebenfalls ausprobieren wollen und dabei keine musikalischen Grenzen kennen – sondern die Möglichkeiten ausloten.

„Genau diese Freiheit wollen wir den Kindern und Jugendlichen hier bieten“, sagt Linda Bersch. Seit drei Jahren leitet sie die Jugendkunstschule in der Katt. Die künstlerischen Ausdrucksformen sind dabei so bunt, wie die Jugendlichen selbst: Sie reichen von der Musik bis zum Nähen, vom Videodreh bis zur Künstlerwerkstatt. In der Jugendkunstschule wird Raum und Material geboten – und wenn gewünscht, eben auch Begleitung und Unterstützung. „Es gibt Kinder, die sitzen bei uns im Werkraum und wissen genau, was sie wollen und können“, sagt Linda Bersch, „und dann gibt es Kinder, die wenig Erfahrung und viel Unsicherheit mitbringen.“ Sowohl die einen als auch die anderen werden mit offenen Armen empfangen. Sie bekommen die Unterstützung, die sie wollen. Und die Freiheit, die sie brauchen.

„Uns ist es wichtig, dass die Teilnahme nicht vom sozialen oder finanziellen Hintergrund abhängt“, sagt Leiterin Linda Bersch. Deswegen gibt es neben den gebührenpflichtigen Kursen auch offene Angebote – wie das offene Schneideratelier oder das offene Singen. Und selbst für die gebührenpflichtigen Angebote gebe es Fördermöglichkeiten.

Die jüngsten Teilnehmer sind sechs Jahre alt, die ältesten gerade volljährig geworden. „In dieser Zeit liegen viele wichtige Entwicklungsschritte, bei denen wir da sein wollen“, sagt Linda Bersch. Sie erlebt, wie Kinder und Jugendliche eine künstlerische Ausdrucksform finden, wie sie sich weiterentwickeln, wachsen. „Ohne Noten. Es geht hier nicht darum, wer mehr kann“, sagt sie. Und das wissen auch Mara Fischer und Luca Nickel zu schätzen: „Es ist gut, dieses Angebot neben der Schule zu haben. Hier gibt es keinen Druck“, sagt Luca Nickel. Der Alltagstrott hat ihm auch als Geschichte für seinen ersten Song gedient. „Manchmal möchte man das alles einfach mal hinter sich lassen“, sagt er. Die Jugendkunstschule will den Kindern und Jugendlichen genau das ermöglichen: Den Alltag hinter sich zu lassen.

Und das gilt erst recht für die Corona-Zeit: Seit vergangenem Jahr dürfen keine Präsenzveranstaltungen in der Kunstschule mehr stattfinden. „Aber das Team setzt sich sehr dafür ein, trotzdem mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben“, sagt Linda Bersch. So trifft sich etwa Sihna Maagé einmal in der Woche zum digitalen Mottoevent mit den Jugendlichen ihres Workshops. „Wir hoffen sehr, dass wir in kleinen Gruppen bald wieder loslegen können“, sagt Lena Bersch.

Mara Fischer und Luca Nickel leihen sich bis dahin hin und wieder den Schlüssel für den Probenraum, um zumindest zu zweit weiter Musik machen zu können. „Wir rufen an, fragen ob es passt und machen uns auf den Weg“, sagt die 15-Jährige. Ein Stück Freiheit ist ihnen erhalten geblieben – auch dank der Jugendkunstschule.