1. FC Mönchengladbach trennt sich von Trainer Benedict Weeks

Fußball-Landesliga : Weeks muss beim 1. FC sofort gehen

Der Vorsitzende Christian Oh erhebt heftige Vorwürfe gegen denTrainer, der den Landesliga-Zweiten direkt verlassen muss. Das Team verweigert daraufhin geschlossen das Training und geht mit seinem Coach die Champions League gucken. Ob es am Donnerstag bei Teutonia St. Tönis antritt, ist offen. Weeks legt seine Sicht der Dinge dar.

Am Dienstagabend wurde es turbulent beim 1. FC Mönchengladbach. Der Vorstand entband Benedict Weeks und sein Trainerteam mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben. Daraufhin verweigerte die Mannschaft, die in der Landesliga als Tabellenzweiter eine hervorragende Saison spielt und aktuell auf einem Aufstiegsplatz in die Oberliga steht, geschlossen das Training. Ob sie am heutigen Donnerstag das Punktspiel beim Tabellensechsten Teutonia St. Tönis bestreitet, war am Mittwochabend ebenso noch offen wie die Frage, ob – und wenn ja mit welcher Mannschaft – der FC zum Spiel um Platz drei im Kreispokal am Montag (14 Uhr) gegen den ASV Süchteln antritt.

Dass sich die Wege des Vereins und des Trainers am Saisonende trennen würden, stand schon länger fest. Doch dann gab es Unstimmigkeiten rund um das Spiel am vergangenen Sonntag, das der FC 4:0 gegen den Tabellenletzten DSC 99 Düsseldorf gewann. Beide Teams hatten sich auf dem Kunstrasenfeld warmgemacht, die Partie wurde aber auf dem Naturrasenplatz ausgetragen. Das klang nach einer kurzfristigen Verlegung, und genau dieser erweckte Eindruck verärgerte den FC-Vorsitzenden Christian Oh, wie er gegenüber dem Internetportal fupa.net erklärte. Denn: „Wir haben schon im Februar im Vorstand entschieden und dem Trainer mitgeteilt, dass die Spiele der Ersten nach Möglichkeit auf dem Rasenplatz ausgetragen werden sollen“, sagte Oh. Damit wolle man den dort werbenden Sponsoren entgegenkommen und das Vereinsleben ankurbeln, die Entscheidung sei auch dem Staffelleiter mitgeteilt worden.

Das war aber noch nicht alles, was Oh gegen Weeks ins Feld führte. Nach dem Spiel sei das Trainerteam nicht wie vereinbart zu einem gemeinsamen Essen erschienen. Der FC-Vorsitzende zückte in diesem Zusammenhang die große Moralkeule: „Da ist aus Trotz Essen liegen gelassen worden, das bestellt und bezahlt war. Das geht für mich gar nicht. Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. In einem gemeinnützigen Verein darf dieses Fehlverhalten von erwachsenen Menschen, die eine Vorbildfunktion haben, nicht toleriert werden. Und zudem ist das noch eine Ohrfeige für die vielen ehrenamtlichen Helfer“, sagte Oh.

Weeks hat diese Vorwürfe allesamt aus dem Internet erfahren, wie er gegenüber fupa.net betonte. „Ich bin schon sehr geschockt und auch absolut enttäuscht, wie das Ganze jetzt abgelaufen ist“, sagte der 28-Jährige und schilderte seine Sicht der Dinge. Demnach sei Oh am Dienstagabend mit Björn Feldberg, der sonst im Jugendbereich des 1. FC tätig ist, als Interimscoach zu ihm gekommen und habe ihm mitgeteilt, dass er die Mannschaft ab sofort nicht mehr trainiere. Weder habe der Vorsitzende ihm eine Begründung geliefert noch seinem Wunsch stattgegeben, die Mannschaft darüber zu informieren. Weeks sprach dann aber erst mit dem Mannschaftsrat und danach mit dem Team. Das verweigerte im Anschluss das von Feldberg angebotene Training und sah sich geschlossen die Champions-League Übertragung an – mit dem geschassten Trainerteam. „Das ist natürlich ein sehr deutliches Statement der Mannschaft“, fand Weeks, der auch die Entscheidung, nach dem Spiel gegen den DSC nicht zum Essen zu erscheinen, als einstimmigen Beschluss der Mannschaft deklarierte.

Zu Ohs Vorwurf bezüglich des Wechsels von Kunst- auf Naturrasen äußerte sich Weeks ebenfalls: „Noch am Sonntagmittag habe ich eine Mail aus dem Vorstand erhalten, dass wir auf dem Kunstrasen spielen dürfen, den die Mannschaft eben auch bevorzugt. Darauf muss ich mich doch wohl verlassen können. Und nach dem Aufwärmen auf Kunstrasen habe ich dann um 14.58 Uhr von meinem zweiten Torhüter erfahren, dass wir auf dem Rasen spielen. Der hatte das vom Vereinswirt gehört. Das hat mir nicht etwa der Vorsitzende mitgeteilt“, sagte Weeks.

Wie es mit dem FC in naher und mittlerer Zukunft weitergeht, ist offen. Dass Weeks am Saisonende gehen sollte, hatte mit auseinandergehenden sportlichen Perspektiven zu tun. Nun sagte er: „Der Mannschaft und mir wurde Anfang April klipp und klar gesagt, dass es nicht möglich sein wird, Oberliga zu spielen. Mir haben Spieler sogar gesagt, dass sie selbst eine Liga weiter oben Abstriche gemacht hätten, wenn es in dieser Konstellation weitergegangen wäre.“ Wohl auch deshalb haben dem Vernehmen nach einige Vorstandsmitglieder noch am Freitag versucht, Weeks zum Bleiben zu bewegen. Der Trainer dachte nach eigener Darstellung sogar intensiv darüber nach – doch das hat sich am turbulenten Dienstagabend definitiv erledigt.

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