Interview mit Hockey-Trainer Matthias Gräber : „Ist fast wie im Film ‘Und täglich grüßt das Murmeltier’“

Die Corona-Krise lässt auch den NGZ-Sportler des Monats Januar nicht unbeeindruckt.

Endlich mal genug Muße für ausgiebige Spaziergänge mit Australian-Shepherd-Hündin Nola, viel Zeit, hartnäckig aufgeschobene Büroarbeit zu erledigen, doch Matthias Gräber war schon besser drauf. Der NGZ-Sportler des Monats Januar und Trainer des Hockey-Zweitligisten HTC SW Neuss will nur eins: endlich zurück auf den Platz.

Herr Gräber, die wichtigste Frage zuerst: Sind alle gesund bei Schwarz-Weiß?

Matthias Gräber Ich klopfe auf Holz, noch ist bei uns niemand in der Mannschaft vom Corona-Virus befallen.

Aber die Stimmung könnte trotzdem besser sein, oder?

Gräber Es ist wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, jeder Tag ist irgendwie gleich: Morgens löschst du die Termine in deinem Orga-Plan, checkst die Lauf-Apps und die Kraftpläne der Spieler, denkst dir kleine Tagesaufgaben für die Kinder aus – aber was halt fehlt, ist die kleine weiße Kugel auf dem grünen Kunstrasen.

Wie zieht die Mannschaft denn mit?

Gräber Jeder hat einen individuellen Plan bekommen. Und im Moment sind die Jungs noch heiß, obwohl niemand weiß, wofür er eigentlich trainiert. Und das ist super schade, denn wir waren sehr gut drauf. Wir sind Anfang Februar in die Vorbereitung auf die Rückrunde eingestiegen, haben erstmal fünf Wochen Athletik gemacht. Die Jungs haben sich total gefreut, dass es danach auf den Platz ging und du hast gemerkt, da steckt richtig was drin. Leider war nach nur vier Einheiten am Schläger Schluss, ist der Klub geschlossen.

Glauben Sie denn tatsächlich noch daran, dass die Saison Anfang Mai fortgesetzt werden kann?

Gräber Wir tun einfach so, als wäre das der Fall. Wir bereiten uns darauf vor, wollen fit sein, wenn es wieder losgehen sollte. Und mal ehrlich: Natürlich ist uns bewusst, dass es im Moment ganz andere Probleme gibt, dass der Sport sich hintenanstellen muss. Aber wenn die Schulen wieder aufmachen, sehe ich keinen Grund, warum es im Hockey nicht weitergehen könnte. Es ist ja nicht so, als kämen dann Massen von Zuschauern auf die Anlage.

Das Thema Kurzarbeit hat auch den Sport erreicht. Selbst der THW Kiel hat in der Handball-Bundesliga Kurzarbeitergeld für seine Spieler, Trainer und Mitarbeiter beantragt. Sie verdienen als Hockey-Trainer ihren Lebensunterhalt, sind im Klub hauptamtlich angestellt. Wie gehen Sie damit um?

Gräber Ich bin ja eher grüblerisch veranlagt. Und selbstverständlich macht man sich da Sorgen um die Zukunft. Man weiß halt nicht, wie lange diese Krise dauert. Das ist schon belastend.

Noch ein kurzer Ausblick in die sportliche Zukunft. Was könnte man von der Mannschaft erwarten?

Gräber Wir haben uns im Winter gut mit jungen Leuten verstärkt – das wäre schon eine interessante Rückrunde geworden.