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Korschenbroich: Jugendamt sucht Tagesmütter

Korschenbroich : Jugendamt sucht Tagesmütter

Um 50 Prozent ist seit 2010 der Bedarf an Tagespflegeplätzen in Korschenbroich und Jüchen gestiegen. Jetzt verstärkt das Kreisjugendamt seine Öffentlichkeitsarbeit und versucht so, mehr Betreuer zu finden.

Mit Handzetteln und Plakaten wirbt das Jugendamt des Rhein-Kreises inzwischen um Mitarbeiter für die Tagespflege. Der Grund: Um knapp 50 Prozent ist der Bedarf an Tagespflegeplätzen in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. Das errechneten jetzt Jugendamtsleiter Norbert Dierselhuis und seine Mitarbeiter anhand der aktuellen Zahlen. Demnach sind 78 Korschenbroicher Kinder in 34 Tagespflegefamilien untergebracht.

Es gibt noch keinen Tagesvater

"Die klassischen Tageseinrichtungen können noch so flexibel geöffnet haben, die gestiegene Nachfrage können sie einfach nicht abdecken", sagt Dierselhuis. Die Arbeitswelt dränge Eltern immer stärker zu einer maßgeschneiderten Lösung. "Viele sind heutzutage im Schichtdienst tätig oder arbeiten im Einzelhandel bis 22 Uhr. Da hilft es kaum, wenn der Kindergarten bis 17 Uhr geöffnet hat."

Insbesondere für Vorschulkinder vermittelt das Kreisjugendamt Tagespflegeplätze – obwohl das Gesetz noch bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres die ergänzende Betreuung zulässt. Unter Kindertagespflege wird eine familienorientierte Erziehung verstanden, die ganztags, halbtags oder aber nur stundenweise erfolgt. Betreut werden die Kinder im Haushalt der Tagespflegeperson, der Eltern oder in anderen geeigneten Räumen.

Der Regelfall, so Dierselhuis, sei aber die Betreuung bei der Tagespflegeperson. "Bisher gibt es noch keinen einzigen Tagesvater. Die Mütter, die ihre Hilfe anbieten, haben sich meist zur Erziehung der eigenen Kinder eine Auszeit genommen." Oft übernähmen sie nicht nur ein, sondern zwei weitere Kinder zur Betreuung. Entscheidend sei, dass die Chemie stimmt. "Die Familien, die suchen, und die Tagesmütter müssen einander unbedingt vertrauen", betont der Jugendamt-Chef. "Deshalb führen wir im Vorfeld intensive Gespräche. Ideal ist es, wenn eine Tagesmutter ein Kind über längere Zeit begleitet."

Die Ausbildung zur Tagesmutter umfasst 160 Unterrichtsstunden. Geschult werden Bewerber unter anderem in ernährungswissenschaftlichen und pädagogischen Fragen. Zusätzlich lernen sie 15 Stunden die Grundlagen der Ersten Hilfe am Kleinkind. Nur wer beide Kurse erfolgreich absolviert, erhält die sogenannte Pflegeerlaubnis – und darf in der Tagespflege tätig werden. "Im Prinzip kann sich jeder bei uns bewerben, der volljährig ist", sagt Dierselhuis. "Voraussetzung ist aber mindestens ein Hauptschulabschluss. Zudem ist es wichtig, dass die Person Kinder liebt und Lebenserfahrung mitbringt. Herz und Verstand – über beides muss sie verfügen."

(NGZ/rl)