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Radsport: Die Probleme des Radsportbezirks Mönchengladbach

Radsport in der Region : Als Vereinssport abgehängt

Die Mitgliederzahlen sinken, immer mehr Vereine lösen sich auf. Um den Radsportbezirk Mönchengladbach steht es nicht gut. Und das, obwohl Radsport als Freizeitsport an Beliebheit gewinnt. Die Gründe.

Der Radsport im Freizeitbereich boomt seit einigen Jahren. Für viele ist das Rennrad zum Hobby geworden, gerade in Zeiten der Pandemie hat sich dieser Trend noch verstärkt. Beim organisierten Sport kommt von dieser Entwicklung aber wenig an. Das mussten vor allem die Vereine des Radsportbezirks Mönchengladbach, einer der kleinsten Radsportbezirke in Nordrhein-Westfalen, feststellen. 2015 hatte der Bezirk noch über 800 Mitglieder, aktuell sind es nur noch 645 – davon gehören alleine fast 150 Mitglieder dem ERC Erkelenz an, der inzwischen der mitgliederstärkste Verein im Bezirk ist. Der ERC setzt wie der RV Möwe Lürrip und der RSC Schwalmtal inzwischen vor allem auf Radtouristik, da der Nachwuchs ausbleibt. Denn Radsport ist vor allem ein Freizeit- und Individualsport geworden. Zum Leidtragen der Vereine.

„Durch die Corona-Pandemie und die weiter ausufernde Bürokratie werden immer mehr kleinere Radfahrvereine sich auflösen, bei denen kein Nachwuchs nachkommt“, sagt Günter Dauven, 1. Vorsitzender des Radsportbezirks Mönchengladbach und Fachwart des Bereichs Radtouristik. „Im Ehrenamt will sich das niemand mehr aufbürden.“

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Herbert Pelzer ist seit 1971 Geschäftsführer des Radsportbezirks Mönchengladbach. Er beklagt unter anderem, dass kleine Radsportvereine unter 15 Mitgliedern jährlich 250 Euro Verwaltungsgebühren an den NRW-Verband zahlen müssen. Weitere aktive Vereine in der Region sind noch der SC Union Breyell im Rennsport sowie RV Adler Neuwerk und Viktoria Erkelenenz-Hoven im Kunstradfahren. In den vergangenen Jahren meldeten sich neun Vereine im Bezirk ab.

Alleine in Mönchengladbach waren es zum Ende des Jahres 2021 drei Radsportvereine. Dazu zählte auch der RV Staubwolke Mönchengladbach, der einst für ein Kriteriumsrennen in der Rheydter City zahlreiche Profi-Fahrer nach Mönchengladbach lockte, unter anderem nationale Größen wie Erik Zabel, Rolf Aldag und Fabian Wegmann. Auch der RV Moewe Wickrath, der im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hätte, sowie der RV Vorwärts Bonnenbroich gaben auf. Alle drei Mönchengladbacher Vereine hatten kaum noch Mitglieder, keinen Nachwuchs und niemanden mehr, der sich um die Vorstandsarbeit kümmern wollte.

Beim RV Vorwärts Bonnenbroich hörte beispielsweise der Geschäftsführer Karl Creischer aus persönlichen Gründen auf. „Wir fanden für ihn keinen Nachfolger. Ich hätte gerne weiter gemacht“, sagt der 1. Vorsitzender, Walter Mayer, zum einstimmigen Beschluss der Versammlung, den Traditionsverein aufzulösen. Zuletzt hatte der Verein nur noch 14 Mitglieder, wovon der jüngste aktive Fahrer über 65 und älteste 83 Jahre alt war. 

Auch der Bezirksvorsitzende Dauven wird sein Ehrenamt zurückziehen. „Ich werde für das Amt des 1. Vorsitzenden nicht mehr zur Verfügung stehen. Einen Nachfolger haben wir bisher noch nicht gefunden“, sagt er. Das Amt als Radsport-Fachwart beim Stadtsportbund Mönchengladbach legte er ebenfalls zum 31. Dezember nieder. Ob sich ein neuer Vorstand auf der geplanten Jahreshauptversammlung des Bezirks am 16. Januar findet, bleibt abzuwarten.

Was vielen Vereinen missfällt: Die durch die Satzung des Radsportverbandes NRW neue Struktur der Regionen, die den Regierungsbezirken entspricht. Demnach gehört der Bezirk Mönchengladbach nun der Region Düsseldorf an. „Die Vereine werden in Zukunft für Sitzungen teilweise weite Wege in Kauf nehmen müssen“, sagt Dauven.

„Auch die Konzentration des Radsportverbandes NRW ausschließlich auf den sogenannten Spitzensport, stößt bei vielen Vereinen auf Ablehnung, die fast nur noch Breitensport betreiben“, sagt Dauven. „Von Verbandsseite schmücken sie sich gerne mit den hohen Mitgliederzahlen, aber der Breitensport, welcher den Radsportverband im Grunde nicht braucht, wird von Verbandsseite immer mehr vernachlässigt“, sagt Dauven weiter. Während der Hobby-Radsport boomt, läuft der Vereinsradsport Gefahr, von der Bildfläche zu verschwinden.