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Tennis: Dem Gladbacher HTC hätte mit der Bundesliga-Absage lieber gewartet

Tennis-Bundesliga abgesagt : Der GHTC hätte lieber noch abgewartet

Die Tennis-Bundesliga ist wegen der Corona-Krise abgesagt. Zu früh, wie Henrik Schmidt vom Gladbacher HTC findet. Er hatte sein Team zusammen, das Programmheft ist schon im Druck. Möglich, dass die Spieler zu Show-Spielen kommen, wenn es die Corona-Situation wieder zulässt.

Nachdem die traditionsreichen NRW Junior Open der TG Rot-Weiß Anfang der Woche abgesagt worden sind, hat es nun auch die Tennis-Bundesliga getroffen: Der Deutsche Tennis-Bund hat am Donnerstagnachmittag auf seiner Internetseite mitgeteilt, dass die Saison 2020 ausfällt. Betroffen sind auch die Tennis-Fans in Mönchengladbach – und dem Gladbacher HTC wurden sogar Chancen eingeräumt, zum zweiten Mal nach 2016 den Titel zu holen.

„Wir sind natürlich sehr enttäuscht über die Absage, da wir nun seit sieben Monaten an der Organisation der Bundesliga arbeiten. Aber die Gesundheit jedes Einzelnen und die Betrachtung unseres Gesundheitssystems im Ganzen ist sicherlich wichtiger als die Tennis-Bundesliga“, sagte GHTC-Macher Henrik Schmidt unserer Redaktion.

Die Saison hätte am 5. Juli begonnen und wäre bis zum 16. August gelaufen. Schmidt kann nicht ganz nachvollziehen, warum die Absage so zeitig kam. „Meine persönliche Meinung ist, dass es auch gereicht hätte, diese Entscheidung bis Anfang Mai offen zu lassen, um die Entwicklung der nächsten Wochen noch abzuwarten. Die Mehrheit der Bundesligavereine hat sich aber für eine sofortige Absage ausgesprochen“, sagte Schmidt.

„Es gab diverse Sorgen in den Vereinen. Teilweise hatten sich schon Sponsoren zurückgezogen, so dass die Etats nicht mehr gesichert waren“, sagte Schmidt. Der GHTC sei selbst breit aufgestellt mit vielen kleineren Sponsoren, „das ist in so einer Situation natürlich hilfreich“, sagte Schmidt.

Geisterspiele waren keine Option, „das macht keinen Sinn“, sagt Schmidt. Die Fußball-Bundesliga würde mit Spielen ohne Zuschauer die Millionen aus den TV-Verträgen sichern, im Tennis sind die Zuschauer-Einnahmen wichtige Bausteine der Bundesliga-Etats. Zwischen 20.000 und 70.000 Euro kommen in einer Saison zusammen, der GHTC liegt etwa im mittleren Bereich.

Das Magazin zur Saison war auch schon fertig, vergangene Woche ging es in den Druck. „Auch da stecken fünf Monate Arbeit unseres Redaktions-Teams drin. Aber einige der Sponsoren, die Anzeigen in dem Heft platziert haben, haben uns signalisiert, dass sie die Seiten dennoch zahlen. Das hilft uns sehr“, sagte Schmidt.

Schmidt hatte ein sehr wettbewerbsfähiges Team“ beisammen. Philipp Kohlschreiber, der 2016 als Spitzenspieler zum bislang letzten deutschen Meistertitel eines Niederrhein-Teams beigetragen hatte, war zwar nicht mehr dabei. Er wechselte zum TC Großhesselohe. Seinen Platz als Nummer 1 beim GHTC sollte Christian Garin (18 der ATP-Rangliste) übernommen, der Zugang aus Krefeld, vor Albert Ramos-Vinolas (ATP 41). Mit Jiri Vesely (65) und Andrej Martin (96) sind zwei weitere Spieler aus den Top 100 der Weltrangliste dabei. Zudem hatte Schmidt den Ukrainer Sergiy Stakhovski (169), den Rumänen und Ex-Neusser Marius Balazs, Copil (187), Mario Villela Martinez (Spanien, 188) und den Heimkehrer: Daniel Altmaier (219) geholt. Letzterer, 21 Jahre alt und gebürtiger Kempener, war schon als 15-jähriger Bundesliga-Debütant beim GHTC.

Die Mannschaft wird vermutlich so nie zusammenspielen. „Die Verträge sind für diese Saison geschlossen und die wird es nicht geben. Ich denke zwar, dass viele der Spieler auch im nächsten Jahr dabei sein werden, aber wir müssen im einzelnen schauen“, sagte Schmidt. Für viele Spieler, gerade die, die nicht zur Top 100 gehören, ist die Absage „eine Katastrophe“. „Sie finanzieren ihre Turnierreisen mit den Bundesligaspielen, nun fallen diese Einnahmen weg“, weiß Schmidt.

Einige Spieler haben ihm signalisiert, dass sie alternativ und wenn es die Corona-Situation wieder zulässt, zu Show-Spielen nach Gladbach kommen würden. Generell geht Schmidt davon aus, dass Einzelsportarten wie Tennis vergleichsweise schnell wieder gespielt werden können. „In Tschechien sind die Plätze für Freizeitspiele wieder offen“, weiß er. Der Bundesliga nutzt das nicht mehr, sie wird definitiv nicht stattfinden im Jahr 2020.