Fechten : Olympia schon fest im Blick

Sechs der acht Säbelfechter, die Deutschland ab Freitag bei den Europameisterschaften im italienischen Legnano vertreten werden, stellt der TSV Bayer Dormagen. Auf mehr Athleten kommt nur der FC Tauberbischofsheim (7).

Am 27. Juli werden in London die XXX. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Darauf ist alles ausgerichtet im Leben von Nicolas Limbach, Max Hartung und Benedikt Wagner, denn die Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen gehören zur deutschen Mannschaft für das größte Sportereignis der Welt. Doch am Wochenende sind sie genau wie ihre Vereinskollegen Matyas Szabo, Stefanie Kubissa und Anna Limbach erst einmal bei den Europameisterschaften in Legnano gefordert.

"Das große Ziel sind natürlich die Olympischen Spiele", gibt Dormagens Trainer Olaf Kawald zu, "da muss der Leistungshöhepunkt liegen". Doch zum Urlaubstrip soll der Aufenthalt in Italien für die drei TSV-Olympioniken nicht werden. In Legnano gibt es nämlich wertvolle Punkte für die Weltrangliste, was vor allem für den Mannschaftswettbewerb von größter Bedeutung ist.

Aktuell belegt das deutsche Team hinter Russland den zweiten Platz, dahinter folgen die ebenfalls für London qualifizierten Weißrussen, Italiener, Rumänen, Koreaner, Chinesen und US-Amerikaner. Zwar ist die Leistungsdichte derartig hoch, dass selbst Hinterbänkler wie China bereits ein Weltcup-Turnier als Sieger beenden konnten, doch als Zweiter der Setzliste würden Limbach & Co. bei Olympia erst spät in der K.o.-Runde auf die besonders starken Russen treffen.

Keine Frage, auch im Einzel peilt das ausschließlich mit Dormagenern bestückte Säbelteam des Deutschen Fechter-Bundes (DFB) Edelmetall an. "Nico Limbach ist immer der Top-Favorit", sagt Kawald, "von den sechs Weltcup-Turnieren, an denen er in dieser Saison bislang teilgenommen hat, hat er immerhin vier gewonnen".

Daraus folgert der vor Ort als Trainer für die Säbelfechter verantwortliche Trainer Vilmos Szabo messerscharf: "Wir haben ein starkes Team und wollen eine Medaille." Mit Argusaugen dürfte er vor allem die Auftritte seines Sohnes Matyas verfolgen. Der 20-Jährige, der erst Anfang des Monats von seiner Nominierung erfahren hatte, gibt in Italien sein EM-Debüt bei den Herren, versucht aber, möglichst "locker an die Sache ranzugehen".

Zu verlieren hat er rein gar nichts, schließlich liegt sein eigentlicher Saisonhöhepunkt bereits hinter ihm: Bei der U23-EM holte der Junioren-Weltmeister von 2011 Ende Mai mit der deutschen Mannschaft Bronze. Dass es im Einzel nur zum siebten Platz gereicht hatte, wurmt ihn immer noch: "In den ersten beiden Gefechten bin ich auf Richard Hübers und Sebastian Schrödter getroffen, und seine Mannschaftskameraden wirft man ja nicht so gerne aus dem Turnier. Am Ende fehlte einfach die Konzentration."

Die Europameisterschaften sieht er als weiteren Schritt auf dem langen Weg zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. "Und dabei mit Olympiasiegern zu trainieren, wäre natürlich optimal."

(NGZ/rl)