Wermelskirchen: Dem mobilen Bürgerbüro droht das Aus

Die Nachfrage nach dem Service war wider Erwarten schwach: Dem mobilen Bürgerbüro droht das Aus

Nur 25 Termine in zehn Monaten: Die Stadt stellt den mobilen Bürgerservice in Dabringhausen auf den Prüfstand. In Dhünn gab es bisher eine Anmeldung für das Angebot.

Offene Türen, aber leere Schalter: Die Mitarbeiter des Bürgerbüros machen sich seit April 2018 jeden Montag auf den Weg nach Dabringhausen und bieten den mobilen Bürgerservice an. Ausweise, An- und Ummeldungen, Anträge zur Abfallentsorgung. Kurz: das komplette Programm. Aber in den meisten Fällen blieben sie bisher alleine. „Die Nachfrage ist offenbar gering“, sagt Erster Beigeordneter Stefan Görnert. 25 Termine zählt die Statistik, fünf Bürgerbesuche an einem Tag markieren die Spitze. Und deswegen hat die Stadt Anfang des Jahres bereits reagiert: Seitdem fahren die Mitarbeiter mit dem mobilem Bürgerbüro nur noch jeden ersten Montag im Monat nach Dabringhausen. „Aber bei unserem Termin im Januar gab es wieder nur wenig Interesse“, sagt Görnert.

Und weil das finanziell und auch den Kollegen im zentralen Bürgerbüro in Wermelskirchen gegenüber nicht mehr verantwortlich sei, stelle die Stadt den Service nun auf den Prüfstand. Rund 250 Euro Personalkosten kostet der Service pro Termin. „Wenn die Nachfrage nicht steigt, werden wir das mobile Bürgerbüro Mitte des Jahres wieder einstellen“, sagt Görnert.

Am 9. Januar 2018 war der Bürgerservice an den Start gegangen. „Die Politik hatte uns diese Aufgabe aufgegeben“, erinnert Görnert an den Ratsbeschluss. Die technische Umsetzung allerdings sei von Anfang an schwierig gewesen. Die Stadt investierte rund 5000 Euro in einen EDV-Koffer und schaffte einen Kleinbus an. Blieb die Frage nach einer geeigneten Internetverbindung, um die sensiblen Daten sicher und vollständig verarbeiten zu können. In Dabringhausen sprang die Evangelische Kirchengemeinde ein, stellte Räume und WLAN zur Verfügung und machte so die wöchentliche Sprechstunde möglich – nach Anmeldung. Wer den Service nutzen will, muss vorher Bescheid geben. „Das ist eine Organisationsfrage“, sagt Görnert.

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In Dhünn fanden die Fachleute aus dem Rathaus keine technische Möglichkeit. „Aber wir hätten eine gefunden, wenn es Interesse gegeben hätte“, sagt der Erste Beigeordnete. Allerdings habe sich während des vergangenen Jahres kein Bürger in Dhünn für den mobilen Service angemeldet. Einen einzelnen Anruf habe es schließlich gegeben, die Mitarbeiter im Bürgerbüro halfen weiter.

Auf der Suche nach der Ursachenforschung gerät die Stadt an ihre Grenzen: „Wir haben überlegt, ob der Termin am Montagnachmittag ungünstig ist“, sagt Görnert. Allerdings herrsche zur gleichen Zeit im Bürgerbüro im Rathaus großer Andrang. „Eine hoch frequentierte Zeit“, sagt der Erste Beigeordnete. Vielleicht würden viele Bürger aus Dabringhausen und Dhünn den Weg ins zentrale Bürgerbüro nutzen, um andere Erledigungen in der Stadt zu machen. „Wir wissen es nicht“, sagt Görnert, „aber wir werden die Situation weiter beobachten.“ Denn es sei der Stadt wichtig, Service dort anzubieten, wo er gebraucht und gewollt sei. Deswegen sei auch kein Kunde weggeschickt worden, der spontan am mobilen Bürgerbüro vorbeigekommen sei.

Es habe auch Tage gegeben, da hätten Mitarbeiter den neuen Pass einfach beim Bürger vorbeigebacht, weil der den abgemachten Termin im Gemeindehaus nicht in Anspruch genommen habe. Neuerdings würden auch gelbe Säcke ausgegeben. „Wir denken nun darüber nach, ob wir vielleicht mit dem Seniorenpark Carpe diem zusammenarbeiten können“, sagt Görnert, „dort könnte der mobile Bürgerservice regelmäßig Station machen.“ Für den EDV-Koffer und den Kleinbus gebe es in der Stadtverwaltung aber auch andere Verwendung. Noch sei das mobile Bürgerbüro aber nicht abgeschrieben, betont der Erste Beigeordnete und ergänzt: „Wir geben dem Ganzen noch ein bisschen Zeit.“

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