Wermelskirchen: Kinder lauschen den Kirchenglocken der Stadtkirche

Familien-Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche: „Glocken waren der Messenger-Service“

In einem Familiengottesdienst brachten Pfarrer Volker Lubinetzki und Erzieherinnen die Bedeutung des Glockengeläuts näher.

„Schhhh, seid doch alle mal ganz leise! Hört ihr das? – Das sind die Glocken“, sagt Pfarrer Volker Lubinetzki und die ganze Gemeinde lauscht gespannt, während draußen die letzten Töne der Glocken erklingen, die den Beginn des Gottesdienstes einläuten. Genauso sollte es sein, denn „Unsere Glocken erzählen“ lautete das Thema des sonntäglichen Gottesdienstes in der evangelischen Stadtkirche. Dabei sollte sich alles um die vier Glocken im Turm des alten Gemäuers drehen, die eine lange Tradition haben. Da der Gottesdienst gemeinsam mit den evangelischen Kindergärten gestaltet wurde, bemühten sich Pfarrer und Erzieher, die viele Informationen auch für die Jüngsten verständlich zu machen.

Die Glocken stellten sich deshalb als Figuren in einem kleinen Handpuppenspiel der Erzieherinnen den Kindern vor und erzählten, wer von ihnen welche Aufgabe zu erledigen habe. Denn sie läuten schließlich nicht irgendwann, sondern folgen einer Glockenordnung. Und jede von ihnen hat einen eigenen Charakter.

Vier Glocken sind es: Eine große, rund sechs Tonnen schwere Glocke, die einen besonders tiefen Klang erzeugt und bei Beerdigungen läutet, zwei etwas kleinere, die bei Taufen oder Hochzeiten, während des gemeinsamen Gebets und  immer zur Viertelstunde erklingen.

Und zu guter Letzt: „Katrinchen“, die kleinste der Glocken, die zu jeder vollen Stunde die Uhrzeit schlägt. In früheren Zeiten läutete diese Glocke sogar nachts, doch das ist aus Gründen der Nachtruhe lange nicht mehr der Fall. Tatsächlich spielten die Glocken damals eine größere Rolle im Leben der Menschen, als heute. „Früher waren die Glocken so etwas wie der Messenger-Service der Stadt“, scherzte der Pfarrer. „Man hatte keine Armbanduhren, die die Zeit anzeigten und bei wichtigen Ereignissen wusste jeder Bescheid, weil die Glocken es meldeten“.

Von den Glocken in der Stadtkirche stammt nur Katrinchen aus der Zeit der Erbauung um das Jahr 1180. Sie befindet sich auch als einzige nicht im Glockenstuhl „Das ist kein richtiger Stuhl“, erklärte Lubinetzki und gab in Form einer Diashow eine kurze Führung durch den Glockenturm, wo in 25 Metern Höhe die anderen drei Glocken hängen. Diese gehören dem bereits dritten Glockensatz an, der 1973 ausgetauscht wurde. Hierzu musste extra ein Teil der Mauer unterhalb des Zwiebelturms entfernt und neu gebaut werden.

Die alten Glocken sind heute noch teilweise auf dem Rasen um die Kirche zu sehen. Mit viel Witz verriet Lubinetzki den Kindern somit das Geheimnis der Glocken und offenbarte auch die ein oder andere Neuigkeit für die Erwachsenen. Nach einigen Liedern des Kinderchors und vielen Informationen endete der Gottesdienst bei glockenähnlichem Orgelspiel und mit glockenförmigen Keksen. Wenn das nächste Mal die Glocken über Wermelskirchen läuten, wissen zumindest die Kindergartenkinder genau, was sie zu erzählen haben.

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