"Tschick", neues Stück im Theater Mönchengladbach

Mönchengladbach : Harter Haudrauf zeigt seine sensible Seite

Maja Delinic inszeniert nach „Nipple Jesus“ den Erfolgsroman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Bei der Matinee im Theater präsentierten am Sonntag einige Mitwirkende das Stück.

Zwei Jungs, 14 und 15 Jahre, klauen einen Lada und brettern damit durch Ostdeutschland. Auf der Suche nach dem Abenteuerkick. An einer Müllkippe lernen sie Isa kennen, die sich ihnen anschließt. Ihr Ziel: die Walachei, für Maik und Tschick ein Fantasieort. Das Trio ist das Kernpersonal in dem 2010 erschienenen Jugendroman „Tschick“ des Hamburger Schriftstellers Wolfgang Herrndorf, der 2013 in Berlin 48-jährig starb.

Der Bestseller „verkauft“ sich mit Erfolg auch an Bühnen, informierte Dramaturg Thomas Blockhaus gestern bei der „Tschick“-Matinee. Folgt der 2016 von Fatih Akin gedrehte Kinofilm dem Modell „Roadmovie“, gibt es in der von Maja Delinic inszenierten Spielfassung Robert Koalls kein Auto. Blockhaus: „Wir erzählen die Geschichte aus der Innensicht von Maik, dem Jungen aus gutsituierter Familie, der von den Eltern vernachlässigt wird.“

Die Mutter ist auf Alkohol-Entzug, der Vater auf Geschäftsreise. Um sich in den Sommerferien nicht zu langweilen, bricht Maik mit seinem neuen Schulkameraden Tschick, Migrant aus dem postsowjetischen Raum, auf „zu einer Heldenreise“, so die Regisseurin. Die Familie von Maja Delinic stammt aus Kroatien, sie selbst ist in Franken aufgewachsen, mit „Tschick“ realisiert sie am Theater Mönchengladbach nach „Nipple Jesus“ ihre zweite Regiearbeit.

„Als ich das Buch las, kamen mir die Tränen“, gesteht Maja Delinic. Die Ausgangslage dreier von Vereinsamung und Verwahrlosung betroffener Jugendlicher habe sie berührt. Den Maik spielt Philipp Sommer, den er als „liebenswürdigen Kerl, etwas verkauzt und zurückgezogen“ charakterisiert. Bei seiner Titelfigur reizt Henning Kallweit die Entwicklung der Persönlichkeit. „Am Ende hat er sich vom harten Haudrauf gewandelt, Tschick lernt sich zu öffnen, seine weiche, sensible Seite zu zeigen.“ Carolin Schupa, Darstellerin der Isa, beschreibt ihre Figur so: „Isa lebt in ihrer eigenen Welt, sie hält sich fern von gesellschaftlichen Klischees.“ Auf jeden Fall haben die drei auf ihrer Reise jede Menge Spaß.

Dass Akteure um die 30 auf der Bühne Leute verkörpern, die halb so alt sind, kann zum Besetzungsproblem werden. „Das funktioniert nicht von allein“, gibt die Regisseurin zu. Daher habe sie die Spielfassung so strukturiert, dass die Darsteller „aus der Position einer Rückblende heraus spielen, um dann in ihre Figuren hineinzuwachsen“, sagt Delinic.

Ausstatterin Ria Papadopoulou hat Bühnenelemente mit Spiegelfolie beklebt. „Tschick ist das Alter Ego von Maik, der wäre gern so wie Tschick, die beiden halten einander den Spiegel vor“, erklärt sie. Auch die City-Pop-Stücke von Clemens Gutjahr sowie Videoprojektionen und eine lebhafte Geräuschkulisse sollen den Lauf der Handlung spiegeln. Die in der Matinee dargebotenen Kostproben aus dem Stück weckten große Lust auf die Produktion.

Premiere ist Freitag, 14. Juni, 20 Uhr, im Studio des Theaters an der Odenkirchener Straße.

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