Mönchengladbach: Jugendliche bauen ihre Traumstadt im Legoformat

Stadtplanungsworkshop für Jugendliche : Eine Traumstadt im Legoformat

Der Verein Waldhaus 12 arbeitet mit Jugendlichen an der Idee einer optimalen Stadt – ihr Wahrzeichen ist eine Brücke. Begrünte Fassaden gehören auch dazu. Finanziert wurde das Projekt vom Förderprogramm Kulturrucksack.

Am Freitag um 17 Uhr sollte ein Wahrzeichen für die Stadt entstehen. Vor den Fenstern des alten Köntges strahlte die Sonne, als fünf Jungen und zwei Mädchen das karge Hinterzimmer des ehemaligen Herrenausstatters betraten. Auf einer Holzstele lag eine Holzplatte von 40 mal 60 Zentimetern. Darauf wollten die sieben Kinder mit Hilfe der Architekten Florian Erben undKristina Fuide sowie des Kulturpädagogen Max Meyer das Wahrzeichen einer neuen Stadt errichten. Eine optimale Stadt sollte es werden, sozusagen auf die grüne Wiese gedacht, ohne bereits vorhandene Gebäude, Berge oder Flüsse, die man berücksichtigen müsste – eine Modellstadt im Legofiguren-Maßstab, weshalb bereits ein paar der Spielfiguren zum Abgleich von Größenverhältnissen bereit lagen.

Meyer ist Vorstandsmitglied des Vereins „Waldhaus 12“, der das Projekt „Wir machen die Stadt“ durch das Förderprogramm „Kulturrucksack“ realisierte. „Kids zwischen 10 und 14 Jahren können hier aus verschiedensten Materialien gemeinsam ihre Traumstadt bauen. Wir sind gespannt, wie sie sich ihre Stadt wünschen!“, so hatte der Verein die Aktion angekündigt. Ein paar Schritte von der Holzplatte, auf der das Wahrzeichen der Traumstadt entstehen sollte, lag auf einem Tisch das Bastelmaterial bereit: Moos, Ton, Pappe, Kaninchendraht und vieles mehr, was entdeckt werden musste, außerdem Heißklebepistole, Hammer und Winkel. Justin hielt grüne Wolle in der Hand. „Wie möchtest du die im Modell einbauen?“, fragte Kristina. Justin hatte bereits Ideen: „Vielleicht als Laub oder als Wiese“, schlug er vor. Ein anderer Junge betrachtete eine kleine runde Glasscheibe. „Das sind Brillengläser“, erklärte Max Meyer und ergänzte: „Ich habe einige von einem Optiker bekommen.“ Ideen, was man daraus machen könnte, ließen nicht lange auf sich warten. „Daraus könnte man ein Gewächshaus bauen, das wie ein Iglu aussieht!“, überlegte ein Kind laut. Was könnte man mit dem Moos machen? „Eine Wiese!“, rief jemand und: „Wir können es an eine Gebäudewand kleben!“ Den Gedanken griff Architektin Kristina Fuide gleich auf: „Das nennt man begrünte Fassade. Die Pflanzen am Haus sollen dafür sorgen, dass es drinnen nicht so heiß wird.“ Auf dem Holzbrett nahm das gemeinsame Wahrzeichen allmählich Form an: Ein Stück Kaninchendraht wölbte sich da und gab noch entfernte Vorstellung von dem, was da am Ende des Workshoptages stehen sollte: eine Brücke. „Ich kann das Gerüst mit Ton zumachen“, schlug Florian Erben vor. Obwohl der Workshop bereits seit über zwei Stunden lief, war die Stimmung bestens. Während die Gruppe nun im zweiten Teil praktisch aktiv wurde, war der erste Teil eher theoretisch ausgerichtet, erklärte Max Meyer. Er war gedanklich bereits weiter: Nach der Workshopreihe mit Kindern könne er sich Fortsetzungen mit Menschen mittleren Alters und später auch mit Älteren vorstellen. Jeder Teilnehmer solle, wie die Kinder auch, eine Holzplatte mit einem Stadtstück gestalten. All das könne dann in einer großen Gemeinschaftsausstellung münden.

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