Tennis : Tennis-Bundesliga für 2020 abgesagt

Deutscher Tennisbund und sieben von zehn Vereinen sprechen sich dafür aus, die Bundesliga-Saison 2020 ersatzlos zu streichen.

Neuss Es ist eine Entscheidung von historischem Ausmaß: Erstmals seit 55 Jahren wird es 2020 keinen Deutschen Tennis-Mannschaftsmeister der Herren geben. Der Deutsche Tennis-Bund 8DTB) und die Vereine der Tennis-Bundesliga einigten sich darauf, die ab dem 5. Juli geplante Saison der 1. und 2. Tennis-Bundesliga abzusagen. Betroffen ist auch der TC Blau-Weiss Neuss, der nach dem direkten Wiederaufstieg  seine 39. Spielzeit im Oberhaus bestritten hätte und mit zehn Titelgewinnen immer noch Bundesliga-Rekordmeister ist.

Seit 1965 wird in jedem Jahr der Deutsche Tennis-mannschaftsmeister ermittelt (zuvor bereits in den Jahren 1921 bis 1926), seit 1972 in den Spielen der Tennis-Bundesliga. 2020 wird eine Lücke in der vom LTTC Rot-Weiß Berlin mit 13 Titeln vor dem TC Blau-Weiss Neuss (10) und dem aktuellen Meister TK Grün-Weiss Mannheim (7) angeführten Liste der Titelträger klaffen. „Die Entscheidung, sämtliche Spiele der ersten und zweiten Tennis-Bundesliga abzusagen, ist uns nicht leicht gefallen. Wir haben dies in enger Abstimmung mit allen betroffenen vereinen entschieden und sind letztlich zu dem Schluss gekommen, dass die Gesundheit aller Beteiligten und die weitere Eindämmung einer Ausbreitung des Covid-19-Erregers derzeit oberste Priorität haben,“ sagt DTB-Präsident Ulrich Klaus.

Marius Zay begrüßt diese Entscheidung nicht nur. Der Teamchef des TC Blau-Weiss Neuss hat in der dem Beschluss voraufgegangenen Videokonferenz der Bundesligisten auch für die Absage gestimmt. Sieben von zehn Vereinen seien dafür gewesen, drei hätten zum jetzigen Zeitpunkt für eine Austragung der zwischen 5. Juli und 16. August geplanten Meisterschaftsspiele votiert. „Letztlich“, sagt Zay, „haben wir jetzt wenigstens Planungssicherheit.“ Das sei allemal besser als erst wenige Wochen vor dem Saisonstart eine Entscheidung zu treffen. Und da die ATP alle Turniere bis zum 13. Juli abgesetzt habe, wäre es ohnehin schwierig geworden, die Profis am 5. Juli auf die Asche zu bringen.

„Die Spieler hängen doch alle in der Luft, keiner weiß, ob er in diesem Jahr überhaupt noch ein Turnier bestreiten kann,“ hat der Neusser Teamchef aus zahlreichen Telefonaten mit Tennisprofis egal welcher Nationalität erfahren. Als Beispiel nennt er seinen Routinier Frederik Nielsen. Als Kaderathlet habe der 36 Jahre alte Däne, der 2012 zusammen mit dem Briten Jonathan Marray das Doppelfinale in Wimbledon gewann und im Neusser Aufgebot seit Jahren so etwas wie die Rolle des Teamkapitäns einnimmt, zwar eine Sondergenehmigung zum Training. „Aber er geht trotzdem höchstens zwei Mal pro Woche auf den Platz, weil er sagt, ohne konkretes Ziel falle es ihm schwer, sich zu motivieren,“ sagt Zay – eine Erkenntnis, die Nielsen mit vielen Spitzensportlern in diesen Tagen teilt.

Unter diesen Voraussetzungen auf eine ordnungsgemäße Bundesliga-Saison zu hoffen, sei unrealistisch, meint der Neusser Teamchef. Um so mehr, als unter den momentanen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kein Verein wisse, „ob er mit dem für dieses Jahr geplanten Budget überhaupt kalkulieren könne,“ sagt Zay: „Wir bei Blau-Weiss leben ja in erster Linie von unseren vielen Kleinsponsoren, und gerade die sind es ja, die durch die Corona-Krise in Bedrängnis geraten.“ Er habe, sagt der 37-Jährige, der mit seiner Tennisschule „Tennis – Ewige Liebe“ selbst unternehmerisch tätig ist, „volles Verständnis, wenn ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken muss,  seinen Sponsorenverpflichtungen nicht oder nicht in vollem Ausmaße“ nachkomme.

Abgesagt ist nicht nur der Kampf um den Meistertitel, ohne Spiele wird es auch keinen Auf- oder Abstieg geben. Heißt: Die zehn Bundesliga-Klubs der Saison 2020 sind auch im kommenden Jahr erstklassig. „Ich bin gespannt, ob alle die Zwangspause überleben und 2021 wieder ein Team melden,“ sagt Marius Zay. Für den Bundesliga-Rekordmeister geht er, Stand heute, davon aus, dass das Fall sein wird: „Aber momentan ändert sich die Lage ja von Tag zu Tag.“