Remscheid: Tagesmütter achten auf Hygiene

Remscheid : Tagesmütter achten auf Hygiene

Das Land plant strengere Hygiene-Regeln in der Kindertagespflege. Doch es gehe heute schon sauber zu, sagen Remscheider Tagesmütter und das Jugendamt. Mehr Auflagen könnten Neulinge abschrecken.

In Remscheid sollen bis nächstes Jahr 200 neue Betreuungsplätze bei Tageseltern geschaffen werden. Dafür werden dringend neue Tagesmütter und -väter gesucht. Doch ausgerechnet in der heißen Phase der Anwerbung neuer Interessenten sorgt ein geplanter Erlass für mehr Auflagen: Wer als Tagesmutter oder Tagesvater Kinder betreut, soll noch stärker auf Hygiene achten und mehr Regeln befolgen, meint die Landesregierung.

Demnach sollen Schmuck bei der Küchenarbeit, Nagellack, Parfüms und stark riechende Deos ebenso tabu sein wie Speisen aus rohen Eiern. Handtücher dürfen nach dem Händewaschen nur einmal benutzt werden. Wenn auf diese Weise potenzielle Betreuer abgeschreckt werden, könnte Remscheid sein Soll in der Betreuung von Kindern unter drei Jahren nicht erfüllen. Immerhin sind neben Plätzen in der Kita bis 2013 insgesamt 300 Plätze in der Tagespflege vorgesehen.

Familienähnliche Situation

"Solche Hygieneregeln beachte ich bereits", sagt Sandra da Costa Pimentel, Tagesmutter aus Lüttringhausen. Keimfrei könne es aber kaum zugehen. Es sei nicht auszuschließen, dass Kinder beim Händewaschen mal das Handtuch des Nachbarn benutzen. Tagespflege böte eine familienähnliche Situation, für die sich Eltern bewusst entscheiden. Anja Scholz, seit 22 Jahren Tagesmutter, wendet eigene Kniffe im Umgang mit Lebensmittelhygiene an: "Auf jede Tetrapacktüte, die ich öffne, schreibe ich das Datum." Und auf der frisch gewechselten Windel der Kleinen notiere sie die Uhrzeit.

Noch ist der Erlass nicht in Kraft. Mögliche neue Hygieneregeln, sieht Peter Nowack, der bei der Stadt für Kindergärten und Kindertagespflege zuständig ist, eher gelassen — solange nicht die gleichen baulichen Bestimmungen zugrunde gelegt werden wie für Kindergärten. "Das würde abschrecken."

So müsste beispielsweise die Küche mit einem Fliesenboden ausgestattet sein, PVC wäre verboten. Hygiene sei kein Neuland, sondern nehme in Ausbildung und Qualifizierung von Tageseltern breiten Raum ein. "Ehe wir eine Tagespflegestelle zulassen, schauen wir uns die Küche, Sanitäreinrichtungen, Bettwäsche, Spielmaterial und Wickelbereich an", berichtet Nowack von Besichtigungen. Bei den Hausbesuchen versuche man, Tageseltern besonders für Hygiene zu sensibilisieren.

Eine Erstbelehrung beim Gesundheitsamt über Hygiene-Vorschriften sei Standard, berichtet Corina Sülberg, Sachbearbeiterin für Kindertagespflege. "Dabei haben sich Tagesmütter heute schon an die Lebensmittelverordnung zu halten." Mehrfach im Jahr gibt es Hausbesuche.

(RP/rl)
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