Mönchengladbach: Rheinlandtaler für Ralf Seidel

Mönchengladbach : Rheinlandtaler für Ralf Seidel

Der Mediziner und Philosoph steht für ein besonderes kulturelles und soziales Engagement in der Stadt und in der Region.

Das Museum Abteiberg sei ein Glücksfall für die Stadt und in seiner anfänglichen Mönchengladbacher Zeit für ihn ein „Zufluchtsort“ gewesen, betont Ralf Seidel. Nun erhielt der ehemalige ärztliche Direktor der Rheinischen Landeskliniken an diesem für ihn besonderen Ort den Rheinlandtaler als Würdigung für sein besonderes kulturelles Engagement in der Region. Unter den vielen Gästen im Vortragsraum saßen auch Träger des Rheinlandtalers aus früheren Jahren. „Ich freue mich, dass heute eine Persönlichkeit geehrt wird, die sich so vielfältig verdient gemacht hat“, versicherte Hans-Wilhelm Reiners in der Begrüßung. Der Oberbürgermeister hob hervor, dass Seidel sich in der beruflichen wie auch ehrenamtlichen Tätigkeit immer wieder die Frage gestellt habe, wie es gelingen kann, als Gesellschaft gut zusammenzuleben und mit einander verantwortlich umzugehen.

In der Laudatio gab Karin Schmitt-Promny, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, Einblick in Seidels beeindruckende Biographie: Mehr als 20 Jahre war er ärztlicher Direktor der rheinischen Landeskliniken, zehn Jahre leitete er den „Verein für die Rehabilitation psychisch Kranker“. Seidels Initiative sei der Aufbau des Psychosozialen Dienstes in Mönchengladbach zu verdanken. Er habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Mönchengladbach als Modellregion der Reformpsychiatrie gilt. Seine Beschäftigung mit Ausgrenzung brachte Seidel auch zu seinem langjährigen Engagement im „Arbeitskreis zur Erforschung der NS-Euthanasie und Zwangssterilisation“, der die lange verdrängte Geschichte der deutschen Psychiatrie während der Zeit von 1933 – 45 öffentlich machte.

Schmitt-Promny nannte den in Dresden geborenen, aber in München aufgewachsenen Arzt einen Menschen mit breiter Bildung und weiten Interessen. In seiner jüdisch-deutschen Vergangenheit habe Seidel die Chance zum wechselseitigen Verstehen und Denken „in Horizont öffnenden Überblicken, zum Brückenbau“ gesehen . Sie betonte, dass auf Seidels Initiative hin vor mehr als 20 Jahren die Hans Jonas Gesellschaft begründet wurde. Er habe damit „ein deutliches Bekenntnis abgelegt für das ´Prinzip Verantwortung`, das der aus Mönchengladbach stammende jüdische Philosoph auf einen nachhaltigen Umgang mit den technischen Möglichkeiten der hochentwickelten Industriegesellschaft geradezu sprichwörtlich gemacht hat“.

Die Laudatorin erinnerte an Seidels fast zwei Jahrzehnte währenden aktiven Einsatz im Museumsverein. Als Vorstandsmitglied habe er die „so strittige wie aktuellste Kunst im Rheinland“ mit ermöglicht und gefördert. Sie lobte ihn als einen „seltenen Vertreter einer multiplen Vernünftigkeit“ und umfassenden Aufklärung sowie als „Mann von großer Weisheit“.

Im Dank für die Würdigung gestand Seidel, er sei „ganz durcheinander und ergriffen“. Er erzählte von seiner ersten Begegnung mit Rheydt und bekannte: „Als ich 1972 aus Nürnberg kommend bei schlechtem Wetter zum ersten Mal in Rheydt war, habe ich etwas Mühe gehabt, mich an den Anblick zu gewöhnen. Heute genieße ich die Lebendigkeit des Rheinlands“.