Serie Mönchengladbacher Chöre : Ein Chor mit bewegter Geschichte

Der Männergesangverein „Eintracht“ Wickrathberg besteht seit 155 Jahren. Ein Besuch bei der Chorprobe.

Es war im Jahr 1863, als auf Betreiben des Wickrathberger Lehrers Dietrich Hogeweg dort der Gesangverein „Eintracht“ Wickrathberg gegründet wurde. In den ersten Jahren seines Bestehens wurden die Sänger von den jeweils im Ort ansässigen Lehrern, die meist auch das Kantorenamt innehatten, geleitet. 1882 übernahm Georg Ludwig Hoffmann als erster „richtiger“ Dirigent den Chor, er gründete darüber hinaus die seinerzeit bekannte „Hoffman’sche Kapelle“, in der auch seine Söhne, die die „Eintracht“ maßgeblich förderten, spielten. Der erste Weltkrieg und dessen Folgen brachten das Chorleben völlig zum Erliegen, und erst im Jahre 1925 nahmen die Sänger, nun geleitet von Ludwig Hoffmann II, seine Arbeit wieder auf. Nach nur wenigen Jahren der Blüte begann der zweite Weltkrieg, der den Verein wiederum hart traf.

Doch bereits 1946 erstand durch die Initiative von Josef Laermann, in dessen Haus auch die ersten Nachkriegs-Proben stattfanden, die „Eintracht“ neu, und nun ging es kontinuierlich aufwärts. 1953 wurde mit einer beachtlichen Sängeranzahl das 80-jährige Bestehen gefeiert. 1963 – nun war der Chor 90 Jahre alt – konnte zum Festkonzert sogar ein großer Künstler eingeladen werden:der seinerzeit sehr bekannte Bass-Bariton Kenneth Spencer, der am Broadway und weltweit Erfolge feierte.

1974, ein Jahr nach dem 100. Geburtstag, übernahm Wolfgang Seuthe für 25 Jahre den Vorsitz im Verein. Nach erfolgreichem Probedirigat wurde am 2. Januar 1979 der damals erst 19-jährige Michael Postel der Künstlerische Leiter des Chores. Er sollte diese Position 35 Jahre lang behalten.

Wichtig für einen Männerchor ist die Vereinsfahne – im Jahre 1983 überraschten die Frauen ihre singenden Männer damit. Die Fahne begleitet den Chor seitdem bei allen Auftritten und Fahrten.

1984 kam der Barde Heino nach Wickrathberg – der Chor durfte ihn bei seinen Vorträgen musikalisch unterstützen, und 1988 war dann der bekannte Bassist Günter Wewel der Stargast.

1999 übergab Wolfgang Seuthe das Amt des Vorsitzenden an Manfred Kissel, der es acht Jahre innehatte, 2007 an Jochem Enzenmüller weitergab und nun 2. Vorsitzender ist.

Immer wieder packte die Sänger die Reiselust: Die Ziele waren Altenberg, Mainz, der Gardasee, das Ijsselmeer und Mailand. Dort durften sie sogar im Dom einen Gottesdienst gestalten.

Nach dem umfangreichen Programm zum 150. Chorjubiläum 2013 verabschiedete sich Michael Postel und übergab die Künstlerische Leitung an seinen Kollegen Heinz- Josef Fröschen. Die Kontinuität bezüglich der sorgfältigen, sehr genauen und in der Probenarbeit dennoch lockeren Herangehensweise ist damit gewährleistet. Weiterhin setzt der Chor, der zurzeit 29 aktive Mitglieder hat, auf qualitätvollen Chorgesang, der auch Volkstümliches nicht ausschließt. Die Sänger sind darüber hinaus ganz bewusst in die Ortsgemeinschaft eingebunden. Sie gestalten beispielsweise Grillfeste, das „Zapfteam“ ist jeweils beim Sommerfest der Freiwilligen Feuerwehr zur Stelle, und selbstverständlich ist für die Sänger ihre Unterstützung beim Gemeindefest der evangelischen Kirchengemeinde.

Einen wichtigen Termin – den des diesjährigen, schon zur Tradition gewordenen großen Herbstkonzertes am 27. Oktober um 19 Uhr in der Kirche Wickrathberg – sollten Musikfreunde schon einmal vormerken. Dabei sein werden der Tenor der Vereinigten Bühnen Krefeld/Mönchengladbach, Kai Scholdybajew, der Trompeter Waldemar Jankus und als Begleiterin die langjährige „Hauspianistin“ des Chores, Indira Farabi.

Eintrittskarten zum Preis von 9 Euro gibt es bei allen Chormitgliedern und bei Juwelier Winkels in Rheydt.