Korschenbroich : Lienenkämper im Landtag

Trotz deutlicher Einbußen von fast zehn Prozentpunkten bei den Erst- und Zweitstimmen hatte die CDU in der Stadt Korschenbroich auch gestern die Nase vorn: Lutz Lienenkämper holte das Direktmandat. Der große Gewinner ist aber die SPD: Sie kam bis auf 0,7 Prozent an die Union heran.

Für Lutz Lienenkämper wurde der Wahlabend gestern zu einem Wechselbad der Gefühle. Er sicherte sich im Wahlkreis 46 — Korschenbroich, Jüchen, Kaarst und Meerbusch — mit 40,4 Prozent deutlich vor seiner Herausforderin Nicole Niederdellmann-Siemes (SPD) das Direktmandat.

Bürgermeister Heinz Josef Dick an der Wahlurne. Foto: Berns

Freude kam bei dem Christdemokraten aber keine auf. Auch wenn er sich in seiner Arbeit vor Ort bestätigt sah, sprach Lienenkämper von Dramatik: "Das ist das schlechteste Ergebnis der CDU in Nordrhein-Westfalen überhaupt."

Für ihn gibt es jetzt nur einen Weg — nämlich "sauber mit der Niederlage umzugehen. Wir müssen das im Land verloren gegangene Vertrauen durch harte Arbeit wieder aufbauen und so zurückgewinnen, damit wir wieder mehrheitsfähig werden." Einen Bogen zur Bundespolitik wollte Lutz Lienenkämper gestern Abend aber nicht gespannt sehen: "Das war eine wichtige Landtagswahl, aber nichts anderes, auch keine kleine Bundestagswahl."

Heveling: Ein bitteres Ergebnis

Von einem "ganz bitteren Ergebnis" sprach auch Korschenbroichs CDU-Chef Ansgar Heveling. Der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes verfolgte daheim am Computer die Landtagswahl, und bedauerte, dass sich die Korchenbroicher Union nicht ganz gegen den Trend stemmen konnte: "Bei aller Freude über das deutliche Abschneiden von Lutz Lienenkämper, müssen wir Einbußen von rund zehn Prozentpunkten hinnehmen. Das lässt sich nicht schönreden."

Ansgar Heveling bewertete den Rücktritt von CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen als "konsequent". Die Gründe für den Wahlausgang gelte es nun, zeitnah zu analysieren. Sein Fazit: "Die Wahlniederlage ist für die Union eine deutliche Aufforderung, hart zu arbeiten."

Für Albert Richter hingegen wurde der Wahltag zu einem Fest. Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende kam aus dem Jubeln nicht mehr heraus: "Der Kraft-Effekt hat voll durchgeschlagen. Wir stellen im Rhein-Kreis Neuss zwei von drei Landtagsabgeordneten." Der Korschenbroicher SPD-Chef strahlte auch bei dem Blick auf die Zweitstimmen über das ganze Gesicht: Die SPD hatte sich im Korschenbroicher Stadtgebiet mit 31,8 Prozent bis auf 0,7 Prozentpunkte an die CDU herangearbeitet.

Für Albert Richter "einfach einmalig": Für ihn ist das "Tal der Tränen" dank Hannelore Kraft überwunden. "Das gibt uns den Elan, jetzt weiter für die SPD gute Politik zu machen."

Und auch Wolfgang Houben war zufrieden. Der Chef der Bündnis-Grünen spricht von einem "achtbaren Ergebnis" im Land und in Korschenbroich. "Das ist eine klare Bestätigung für Rot-Grün und unsere Politik."

Was Houben am meisten freut: "Die Piraten haben uns in Korschenbroich nicht wirklich etwas wegnehmen können", kommentiert er die 9,8 Prozent für den Spitzenkandidaten Oliver Keymis.

(NGZ)