Wegberg: Gesamtschuldiskussion neu entfacht

Wegberg : Gesamtschuldiskussion neu entfacht

Mit einem Antrag zu einer Elternbefragung hat die Fraktion "Die Linke" im Rat der Stadt Wegberg die Diskussion über die mögliche Einrichtung einer Gesamtschule neu angestoßen. Im Wegberger Rathaus wurde hitzig diskutiert.

Vorweg: Die Mitglieder des Wegberger Ausschusses für Bildung, Integration und Soziales lehnten den Antrag der Linken, der eine Elternbefragung zum Gesamtschulbedarf in Wegberg zum Ziel hat, mit großer Mehrheit ab. Dennoch ergab sich im Wegberger Rathaus eine leidenschaftliche politische Diskussion, die das Für und Wider zu den Themen Gesamtschule, dreigliedriges Schulsystem und G8/G9 abbildete.

Gleichlautende Anträge, die ebenfalls eine Elternbefragung zum Gesamtschulbedarf zum Ziel hatten, wurden in Wegberg bereits in den Jahren 2007 von der SPD sowie 2010, 2013 und 2015 von den Freien Wählern gestellt und allesamt abgelehnt. In Wegberg wird statt dessen das bestehende dreigliedrige Schulsystem mit dem Maximilian-Kolbe-Gymnasium, der Edith-Stein-Realschule und der Schule am Grenzlandring (Hauptschule im Schulzentrum an der Maaseiker Straße) gefördert. Nicht nur in der Mühlenstadt, auch im Erkelenzer Rathaus flammt das Thema Gesamtschule immer mal wieder auf. In den vergangenen Jahren war in den politischen Gremien beider Städte auch schon mal über eine Verbundschule für Erkelenz und Wegberg diskutiert worden.

"Die Linke" in Wegberg begründet ihren neuerlichen Antrag nun damit, dass aufgrund der alternden Gesellschaft offenkundig sei, dass mit rückläufigen Schülerzahlen für die weiterführenden Schulen zu rechnen sei. Es sei festzustellen, dass es im Kreis Heinsberg eine starke Nachfrage für die Gesamtschule gebe, die alle Abschlüsse und das Abitur nach 13 Jahren (G9) anbiete. Darum sieht "Die Linke" eine Elternbefragung als sinnvoll an. "Seit jeher fordere ich vehement, dass die Wünsche und das Mitspracherecht der Eltern in Fragen der Schulpolitik endlich in ausreichendem Maße Berücksichtigung finden", sagte Annette Dahmen-Langela (Die Linke) Sie kritisiert die ablehnende Haltung der Wegberger Stadtverwaltung: "Ihre Argumentation beschreibt richtigerweise, dass die demografische Entwicklung keinen Einfluss auf die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs am Gymnasium habe, vergessen im zweiten Schritt jedoch zu erwähnen, dass gerade die anderen beiden Schulformen massiv unter den sinkenden Schülerzahlen zu leiden haben - auch weil sich eine Zwei-Klassengesellschaft manifestiert, wenn fast 50 Prozent der Kinder mittlerweile am Gymnasium angemeldet werden." Unterstützung bekommt "Die Linke" in ihrem Ansinnen von den Freien Wählern Wegberg. "Bei den jährlichen Anmeldungsterminen der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg trifft man jedes Mal halb Wegberg", erklärte Michaela Esser. Sie war die einzige, die den Antrag der Linken unterstützte, alle anderen Fraktionen stimmten dagegen.

Die Fraktionen von CDU und SPD nahmen den Antrag der Linken zum Anlass, ihr Bekenntnis zum dreigliedrigen Schulsystem am Standort Wegberg zu erneuern. Und die Erste Beigeordnete Christine Karneth sagte, für den hypothetischen Fall, dass in Wegberg eine Gesamtschule eingerichtet würde, "wäre dies zugleich der Tod für alle drei bestehenden weiterführenden Schulen im Wegberger Schulzentrum". Die gesetzlichen Anforderungen für eine Gesamtschule seien immens hoch. So sei beispielsweise zwingend vorgeschrieben, dass eine Gesamtschule bis zur zehnten Jahrgangsstufe mindestens vierzügig zu führen sei. "Sie brauchen also mindestens 1000 Schüler und die Oberstufe käme noch obendrauf", rechnete Christine Karneth im Ausschuss für Bildung, Integration und Soziales vor und wies zugleich darauf hin, dass das Maximilian-Kolbe-Gymnasium zurzeit etwa 700 Schüler habe.

(hec)