Ratingen: Das Ratinger Kachelofen- und Luftheizungsbauunternehmen Kamine Adams kümmert sich seit 40 Jahren liebevoll auch um historische Objekte.

Wirtschaft : Feuer und Flamme für alte Öfen

Das Kachelofen- und Luftheizungsbauunternehmen Kamine Adams kümmert sich um historische Objekte.

Der minimalistisch nüchterne Stil, der vor 100 Jahren geprägt wurde, passte so gar nicht in die Wertevorstellungen der damaligen Obrigkeit und durfte deshalb zumindest nur eine recht kurze Epoche prägen.

Doch Bauhaus erfreut sich weltweit – erschaffen durch die unterschiedlichsten Designer, Künstler oder Architekten – nach wie vor großer Beliebtheit auch über eine eingefleischte Szene hinaus. Häuser, Möbel oder Kunstobjekte sind Vielen aus dieser Epoche durchaus bekannt. Eher weniger Menschen wissen, dass auch gusseiserne Öfen im Bauhaus-Stil gebaut wurden. Und Kamine Adams in Ratingen kümmert sich um diese und viele andere historische Öfen – als eines von nur fünf Unternehmen in Deutschland.

„Mit unserer Nische bekommen wir Angebot und Anfragen aus ganz Europa“, sagt Roland Adams, der schon als junger Mann seine Leidenschaft für historische Öfen entdeckte. Er kauft und verkauft sie, restauriert sie in aufwändiger Detailarbeit und macht sie fit für die Umweltansprüche der Gegenwart. Dafür reisen er und Sohn Felix auch gerne mal 2000 Kilometer durch den Kontinent, um einen der begehrten gut  erhaltenen und inzwischen seltenen zu „ergattern“. Viele davon kommen aus Skandinavien. „Die nordischen Länder erlebten im Zweiten Weltkrieg keine zerstörerischen Ausmaße wie hierzulande, darum gibt es dort noch mehr dieser schönen, alten Öfen.“ Neben Zerstörungen durch kriegerische Auseinandersetzungen wurden auf deutschem Gebiet viele dieser gusseisernen Öfen eingeschmolzen.

In Skandinavien hatten Roland und Marita Adams noch als Teenager ihren ersten historischen Ofen gefunden. „Der lag da als Schrott am Rande eines Campingplatzes“, erinnert sich Marita Adams. „Aber wir fanden den optisch sehr schön und haben ihn mitgenommen.“ Auf der Rückreise erkundigte man sich in Kopenhagen nach der Möglichkeit, einen solchen Ofen zu restaurieren und bekam den Hinweis auf eine Kommune ehemaliger Lehrer in der Nähe der dänischen Hauptstadt. Die lebten inzwischen davon, historische Kaminöfen zu restaurieren und zu verkaufen und steckten die Adams damit an.

„Aber von Deutschland aus konnten wir damals keine dieser Öfen kaufen. Wir mussten das immer über Dänemark machen.“ Trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser Hürden vertiefte sich die Leidenschaft und das seltene Handwerk ist bis heute ein Bestandteil des Familienbetriebs geblieben. Fertig restauriert sind Bauhaus-Öfen für Preise zwischen 3500 und 7000 Euro zu erwerben. Andere historische Öfen, beispielsweise aus der Gründerzeit oder dem Jugendstil mit ihren aufwändigen Verzierungen, können durchaus auch teurer werden. „Der teuerste Ofen von mir lag bei über 12000 Euro“, erinnert sich Roland Adams. Zwischen 40 und 80 Stunden benötigt für die Restaurierung eines Ofens. Dabei zerlegt er die meist mehr oder weniger stark korrodierten Öfen zunächst in ihre Einzelteile, die dann sandgestrahlt werden. „Erst danach erkennt man alle Schäden an den einzelnen Bauteilen und kann sie beheben.“ Anschließend werden die Teile wieder rauchgasdicht zusammengesetzt und das Innenleben modernisiert. Die Brennkammer wird mit Sekundär- und manchmal auch Tertiärluftzufuhr ausgestattet, um den aktuellen hohen Umweltansprüchen gerecht zu werden. „Wir erfüllen damit die Emissionsgrenzen aber problemlos“, sagt Adams.

Mit Felix steht die zweite Generation in den Startlöchern. Er lernte vor zwölf Jahren im elterlichen Betrieb, ging später aber zunächst andere Wege. „Wir haben mit unserem Elektromusik-Label einen europaweiten Hit gelandet und ich war entsprechend viel unterwegs für die Musik.“ 2018 vollendete er seine Meisterschule und stieg wieder verstärkt ins Familienunternehmen ein. Innerhalb der nächsten Jahre soll die Übergabe erfolgen. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Vater seine Leidenschaft jemals aufgeben wird. Solange er kann, wird er hier historische Öfen restaurieren – und das ist auch gut so.“

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