1. Europameisterschaften der Steinstoßer in Norf

LSW-Spezialsport : Norf kürt Europas besten Steinstoßer

Im Von-Waldthausen-Stadion steigt am Wochenende eine Premiere: Zum ersten Mal geht es um die EM-Titel der LSW-Spezialsportler im Acht- und Zehnkampf (mit DM-Wertung). Ausrichter ist der TSV Norf.

Nein, Angst vor der Premiere oder gar der eigenen Courage hat Dieter Wolf nicht. Mit seinem kleinen, aber äußerst fähigen Helferteam hat 81-Jährige im Vorfeld der ersten Europameisterschaften der Steinstoßer im Acht- und Zehnkampf alles im Griff. Wenn am Samstag um 10 Uhr der erste der bis zu 50 Kilogramm schweren Brocken fliegt, sind die drei Wettkampfanlagen im Norfer Von-Waldthausen-Stadion parat.

Und trotzdem hatte der Leichtathlet des TSV Bayer Dormagen, dem in seiner Altersklasse seit Jahren weltweit keiner das Wasser reichen kann, schon bessere Laune. Gar nicht einverstanden ist er nämlich mit der Resonanz: „30 Teilnehmer – das ist schon ein wenig enttäuschend“, findet er. „Das sind ja nur zwei mehr als wir hier im vergangenen Jahr bei den Deutschen Meisterschaften hatten.“ Vor allem die internationale Konkurrenz zeigt der EM die kalte Schulter: Der Schwingclub Wartau aus der Schweiz, der 2017 sein 50-jähriges Bestehen feierte, hat sich mit vier Athleten angesagt, der SC Innsbruck  aus dem österreichischen Tirol ist mit einem Starter vertreten. Das war’s. Im Stich gelassen fühlt sich Dieter Wolf vor allem von den Kollegen aus Polen und Ungarn, deren Wettkämpfe er und seine Mitstreiter regelmäßig besuchen. „Das liegt vielleicht daran, dass der Zehnkampf vor allem eine deutsche Domäne ist“, vermutet er.

Nicht unbedingt sexy scheint die sportliche Beschäftigung mit den unhandlichen Kaventsmännern auch für das „schwache Geschlecht“ zu sein, hat sich in W75-Weltrekordlerin Käte Scheikowski (LAV Bokel), die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Holger Knie (M70) anreist, doch nur eine Frau angemeldet. Zu allem Überfluss musste in Nico Beckers (Aachener TG) der „Topstar“ verletzt absagen. Der Zehnkämpfer, Jahrgang 1994,  hält seit 2017 (DM in Norf) mit 101,98 Meter die Bestmarke im LSW-Achtkampf. Dafür geht Thomas Blech (M40) an den Start: Der „Shooting Star“ des TV Krombach hat sich im Achtkampf binnen kürzester Zeit von 79,81 auf 94,56 Meter gesteigert. Er dürfte damit genauso konkurrenzlos sein wie Dieter Wolf, Karl-Heinz Buß (beide 81) und Heinz Georg Schmitz (alle TSV Bayer Dormagen), der mit 82 Jahren der älteste Teilnehmer der EM ist.

Da zusätzlich auch nationale Titel  vergeben werden, können deutsche Steinstoßer in Norf viermal Edelmetall holen, was den ausrichtenden TSV leicht in arge Verdrückung hätte bringen können. „Denn wir haben 96 Medaillen, das Stück zu drei Euro, zu verteilen“, sagt Wolf. Darum ist er heilfroh, dass sich die Stadt Neuss mit 750 Euro – plus die vom Bürgermeister gestifteten Pokale für die „Beste Frau“, den „Besten Mann“ und das „Beste Team“ – beteiligt. „Deshalb kommen wir mit unserem Budget ganz gut hin.“ Bedeutend weniger begeistert ihn das ehrenamltiche Engagement rund um die Veranstaltung. „Wir haben mit Mühe und Not zehn Helfer zusammenbekommen, dabei braucht man schon für jede der drei Anlagen drei Leute. Dass es nicht mehr geworden sind, stellt für mich eine weitere Enttäuschung dar.“

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