LSW-Spezialsport : Steinstoßer lassen Weltrekorde purzeln

Bei Europameisterschaften im Norfer Von-Waldthausen-Stadion stellten Spezialsportler sieben Weltbestleistungen auf.

Schon mal einen 50 Kilogramm schweren Brocken in die Luft gestemmt? Thomas Schmitt, 2015 mit 21,35 Meter hinter dem Neuseeländer Tom Walsh (21,37) mal die Nummer zwei der Kugelstoß-Weltrangliste, hat. Bei den vom TSV Norf ausgerichteten Europameisterschaften der Steinstoßer sicherte sich der Leichtathlet des SSC Vellmar in der Altersklasse M20 mit der neuen Weltrekordweite von 105,06 Meter den Titel im Achtkampf – und war dennoch nicht die große Nummer im Von-Waldthausen-Stadion.

Schließlich gibt es da noch Jungs wie Thomas Blech: Der 45-Jährige stellte in Norf als vierfacher Europameister der Altersklasse M45 Weltrekorde sowohl im Acht- (94,94 Meter) und Zehnkampf (86,81 Meter) als auch mit der Mannschaft des TV Krombach auf. Was er und seine Kameraden so drauf haben, bekam der den Steinstoßern wohlgesonnene Bürgermeister Reiner Breuer im Anschluss an die Siegerehrung zu sehen. Die beiden Topathleten der Veranstaltung traten nämlich in einem Showkampf gegeneinander an: Thomas Schmitt, 2,02 Meter groß und fast drei Zentner schwer, legte vor, stieß den Drei-Kilogramm-Stein 22 Meter weit. Thomas Blech, im Vergleich dazu mit 90 Kilogramm ein Leichtgewicht, konterte, sein Stein schlug ebenfalls genau bei 22 Metern ein. Danach ging es in die Vollen: Cheforganisator Dieter Wolf (81) stellte mit einem 30 Kilogramm schweren Findling seinen „schönsten Stein“ zur Verfügung. Den wuchtete Schmitt immer noch sechs Meter weit – und das mit einer Hand. Blech schaffte „nur“ fünf Meter, was ihm freilich auch deshalb ziemlich schnuppe war, weil er zuvor die Trophäe für den  „Besten Athleten“ dieser Europameisterschaften bekommen hatte.

Die der Familie der LSW-Spezialsportler (Laufen, Springen, Werfen) angehörenden Steinstoßer ließen es an den beiden Wettkampftagen richtig krachen. Zwar registrierte Dieter Wolf leicht angefressen, dass von den eh nur 30 angemeldeten Athleten auch noch fünf zu Hause blieben, doch die Leistungen an den drei bis 50 Kilogramm schweren Sportgeräten genügten höchsten Ansprüchen. Insgesamt fielen sieben Weltbestmarken. So triumphierten in der Altersklasse M30 mit 209,99 Meter im Schwingklub Wartau aus der Schweiz der einzige internationale Gast. Außerdem, verriet Wolf, brachten die Eidgenossen „Stimmung in den Laden.“ Und er fügte schmunzelnd an: „Ich wusste gar nicht, dass die so was können.“

Obwohl stark mit der Organisation befasst, dominierten die Athleten des TSV Bayer Dormagen die Altersklasse M80. Sowohl im Acht- als auch im Zehnkampf belegten Dieter Wolf, Heinz Georg Schmitz und Karl-Heinz Buß die drei ersten Plätze. „Dabei“, so Wolf“, blieb manchmal gar keine Zeit, sich vernünftig aufzuwärmen.“ Trotzdem bereute er die Entscheidung, die EM nach Norf zu holen, keine Sekunde. „Es war einfach toll. Und alles ist einwandfrei gelaufen.“

Mehr von RP ONLINE