Wolfgang Bosbach bei der Evangelischen Gemeinde Bever in Radevormwald

Evangelische Gemeinde Bever in Radevormwald : Ernst und heiter – ein gelungener Abend mit Wolfgang Bosbach

Das Bever-Forum hatte den bergischen Politiker zu Gast. Er enttäuschte das Publikum nicht und zeigte sich wie immer gut aufgelegt.

Auch wenn er nicht mehr im Bundestag sitzt – Wolfgang Bosbach ist präsent wie eh und je. Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Union und früherer Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages sitzt in Talkrunden und wird immer wieder gerne zu Veranstaltungen eingeladen. So war er am Freitagabend zu Gast im Bever-Forum.

Das Veranstaltungsformat der freien evangelischen Gemeinde Bever lädt regelmäßig inspirierende Persönlichkeiten ein, die über ihr Leben, aktuelle Probleme und Herausforderungen sprechen. Gerd Uellenberg, Vorsitzender der CDU in Radevormwald, ist außerdem Mitglied des Veranstaltungsteams und freute sich besonders über den Besuch von Wolfgang Bosbach. „Wir kennen ihn hier alle und sind stolz darauf, dass er das Bever-Forum besucht“, sagte er. Gekommen waren nicht nur Gemeindemitglieder, sondern auch Gäste aus Halver, Radevormwald und anderen Nachbarstädten.

Um den Politiker und Rechtsanwalt, der in Bergisch Gladbach zu Hause ist, etwas besser kennenzulernen, hatte Uellenberg zum Start des Abends ein besonderes Interview vorbereitet. „Ich habe ein altes Interview von 2009 gefunden und will wissen, ob die Antworten von damals auch noch heute gültig sind.“ Bosbach ließ sich unvorbereitet auf dieses Spiel ein und wurde seinem Ruf als authentischer Politiker gerecht. „Die Menschen beschreiben mich als Junge aus dem Leben und das finde ich schön. Ich kann niemanden täuschen, das würden mir alle direkt ansehen. Ich stehe zu meinem Wort“, versicherte Bosbach.

Seinen Vortrag widmete er Deutschland und forderte seine Zuhörer auf, mit mehr Stolz über ihr Land zu sprechen. „Es gibt viele Probleme, aber einiges läuft auch sehr gut“, sagte er. Den Fall der Mauer 1989 bezeichnet er als Revolution und die wirtschaftliche Stärke der Bundesrepublik Deutschland als Aushängeschild des Landes. „In 70 Jahren gab es 63 Jahre Wachstum. Welches andere Land hat das nach dem Krieg geschafft?“

Wolfgang Bosbach erinnerte sein Publikum daran, dass Deutschland mit 1,1 Prozent der Weltbevölkerung die viertgrößte Wirtschaftsmacht ist. „Neben der wirtschaftlichen Stärke zeichnen wir uns durch politische Stabilität aus. In 38 Jahren hatten wir nur drei Kanzler, die alle aus einer Volkspartei kamen.“ Dass sich diese Stabilität im Wandel befindet, ließ er am Freitagabend nicht außer Acht. „Die Volksparteien werden an den Rand gedrängt. Es ist wichtig, dass Deutschland weiterhin Maß und Mitte behält“, sagte Bosbach.

Politikverdrossenheit gibt es nach seiner Erfahrung nicht. „Die Verdrossenheit richtet sich gegen Parteien und Politiker. Demokratie lebt aber vom Mitmachen“, forderte er das Publikum auf. Im Bever-Forum sprach Bosbach außerdem über das friedliche Zusammenleben in Europa, die Digitalisierung und die Investition in Bildung. „Wir müssen eine Wissensgesellschaft werden, um weiterhin mitzuhalten“, sagt er.

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