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Interview mit dem Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen

Handball : „Wir haben noch keine Liquiditätsprobleme“

Der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen über die aktuelle Lage beim Zweitligisten.

Herr Barthel, wie stellt sich die aktuelle Situation beim TSV Bayer Dormagen dar?

Björn Barthel Wie nicht anders zu erwarten: schwierig. Ich sehe im Moment mehr Fragezeichen als Antworten. Das wichtigste ist trotzdem, dass wir Ruhe bewahren. Die Aussetzung des Spielbetriebs schafft zwar eine Menge Probleme, aber sie gibt uns auch die nötige Zeit, um über Lösungen nachzudenken und Lösungen zu finden. Genauso wichtig finde ich, dass wir uns immer klar machen, dass andere gesellschaftliche Bereiche genauso oder noch viel härter von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind als wir. Der Sport ist nicht das wichtigste im Moment, aber er ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft.

Diese Aussage gilt in beiden Richtungen.

Barthel Genau so ist es. Nur wenn wir etwas für die Gesellschaft tun, können wir erwarten, dass uns die Gesellschaft hilft. Deshalb gab es für uns keine Diskussion, den Spiel- und Trainingsbetrieb auszusetzen, deshalb stellen sich unsere Spieler auch als ehrenamtliche Helfer zur Verfügung. In diesem Zusammenhang ist es schön zu sehen, dass wir aus vielen Gesprächen und schriftlichen Nachrichten erkennen, dass die Förderer und Fans des Dormagener Handballs die Situation richtig einschätzen und voll hinter uns stehen.“

Welche Hilfen erwarten Sie konkret?

Barthel Große Sportvereine, insbesondere solche mit Profi- oder halbprofessionellen Teams, sind mittelständische Unternehmen, die genau wie andere mittelständische Unternehmen Arbeitsplätze – nicht nur für die Aktiven – schaffen und Steuern zahlen. Deshalb sollten diese Vereine auch die gleichen Hilfen bekommen wie andere mittelständische Unternehmen, die unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir prüfen beispielsweise zurzeit, inwieweit Kurzarbeitergeld für unsere Spieler infrage kommt. Das sind alles sehr arbeitsintensive Dinge, weil wir uns bislang damit noch nie beschäftigen mussten.

Gehaltsverzicht dürfte bei einem Verein, der zu denen mit dem niedrigsten Etat der Zweiten Handball-Bundesliga gehört, schwer umzusetzen sein.

Barthel In der Tat fällt es einem Bundesliga-Fußballer leichter, auf einen Teil seines Gehalts zu verzichten als einem Zweitliga-Handballer. Aber ich kann nicht ausschließen, dass irgendwann ein Zeitpunkt kommt, an dem ich gezwungen bin, die Solidarität der Spieler einzufordern.

Wann könnte das sein?

Barthel Ich hoffe, dass es gar nicht so weit kommt. Um eines klar zu sagen: Wir haben keine Liquiditätsprobleme, und wir arbeiten daran, dass das auch so bleibt. Um die laufende Saison mache ich mir im Augenblick deshalb weniger Sorgen als um die kommende.

Warum?

Barthel Weil die wirtschaftlichen Berechnungen für eine Spielzeit immer auf den Daten der vorhergehenden basieren und wir ja noch nicht wissen, ob und wie die Saison zu Ende geführt wird. Und weil gerade jetzt die Zeit ist, in der man normalerweise mit den Sponsoren die Gespräche für die neue Saison führt. Aber das verbietet sich von selbst, weil ja auch Sponsoren betroffen sind und nicht wissen, wie es weitergeht.

Gibt es denn Signale von Sponsoren, sich unmittelbar oder mittelfristig aus der Förderung zurück zu ziehen?

Barthel Zum Glück nicht. Im Gegenteil, wir nehmen eine große Solidarität wahr. Aber ob das so bleibt, weiß keiner. Die wirtschaftliche Frage besitzt für mich deshalb oberste Priorität, viel mehr, als darüber zu spekulieren, wann wir den Spielbetrieb wieder aufnehmen können, unter welchen Rahmenbedingungen oder was das für Auf- und Abstieg bedeutet.