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Bedburg-Hau: kollektiv.plakativ - "Bilder Deiner Großen Liebe" nach Herrndorf

Premiere bei mini-art : Das Mädchen von der Müllkippe

Premiere von kollektiv.plakativ und neverendingstory bei mini-art: Nach Wolfgang Herrndorfs „Bilder Deiner großen Liebe“ inszeniert das Theater kollektiv.plakativ mit drei Schauspielern das Drama Robert Koalls zu Herrndorfs Romanfragment.

Ein Iglu-Zelt aus dem drei Personen krabbeln, zwei Jungs, ein Mädel. Sie tragen Tarnhosen und T-Shirts, Bauchtaschen. Man sieht Camping-Sachen. „Wir kennen aus Herrndorfers Bestseller ,Tschick’ die Isa, das Mädchen von der Müllkippe“, sagt Alina Rohde. Rohde ist Performerin und künstlerische Leiterin beim Theaterkollektiv kollektiv.plakativ. Sie ist Isa, die aus dem Zelt krabbelt. Und auch nicht, denn auch die beiden anderen werden Isa sein, die aus dem Zelt krabbelt.

Zusammen mit neverendingstory stellt das Theaterkollektiv „Bilder Deiner großen Liebe“ auf die Bühne. Es ist ein Stück von Robert Koall nach dem Romanfragment von Herrndorf. Es wird ein E-Bassist auf der Bühne sein, es wird viel Musik geben. So, wie das im vorigen Jahr gegründete Kollektiv an die Inszenierung seiner  Stücke herangeht: Mit Musik, mit festen Textteilen, mit Stegreif-Improvisationen, wo es sein muss oder kann, und mit rhythmisch klingenden Chorphasen, in denen alle drei den Text deklamieren. „Bilder Deiner großen Liebe“ von kollektiv.plakativ  und neverendingstory feiert jetzt auf der Bühne von mini-art Premiere. Ein eigenes Haus hat kollektiv.plakativ nicht, die junge Truppe tourt über diverse Bühnen. Deshalb die Premiere bei mini-art.

„Mini-art hat in der Szene als Kinder- und Jugendtheater einen guten Ruf – und da dachte ich, das ist genau das richtige für unser Stück“, sagt Rohde. Wie Tschick richtet sich auch „Bilder Deiner großen Liebe“ an ein Publikum ab 14 Jahre. Es geht ab auf der Bühne, es ist experimentell, schnell aber auch mit nachdenklichen Zügen durchsetzt. Isa führt den Zuschauer in die Irre, führt ihn vor. Kaum, dass man meint, die junge Frau und ihren Charakter zu haben, ist sie wieder entwichen.

„Wir haben Szenen zwischen dem Kapitän und Isa, die sich unterhalten – und mittendrin wechseln die Charaktere, dann ist der Kapitän Isa und Isa der Kapitän“, sagt Rohde. Und man wisse auch nie, ist das, was Isa da erzählt Realität. Oder ist das, was Isa als eine Stimme oder im Chor als die Stimme ihrer vielen Persönlichkeiten erzählt, doch eher Traum, gar Hirngespinst?

In der ersten Szene tritt Isa aus der Psychiatrie heraus, in die sie eingeliefert worden war. Eine spannende Szene auf einer Bühne, die inmitten der Psychiatrie liegt. Und dann begleitet der Zuschauer die junge Frau in ihren vielen Persönlichkeiten auf dem Weg, den sie einschlägt, glaubt, sie fassen zu können nur damit sie ihm wieder entweicht. Es ist eine irre Geschichte, die Isa erzählt, vom Kapitän und seinem Bankraub, von einem toten Rehbock und einem toten Mann, von einer Pistole, die sie findet. Und von den beiden Jungs, denen sie hilft, Benzin zu stehlen und die sie mitnehmen. Mitnehmen in die Berge bis vor einem Abgrund. Die Reise bringt Isa an den Rand der Selbstaufgabe und ganz nah zu sich selbst. „Verrückt sein heißt ja auch nur, dass man verrückt ist, und nicht bescheuert“, erklärt Isa auf ihrer Suche nach Akzeptanz und ihrer Sehnsucht, verstanden und wahrgenommen zu werden.

Es sollte spannend werden im Theater mini-art, in einem Stück das Corona-konform in einer Stunde über die Bühne gegangen sein wird und das wie gemacht ist für junges, Perfomance-mäßiges Theater (wie diverse andere Inszenierungen gezeigt haben). Jetzt also die Premiere von kollektiv.plakativ in Bedburg-Hau. „Wir erwarten eine musikalische, freche und humorvolle Inszenierung“, sagt Martina Wilmsen vom Theater mini-art.

Wilmsen weist allerdings auch auf die neueren Corona-Bestimmungen während der einstündigen Aufführung: „Da der Einlass ins Theater durch die Coronamaßnahmen länger als gewohnt dauern wird, bitten wir, mindestens 15 Minuten vor Beginn der Vorstellung im Theater zu sein“, sagt sie. Im Theater muss nicht nur vom Eingang bis zum Sitzplatz, sondern  auch während der Vorstellung eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden.  Für den Weg aus dem Theater, wie auch auf dem Weg zu den sanitären Ablagen gilt das natürlich auch. Die Anzahl der Sitzplätze wurde stark verringert. Der Abstand der Bühne zum Publikum beträgt wie vorgegeben vier Meter.