Wahlkreis 44 - Neuss: Sensation in Neuss: Breuer gewinnt mit 274 Stimmen

Wahlkreis 44 - Neuss: Sensation in Neuss: Breuer gewinnt mit 274 Stimmen

Als der Neusser SPD-Chef Benno Jakubassa in der Alten Post endlich das Ergebnis verkündet, kennt der Jubel bei den Parteianhängern keine Grenzen mehr. Mit 274 Stimmen Vorsprung gewinnt Reiner Breuer das Direktmandat.

Mit 36,7 gegenüber 36,2 Prozent der Erststimmen fiel der Sieg über Jörg Geerlings (CDU) denkbar knapp aus. Im Laufe der Auszählung hatte es den ganzen Abend über ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Kandidaten gegeben. Beide lagen mehrfach in Führung, doch am Ende reichte es knapp für Breuer.

Jörg Geerlings kann sein Mandat nicht verteidigen. Foto: Hans-Georg Pelzer

Drei Neusser ziehen derweil über die Landeslisten ihrer Partei in den Landtag ein. Joachim Paul und Lukas Lamla sind mit Listenplatz eins und zwei bei den Piraten ebenso sicher drin, wie Hans Christen Markert (Grüne) auf Platz 18 der Liste.

Bei der CDU im Drusus 1 in Neuss herrscht gedämpfte Stimmung. Mit einem solch drastischen Denkzettel hatte dort niemand gerechnet. Lange warteten die CDU-Anhänger auf ihren Spitzenkandidaten Jörg Geerlings, der sich Zeit ließ, ehe er gefasst seine Niederlage einräumte.

Die Zweitstimmen verteilen sich wie im Balkendiagramm angezeigt. Die Wahlbeteiligung in Neuss lag nur bei 57,9 Prozent.

Die Stimmen zur Wahl:

Der Neusser FDP-Kandidat Hermann-Josef Verfürth hat seine Ziele erreicht. Er holte über acht Prozten der Erst- und noch mehr Zweitstimmen. "Vielleicht trete ich in zwei Jahren bei der Kommunalwahl an", verriet Verfürth.

Piraten-Chef Joachim Paul kann hingegen den Rest des Abends gelassen entgegen sehen. Er sagt: "Wir müssen jetzt aus dem Nichts eine parlamentarische Struktur aufbauen."

Unterdessen jubelt der FDP-Bundestagsabgeordnete Bijan Djir-Sarai: "Wir haben das Totenglöckchen wieder eingepackt!"

Klaus Krützen, Kreisvorsitzender der SPD sagt: "ich bin überrascht von der Deutlichkeit. Wir sind wirklich der Wahlsieger. NRW braucht eine stabile Regierung und die stellt Rot-Grün jetzt. Wir werden mindestens einen von drei Wahlkreisen im im Rhein-Kreis gewinnen."

Zum politischen Gegner meint Krützen: "Das CDU-Ergebnis lässt mich grubeln. Ich bin weit weg von Schadenfreude, denn ich habe auch schon bittere Niederlagen ertragen muessen. Chapeau fur Norbert Roettgen. Er war fuer Fehler und Niederlage verantwortlich und übernimmt jetzt die Verantwortung."

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Dieter Welsink, Chef der CDU-Kreistagsfraktion, zeigt sich enttäuscht und sagt nach der Prognose: "Traurig. Wir konnten unsere Politik den Bürgern nicht verständlich machen."

Freude hingegen bei der FDP. Bijan Djir-Sarai, FDP-Kreisvorsitzender erklärt: "Ich bin hoch zufrieden. 8,5 Prozent sind super. Vor allem, wenn man bedenkt, von welchen Umfrage-Ergebnissen, wir herkommen!"

Bis 16 Uhr haben in Neuss 56,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Damit liegt der Wert in etwa auf dem Niveau von 2010. Vor zwei Jahren war sie allerdings auch außergewöhnlich niedrig gewesen.

Genau 110.142 Wahlberechtigte sind im Wahlkreis 44, der exakt das Stadtgebiet Neuss umfasst, dazu aufgerufen ihre Stimme abzugeben. Sie können sich bei der Erststimme zwischen sechs Direktkandidaten und bei der Zweitstimme zwischen 17 Parteien entscheiden.

Bei der Landtagswahl 2010 setzte sich CDU-Kandidat Jörg Geerlings mit 45,6 Prozent der Erststimmen gegen den langjährigen Landesminister Fritz Behrens durch, der für die SPD antrat und nur 31,5 Prozent der Erststimmen holte.

Während Geerlings als unumtstrittene Nummer eins der Neusser CDU sein Direktmandat nun verteidigen will, verabschiedet sich Behrens aus dem Landtag. Stattdessen heißt der SPD-Herausforderer nun Reiner Breuer, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Neusser Stadtrat ist.

Auf Platz 20 der Landesliste einer Volkspartei hat er dabei kaum eine Chance in den Landtag einzuziehen, da die SPD voraussichtlich sehr viele Wahlkreis direkt gewinnen wird. Für Breuer heißt das, dass auch er die Mehrheit der Erststimmen in Neuss benötigt. Doch das wird schwierig, denn Geerlings hat vermutlich die Nase vorn.

Bei Direktkandidaten der kleineren Parteien ist es nahezu ausgeschlossen, dass sie eine Mehrheit der Erststimmen erhalten. Dennoch werden zwei von ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Landtag einziehen.

Der Grüne Hans Christian Markert steht auf Platz 18 der Landesliste seiner Partei ebenso vor dem Einzug in den Landtag, wie der Spitzenkandidat der Piraten, Joachim Paul, auf Platz eins der Landesliste.Mit Lukas Lamla (auf Platz zwei der Landesliste der Piraten) wird ein weiterer Neusser in den Landtag einzuziehen, ohne als Direktkandidat aufgestellt zu sein.

Demgegenüber ist ein Einzug der Kandidaten von FDP und Linken in den Landtag nahezu ausgeschlossen. Die Liberalen schicken den Arzt Hermann-Josef Verfürth und die Linken den Diplom-Ingenieur Stefan Müller ins Rennen.

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