Fechten : Limbach bringt sich in Stellung

Die von Willy Bogner entworfene Kleidung der deutschen Olympiamannschaft durfte Nicolas Limbach bereits anprobieren. Welche Medaillenfarbe am besten zum leuchtenden Blau passt, sollte der 26 Jahre alte Dormagener in 76 Tagen wissen – dann steht in London die Entscheidung im Säbelfechten der Herren auf dem Programm. Dass er zu den Anwärtern auf Edelmetall, vielleicht sogar auf die Goldmedaille, zählt, unterstrich der Weltranglistenerste im Dress des TSV Bayer Dormagen am Wochenende erneut – sein Sieg beim "Villa de Madrid" war bereits Limbachs vierter Weltcupsieg in der laufenden Saison.

Obwohl sein Schützling dabei abermals ganz starke Konkurrenz aus dem Weg räumte – im Finale bezwang er den russischen Europameister und Weltranglistenzweiten Alexej Yakimenko mit 15:13, in der Runde zuvor hatte er den Olympiasieger von Athen, Aldo Montano (Italien), der ihn im November im WM-Finale von Catania bezwungen hatte, mit 15:14 ausgeschaltet – dämpft Bundes- und Heimtrainer Vilmos Szabo allzu große Erwartungen: "Wir verfallen jetzt nicht in Euphorie. Bei Olympia werden die Karten neu gemischt, das weiß auch Nico. Entsprechend werden wir uns auf die Spiele in London vorbereiten, wollen wir dann doch auch ganz oben stehen."

Trotzdem konnte Szabo seine Freude überLimbachs vierten Weltcupsieg im Olympiajahr nur schwer verhehlen: "All jenen, die glaubten, Nico habe nach den zwei letzten Ergebnissen von Moskau und Athen vielleicht eine Formschwäche, hat er eine deutliche Lektion erteilt." Bei den beiden voraufgegangenen Turnieren war sein Musterschüler, den er seit 18 Jahren unter seinen Fittichen hat, nämlich nicht über die Plätze 33 und neun hinaus gekommen.

Zwei Wochen nach seinem Sieg in Athen belegte Benedikt Beisheim in Madrid den fünfzehnten Platz und unterstrich damit erneut, dass er ein Kandidat für die Olympiamannschaft ist. Max Hartung, Benedikt Wagner und Matyas Szabo (alle TSV Bayer Dormagen) belegten die Plätze 21, 28 und 49. Trotzdem reichte es für das deutsche Quartett im gestrigen Mannschaftswettbewerb "nur" zu Rang fünf: Limbach, Beisheim, Hartung und Wagner starteten zwar standesgemäß mit einem 45:28 über Großbritannien, mussten sich dann aber Korea mit 41:45 geschlagen geben. Siege in der Platzierungsrunde gegen Weißrussland (45:38) und Frankreich (45:35) bescherten dann Rang fünf und Nicolas Limbach die nicht neue Erkenntnis, dass jedes Gefecht erst einmal gefochten werden muss – auch in London. Volker Koch

(NGZ)