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Konzert von Coby Grant in Wassenberg-Effeld​: Jubel, Trubel, Heiserkeit​

Konzert von Coby Grant in Wassenberg : Jubel, Trubel, Heiserkeit

Auch mit angeschlagener Stimme schaffte es die australische Sängerin Coby Grant, ihr Publikum in Effeld in den Bann zu ziehen. Es war der einzige Auftritt in Deutschland in diesem Jahr. Eine Tour ist für 2024 geplant.

„Es tut mir so leid“ – eine spürbar bedrückte Coby Grant begrüßte mit leicht heiserer Stimme die rund 350 Musikfans im Effelder Bürgersaal zu Beginn ihres ersten und in diesem Jahr einzigen Konzerts nach der Pandemie in Deutschland.

Am Nachmittag nach dem Soundcheck hatte die Australierin gespürt, dass sie sich wohl eine Erkältung eingefangen hatte. Damit entfielen etliche ihrer Songs, die stimmliche Höhenlagen erfordern. Sie hoffe nun auf die Wirkung von Aspirin complex, gepaart mit viel Adrenalin und Verständnis des Publikums, das hoffentlich gleich nicht meine, Bob Dylan stünde auf der Bühne.

Dies zeigte: Humor und Selbstironie hatten die Singer-Songwriterin noch nicht verlassen, die hierzulande 2018 als Halbfinalistin bei der Castingshow „The Voice of Germany“ einem breiteren Publikum bekannt wurde. Fans der Sängerin sogar aus Limburg und Nürnberg begrüßte Wassenbergs Kulturmanager Jürgen Laaser im Publikum.

Alle vier prominenten Voice-Juroren hatten damals bei den Blind Auditions für die ausdrucksstarke Songpoetin mit der Gitarre gebuzzert und sich geradezu um sie gerissen. Coby wählte mit dem Team „Fanta 4“ (Smudo/Michi Beck) das größtmögliche Kontrastprogramm zu ihrem eigenen Stil. Der freilich auch vielfältige Facetten kennt, vor allem aber durch eigene Songs charakterisiert ist, die sehr persönliche Erfahrungen und Stimmungslagen zum Ausdruck bringen und dabei viele Menschen berühren, die ähnliche Gefühle kennen. Und das gelang der 36 Jahre alten Künstlerin auch mit dezent rauchigem Timbre an diesem Abend, was tosender Beifall zwischen den Beiträgen und Jubel am Ende des Konzerts bewiesen.

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Allerdings stand der Sängerin mit ihrem Landsmann und Wahl-Düsseldorfer Jaimi Faulkner, der die erste Stunde des Programms mit überwiegend eigenen Songs allein bestritten hatte, auch ein kongenialer Gesangspartner und exzellenter Gitarrist zur Seite. Gegen Ende lud Coby zudem noch ihre Voice-Teamkollegin Mascha Winkels aus Köln mit auf die Bühne ein, die sich als „Frau Winzig“ einen Namen in der Singer/Songwriter-Szene gemacht hat und in Effeld auch einen eigenen Song zur Gitarre präsentierte.

John Denvers Folk-Klassiker „Country Roads“ zum Mitsingen für alle bot Coby Grant zu Beginn die geeignete Möglichkeit zum vorsichtigen Stimm-Warmup für ihr dann folgendes poetisches Lob familiärer Bande in „Brothers“. Im Video dazu sieht man neben den Eltern Cobys heute in Schweden lebende Brüder, die die Sängerin nach der langen Corona-Trennung vor ihrem Trip nach Wassenberg dort auch besucht hatte. Da Coby ihre Songs immer mit persönlichen Geschichten verbindet, durften ihre Pandemie-Erfahrungen nicht fehlen. Der Schmerz über abgesagte Auftritte kam dabei ebenso zur Sprache wie der zweijährige „Dauerurlaub“ in der Heimat, zu dem die vorher länger in Berlin lebende Sängerin aufgrund der Pandemie-Abschottung Australiens gezwungen wurde. Umso mehr genieße sie jetzt das Wiedersehen mit den Freunden in Deutschland. Auch ihr angefangenes Medizinstudium erwähnt die Musikerin, die mit 19 Jahren die Musik noch als ihr Hobby ansah, um aber bald „das größte Abenteuer“ zum Beruf zu machen.

Liebe und Beziehungen in ihren vielfältigen Schattierungen prägen fast alle Songs der Künstlerin, die darin auch von Menschen erzählt, deren Schicksale sie zu Liedern inspirierten, wie im emotionalen Song „Winter Bear“ um ein tot geborenes Kind, dem vier Millionen Internet-Aufrufe folgten. Cobys einziger deutscher Song „Ich steh auf dich“, in Effeld augenzwinkernd im Dialog mit Jaimi Faulkner dargeboten, setzt dagegen einen humorvollen Akzent. Freunde der Musikerin bekommen auch ohne „höchste Töne“ genug Lieblingssongs zu hören: „All these Years“, „Solid Ground“, „Home“ und „Slow Dance“ als Zugabe unter rhythmischem Klatschen des Publikums gehören dazu.

Für 2024 plant Coby Grant nach eigenen Worten wieder eine Tour, hoffentlich auch mit Station in Wassenberg, wo sie sich 2019 erstmals mit einem Hutkonzert im Bergfried vorgestellt hatte. Und Jaimi Faulkner hat Jürgen Laaser, wie er auf der Bühne verkündete, kurzerhand schon mal fürs Wassenberger Konzertprogramm im nächsten Jahr vorgemerkt.