Ein Termin jagte den nächsten

Jochen Wollmert hat sich im Wohnzimmer von Chaoqun Ye den Traum vom zweiten Einzel-Gold bei Paralympics erfüllt. Vor 6000 Zuschauern, die im hart umkämpften Finale der Schadensklasse 7 manchmal bis an die Grenze der Fairness gegangen sind, setzte sich der Tischtennis-Spieler des Behinderten-Sport Solingen im Duell der Führenden der Weltrangliste in vier Sätzen durch (11:3, 12:10, 10:12, 11:9). Als Jochen Wollmert nach dem verwandelten Matchball den Schläger in die Zuschauer-Ränge fliegen ließ, war am fünften Wettkampftag das erste Gold für einen deutschen Mann gesichert.

Die Atmosphäre in der täglich fast bis auf den letzten Platz gefüllten Pekinger Universitätshalle hatte den 43-Jährigen, der mit Versteifungen der Hand- und Fußgelenke gehandicapt ist, bereits bei seinen ersten Auftritten beeindruckt. „So etwas erlebt man als Tischtennis-Spieler, schon gar nicht im Behinderten-Sport, normalerweise nicht.“ Sensationell fand Jochen Wollmert aber auch die Glückwünsche aus der Heimat, die nach seinem Triumph nicht lange auf sich warten ließen. „Faszinierend, wie viele Leute um welche Uhrzeit schon eine SMS geschickt oder angerufen haben.“ Bereits um 5.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit hatte Jochen Wollmert sein Finale bestritten. Mit am meisten gefreut hat sich der Wuppertaler über die Gratulation von Solingens Oberbürgermeister Franz Haug, der den Paralympics-Sieger persönlich auf dem Handy erreichte. „Auch wenn ich nicht weiß, wie er an meine Telefonnummer gekommen ist.“

Zeit, den Erfolg zu realisieren, hatte Jochen Wollmert kaum. Doping-Kontrolle, Pressekonferenz, Anfeuern des Mannschaftskollegen Daniel Arnold, Interview vor laufenden Kameras der ARD – ein Termin jagte den nächsten. Heute wird Jochen Wollmert einen freien Tag genießen, indem er die Wettkämpfe anderer Sportarten besuchen wird, bevor er am Samstag mit der Deutschen Mannschaft eine weitere Medaille anvisiert.

(RP)