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Wermelskirchen: Rücksichtslosigkeit ist nicht cool

Kommentar : Rücksichtslosigkeit ist nicht cool

Die größte Gefahr für ihr Hobby droht den Bikern durch die Unbelehrbaren aus den eigenen Reihen.

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Film „Easy Rider“ in die Kinos kam. Er erzählt die heroisch-tragische Geschichte von Wyatt und Billy, zwei jungen Teufelskerlen, die mit ihren Motorrädern durch Arizona fahren. So cool wie die Darsteller Dennis Hopper und Peter Fonda wollten damals viele sein. Der Mythos des rebellischen Bikers, der sich nichts vorschreiben lässt, war geboren.

Sich nichts vorschreiben lassen – diese Devise ist bis heute bei Bikern lebendig. Doch seit 1969 haben sich die Zeiten geändert. Statt junger Teufelskerle sitzen auf den Harleys heute meist Herrschaften, die sich, wenn sie den Helm abnehmen und auf zwei Beinen fortbewegen, eher behäbig wirken. Und die Rebellen-Pose ist oft zu blanker Rücksichtslosigkeit verkommen.

Oberberg ist nicht Arizona. Hier ist nicht so viel Platz, hier sind die Straßen nicht breit und schnurgerade, hier wohnen überall Menschen, die darunter leiden, wenn Leute, die untertags brave Bürger sind, am Wochenende mit lärmenden Motoren den wilden Mann markieren möchten.

Ja, natürlich, es gibt auch rücksichtslose Autofahrer und leichtsinnige Radler. Und es gibt auch viele besonnene Motorradfahrer. Jene, die ihre Biker-Freunde davor warnen, dass die Geduld der Gesellschaft einmal ein Ende haben könnte. Die dafür plädieren, Freude am Fahren nicht mit Freude am Lärm gleichzusetzen.

Es ist so: Die größte Gefahr für ihr geliebtes Hobby droht den Bikern durch die Unbelehrbaren aus den eigenen Reihen – denn eines Tages könnten die Motorradfahrer so unbeliebt und so uncool sein, dass Wyatt und Billy lieber auf den E-Roller umsteigen würden.

(s-g)