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Säbelfechter Max Hartung muss in häuslicher Quarantäne trainieren

Fechten : Training in der Quarantäne

Säbelfechter Max Hartung ist zwar nicht selbst erkrankt, darf im Moment die eigene Wohnung aber nicht verlassen.

Die gute Nachricht vorneweg: Max Hartung ist gesund. Trotzdem darf der Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen seine Wohnung in Köln im Moment nicht verlassen. Der Grund: Seine Freundin hatte Kontakt mit einem Corona-Infizierten.

Keine einfache Situation für den 30-Jährigen – gerade mal zwei Wochen, nachdem er und seine Teamkollegen die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen in Tokio gelöst hatten. Zu der Ungewissheit, ob die Spiele überhaupt stattfinden, zu den Problemen, mit denen sich fast alle Sportler angesichts von abgesagten Wettkämpfen und geschlossenen Trainingsstätten konfrontiert sehen, kommt für ihn die Frage hinzu: Wie halte ich mich fit, wenn ich meine Wohnung nicht verlassen darf?

Max Hartung hat eine Lösung gefunden: „Ich mache viel Yoga“, sagt der Zweite der Weltrangliste der Säbelfechter, der in Tokio auch im Einzelwettbewerb zu den Kandidaten auf eine olympische Medaille zählen würde. Dazu kommen Übungen auf dem Stabilisationstrainer, außerdem hat er sich in aller Eile einen Heimtrainer angeschafft. „Auf dem bin ich gerade eine halbe Stunde gefahren,“ sagt der WM-Dritte von 2015 und zweifache Europameister im Einzelwettbewerb, „ich muss mich ja erst eingewöhnen.“

Glück im Unglück: An ein Training auf der Fechtbahn ist im Moment ohnehin nicht zu denken, nachdem der TSV Bayer Dormagen am Samstag die gesamte Sportanlage am Höhenberg geschlossen hat. „Wir haben uns gerade Gedanken gemacht, wie wir trotzdem ein Training organisieren können,“ sagt Hartung – was zumindest für ihn jetzt erst einmal hinfällig geworden ist.

Für Benedikt „Peter“ Wagner ohnehin. Der 29-Jährige sei nach seiner Operation an der Patellasehne nicht nur wohlauf, sondern „überraschend gut gelaunt“, weiß Hartung zu berichten, „der Peter ist ein echtes Mentalmonster.“ Will heißen: Den Europameister von 2016 belaste die momentane Situation eher weniger als seine Teamkollegen, weil er ohnehin – und das im Wortsinne – außer Gefecht gesetzt ist.

„Mentalmonster“ haben es in – nicht nur sportlichen – Extremsituationen oft leichter. Max Hartung empfindet seine aktuelle Lage noch nicht als Belastung, sagt aber auch: „Irgendwann wird es blöd, wenn du deinen Sport nicht mehr ausüben kannst.“ Angst, in einer langen Zwangspause das Fechten zu verlernen, hat er keine: „Die Bewegungsabläufe hast du gespeichert. Aber mit jedem Tag, den du nicht auf der Planche stehst, steigt das Verletzungsrisiko, wenn es irgendwann wieder los geht.“

Davon, was das alles mit dem Kopf macht, ganz zu schweigen. „Durch meine Aufgaben als Athletensprecher werde ich ein Stück weit abgelenkt,“ sagt Hartung, der seit drei Jahren Vorsitzender der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Gründungspräsident des Vereins „Athleten Deutschland“ ist. Die durch den Trainingsausfall frei gewordene Zeit nutzt er jetzt zu einem regen Austausch mit anderen Athleten: „Wir überlegen gerade, wie man den Sportlern helfen kann, aber auch, wie wir Sportler anderen helfen können.“

Denn in Krisenzeiten, findet Hartung, sollten Sportler „ein Stück Vorbild“ sein: „Gerade wir sollten jetzt die aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts nicht nur verbreiten, sondern auch vorleben: Mit Abstandhalten oder Händewaschen schützen wir uns nicht nur selbst, wir sollten da auch für andere mit gutem Beispiel vorangehen. Schließlich sind wir Sportler ein Teil dieser Gesellschaft und nicht irgendetwas Besonderes.“

Wie lange der Ausnahmezustand anhält, weiß natürlich auch Max Hartung nicht. Aber er weiß, dass das Leben als Spitzensportler mit jedem Tag herausfordernder wird: „Wenn du nicht weißt, in welchem Zeitraum du trainierst, weißt du irgendwann auch nicht mehr, was und warum du noch trainieren sollst.“ Zumal dann, wenn sich das Training auf die eigenen vier Wände beschränken muss.